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 Bibel – Buch mit sieben Siegeln

Für viele Christen und Katholiken ist die Bibel ein Buch mit sieben Siegeln. Aus Machtkalkül hielt die Kirche des späteren Mittelalters den Text der Bibel von Laien fern. Übersetzungen in die Volkssprache galten lange als Teufelszeug. Seit jeher beanspruchte der Klerus und seine Spitzenkräfte das Monopol bei der Interpretations- und Auslegungsarbeit der Heiligen Schrift, dem Grundbuch der Christenheit. Jesus sagte zu seinen Jüngern: «Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen» (Matthäus 18,3). Deshalb ist es ratsam, die Bibeltexte nicht nur mit dem Verstand, sondern vor allem mit dem Herzen zu lesen. Wer die Bibel rein wortwörtlich liest, dem bleibt das darin verborgene Wissen verschlossen. «Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig» (2. Korintherbrief, 3,6). Die Schreiber unserer heiligen Bücher waren erleuchtete Mystiker, sogenannte Eingeweihte. Den Inhalt der Bibel «nicht-mystisch» zu interpretieren steht daher unweigerlich im Widerspruch zur Intention der göttlich inspirierten Autoren. Bibellesen hat nichts mit Weltflucht oder Frömmelei zu tun. Fundierte Bibelkenntnisse im «christlichen» Abendland sollten Teil einer guten Allgemeinbildung sein. Die Christen können in der Heiligen Schrift und im Besonderen in den Evangelien grundlegende, zeitlose Wahrheiten entdecken und all das finden, was sie für ihre geistige Entfaltung brauchen. Eine gute Bibelübersetzung, wie zum Beispiel die Elberfelder-, Schlachter-, Luther- oder Zürcher Bibel wäre empfehlenswert. Rufen wir uns, egal ob Laie oder Kleriker, in Erinnerung, was der grosse katholische Theologe Karl Rahner im Jahre 1966 prophezeite: «Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.»

Johannes Müller, Rickenbach




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