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Sport

Zweitakt-Athleten im Kampf gegen den Schlamm

Die Teffli-Rally von Ennetmoos ist ein Begriff für alle, die es gerne mit Motoren zu tun haben. Aber nicht nur das. Die treibstofflastige Kultveranstaltung von «Innänuisä» hat einen urchigen Touch und war von Anbeginn an legendär. Auch wenn man mit Töfflis und Benzinqualm nicht viel am Hut hat – einmal sollte man diese Rally besucht haben. Aus verschiedenen Gründen.

Der Dreck wurde hoch geschleudert auf dem «Dirty Circle», der Rennpiste für ambitionierte Mofa-Wettkämpfer auf dem Chilemattli bei Ennetmoos im Kanton Nidwalden. 

Wer gerne Mofas hat, ist an der Teffli-Rally in Ennetmoos am richtigen Ort. Wer gerne Rennen verfolgt und nichts gegen Lärm, Motorenqualm und Dreck hat, umso mehr. Und wer gerne Leute mag, gute Musik geniesst mit Bier und Pommes, sowieso.

Festgelände mit Rutschpotenzial

Originelle Geselligkeit und gute Unterhaltung war auch an der 13. Ausgabe des mittlerweile legendären Innerschweizer Töfflirennens am vergangenen Wochenende garantiert, trotz des strömenden Regens. «Strategien entgegen der Glitschigkeit» hätte ein weiterer Grund sein können, um dieses Festgelände zu besuchen. Denn der «Dirty Circle», eine 300 Meter lange, mit Windungen, Steigungen und Abfahrten versehene Rennpiste, entwickelte sich zu einer schmierigen Schlammrutsche ohne Halt und Festigkeit. Auch auf dem gesamten Festareal war vorsichtiges Gehen angesagt, wollte man nicht mit dem Füdli im Matsch landen.

Rutschfestigkeit war angesagt.

Der Stimmung tat das Wetter keinen Abbruch. Rund 29500 Gäste wurden gezählt, die unter Regenschützen fröhlich mitfieberten oder auch nur wegen des Rahmenprogrammes herkamen. Die Zweitakt-Athleten in Vollmontur gaben alles und die drei Speaker Küde, Schorsch und Kari schaukelten die Laune in die Höhe.

Die Teffli-Rally 2024 verzeichnete 29500 Besucher.


Bieridee mit Erfolgspotenzial

Gestartet wird an der Teffli-Rally jeweils in drei Kategorien. Kategorie 1 ist die «Königsklasse des Töffli-Tunings», Fahrwerk und Motor werden bis an die Grenzen optimiert – der Schnellste gewinnt. Kategorie 2 geht «back to the roots», so ganz wie früher, werden die «Sackgeldverdunster» mit einfachen Mitteln frisiert. Dazu optisch aufgepeppt – Originalität plus Tempo gewinnt. In der Kategorie 3 regiert Kreativität. Aufmachung zählt! Je ausgefallener, umso besser. Einzig ein originaler Töfflirahmen muss noch dran sein, sonst wird alles umgebaut. Ein Spektakel.

Vertreter der Kategorie 3: Originalität gewinnt!

Die treibstofflastige Kultveranstaltung, die sich innert 24 Jahren zum soliden Grossevent entwickelt hat, entstieg einst einer hirnverbrannten Schnapsidee der Guuggenmusik «Schluchtä-Gruftis» von Ennetmoos. Im Mai 2000 fand die erste OK-Sitzung statt und inzwischen reisst sich sogar Red Bull um den Event. Aber nein, die innovativen Teffli-Länder gaben ihr dröhnendes Highlight nicht aus den Händen. Ein 14-köpfiges OK, 174 Rennfahrer (zwei Rennfahrerinnen inklusive), zehn Live-Konzerte, zahlreiche DJs und 1200 Helferinnen und Helfer machten sich auch dieses Jahr wieder für den Event stark. Und nicht zuletzt ein toleranter Landbesitzer des «Chilemattli» in Ennetmoos.

Im Kampf gegen die Zeit und den Morast.


Einheimische auf Siegeskurs

Der Blick ins Fahrerlager ist ein Vergnügen für sich, die Fahrerliste reinste Mofakult-Literatur. Team «Choubä­frässer» oder «Pfusch am Puch» lässt bereits Ungutes erahnen. Mit Team «Friss Dräck» und «John Porno» wirds noch harter. Namen wie «Huerä Hund» und «Lättäbrenner» lassen auf einheimische Kampfbereitschaft schliessen und das «Tschesn King Racing Team» kam tatsächlich aus Österreich angereist. Mitmachen kommt vor Gewinnen.

Team (Zitat) «mier gänd nid uif» im Fahrerlager.

Abgeräumt haben schliesslich in Kategorie 1 Sandro Huser aus Sachseln, Martin Schraner aus Au SG und Roman Bregy aus Wolfenschiessen. Sieg Kategorie 2 ging an den - welche Ehre -  «Tschesn King» aus Wien. In Kategorie 3 holten die drei Lokalmatadoren Christoph Herger, Luca Hurschler und Kobi Würsch die Pokale. Die Siegerehrung wäre gewiss allein schon ein Grund für den Besuch der Teffli-Rally 2024 gewesen.

Ihr Name wurde seit dem Jahr 2000 zur Legende: Die Teffli-Rally von Ennetmoos.

Ursula Koch-Egli


«Einen gewissen Schaden musst du schon haben!»

Unter den dreckschleudernden Zweitakt-Athleten in Vollmontur wurde auch Yanick Vogel mit Startnummer 171 gesichtet. Der 28-jährige Stromer und Landwirt aus Neudorf widmet sich schon seit Jugendjahren hingebungsvoll dem Töfflifrisieren. In der Kategorie 1 (bis 100 m3) erreichte er an der Teffli-Rally in Ennetmoos einen Rang irgendwo im soliden Mittelfeld – so genau wusste er es auch nicht. Im Interview erzählt er, seit wann er sich dieses Vergnügen antut und weshalb es ihm solchen Spass macht.

Yanick Vogel (28) aus Neudorf bestritt die Rally bereits zum 5. Mal.

Yanick Vogel, seit wann machst du bei der Teffli Rally mit?

Yanick Vogel: 2013 war ich erstmals als Zuschauer dabei, zwei Jahre später dann selber am Start. Seither bin ich jedes Mal dabei.

Es heisst, es sei unglaublich schwierig, für diese Rally an eine Startnummer heranzukommen. Wie ist es dir gelungen?

Naja, ganz einfach war es nicht. Mit etwas Vitamin B und OK-Connections gelang es mir. In der Tat ist es sehr schwierig, als Neuer reinzukommen, denn die Startplätze sind begrenzt.

Wie funktioniert die Vergabe der Plätze?

Als bestehender Teilnehmer bekommt man einen zeitlichen Vorsprung zum Vorbezug der Plätze. Werden sie dann für alle zugänglich, sind sie innert drei Minuten weg.

Du bist jetzt schon das 5. Mal dabei. Warum macht dir die Teffli-Rally solchen Spass?

Einerseits ist es das Töfflibauen, das mich fasziniert – man schraubt einen Motor von 1 PS auf fast 20 PS hinauf, das wird dann richtig abdrücken! Andererseits das Fahren vor so viel Publikum, fast 30000 Leute! Eine geniale Atmosphäre.

Wie hast du dich vorbereitet?

Schon seit der Jugend schraube ich an Töfflis herum, versuche, sie stetig zu optimieren. Das Interessante an der Rally ist: du musst nicht nur sportlich, sondern auch handwerklich und mechanisch «parat» sein. Hier muss man nicht nur Schnelligkeit hinkriegen, sondern auch Kraft. Und natürlich ein Fahrwerk, das allem standhält.

Und wie testest du es aus?

Vorgängig trainiere ich einfach zuhause auf Stoppelfeldern. Zudem fahre ich für Motocross-Trainingsläufe nach Italien.

Was war diesmal die besondere Herausforderung auf dem «Dirty Circle»?

Die Rennpiste war vom Regen völlig durchnässt, man schliff nur darauf herum. In dem Schlamm ging die Leistung komplett in die Luft hinaus. Nur wer es sich gewohnt war, im Dreck zu fahren, gelangte nach vorne.

Muss man ein bisschen spinnen, um da mitzumachen?

Einen gewissen «Schaden» muss man schon haben! (lacht) Nein, einfach Freude am «Mechen», am Schlossern und am Fahren braucht es.

Wie viel Zeit hast du auf dem Festgelände in Ennetmoos verbracht?

Wir waren sechs Kollegen, die «Maschthommelizöchter Seetal», und hatten von Freitagmittag bis Sonntag einen Wohnwagen im Fahrerlager stationiert. Es war ein Fest, eine Riesenkilbi. Nun, andere besuchen Open Airs – wir gehen an die Teffli-Rally!

Wie findest du das Setting?

Es ist einzigartig. Was die dort bieten, findest du sonst nirgends. Live Bands, Unterhaltung und Kinderrennen ... es hat für alle etwas.

Dann bist du 2026 sicher auch wieder dabei. Was rätst du jenen, die es jetzt gepackt hat, und die als Newcomer an der Teffli-Rally mitmachen möchten?

Erst mal sollten sie sich in das Reglement einlesen und checken, ob sie die Bedingungen erfüllen. Und dann, mit viel Glück und Schnelligkeit, sich anzumelden versuchen!

Helm auf und ab in den Kampf! Yanick Vogel mit Nummer 171 am Start in der Kategorie 1.


Mit Startnummer 117 wurde ein weiterer Fahrer aus dem Michelsamt gesichtet: Michael Gautschi aus Rickenbach.

Interview: Ursula Koch-Egli


Weitere Bilder und Impressionen der Teffli-Rally 2024 vom 17. August:


Bilder: Ursula Koch-Egli




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