Zwei Kilometer Flatterfreude – und wie es dazu kam
Die im Wind tanzenden Fasnachtsbändeli als Gegenstück zur Weihnachtsbeleuchtung an der Zürcher Bahnhofstrasse der 70er- Jahre: Sie sind ein Entwurf von Ludwig Suter-Brun. Mit einfachen Mitteln und vielen Helfern Jahr für Jahr in luftiger Höhe montiert, wirken sie als feierlicher Baldachin fürs närrische Treiben zur Fasnacht im Flecken.
(Bild aus: «100 Jahre Fleckenzunft zu Beromünster» )
Erst weil man sich um ihr Dasein sorgte, fielen sie so richtig auf: Die Bändeli im Flecken von Beromünster. Wegen gewisser Rhythmusstörungen in der Aktivität der Fleckenzunft, auf die nun nicht mehr näher eingegangen werden soll, fürchtete man sich bisweilen, dass man dieses Jahr ohne bunt-fröhliches Gewimmel am Fleckenhimmel fasnachten müsste. Ein Schreckensszenario, nein! Doch wie alle wissen, des Fleckens Traditionsschmuck zur 5. Jahreszeit, fast so wenig wegzudenken wie die Triumphbogen zur Auffahrt, wurden gottlob doch noch installiert. Bändel gut, alles gut. Aber halt! Wie war das eigentlich mit diesen Bändeln? Warum und seit wann, und stimmt es wirklich, dass ihre Spur bis nach Zürich führt? Ja. Und wessen Spur? Jetzt hören Sie mal: Ist das eine Frage? Nein.
Also. Gehen wir zurück ins Jahr 1969. Oscar Estermann und Ludwig Suter waren zwei Kunstgewerbeschüler in Luzern. Spätestens ab dem ersten Adventssonntag belegten sie regelmässig und autonom mit vielen andern das sogenannte «Freifach Fasnacht» im Café Moc. «Bei Espresso, Gipfeli und Gauloises bleu wurde geplant, entworfen und plagiert», erzählt Ludwig Suter in einer mittlerweile auch schon fast 25-jährigen Broschüre zum 100-Jahr-Jubiläum der Fleckenzunft.
Die Züricher Bahnhofstrasse anno 1971. (Bild: ASL-Fotoagentur)
Bändel gut, alles gut
Also. Den Künstlern im Freifach stach ein besonderes Bild ins Auge: Eine Doppelseite der «Schweizer Illustrierten» zeigte eine imposante Lichterdekoration über der Zürcher Bahnhofstrasse. Senkrecht baumelnde Kettenlichter an quergespannten Seilen zwischen den Fassaden. «Was die in Zürich können, kriegen wir im Flecken noch lange hin», dachten sich wohl die beiden Freifachfasnächtler und machten sich ans Werk. «Wir planten, zeichneten, nahmen Mass, berechneten und experimentierten mit Hanf- und Kunststoffschnur», so die Erzählung. Lautstark wurde das Projekt dann am Dreikönigsbot vorgestellt und in Otto Schacher wurde ein versierter Co-Produzent gefunden, welcher weit mehr als nur schwindelfrei war und mit Leitern umzugehen wusste. Das Projekt wurde der kantonalen Denkmalpflege vorgelegt, die Polizei war informiert und beim Amt für Verkehr wurde eine Bewilligung eingeholt. An einem Samstag dann wurde eine «Anzahl Zünftige» aufgeboten. Sie banden mit dem «Bindbaumlätsch» 1500 Meter buntes Kunststoffband an 500 Metern Schnur fest und noch gleichentags hing der Fleckenhimmel voller Bändeli und stand der Zürcher Bahnhofstrasse in nichts mehr nach.
Also. Wer hats gemacht, gewusst und nicht vergessen? Für die Michelsämter Leserschaft aufgestöbert und angeknüpft: Annabarbara, uke und Suterlödu selig über dem Fleckenhimmel. Bändel gut, alles gut.
PS: In seiner Erzählung lässt es sich Ludwig nicht nehmen, zu erwähnen, dass seine Idee zum Vorbild wurde für ähnliche Kreationen in diversen Luzerner Landstädtchen, Amtshauptorten und Fasnachtshochburgen. «Doch auch hier gilt», schreibt er, und man sieht ihn förmlich mit mürrischem Augenzwinkern, «oft kopiert, doch nie erreicht.»
uke, Bilder: zvg