Zusammengehörigkeit um Feuer, Wald, Wurst und Kohle
Am Samstag, 14. September, fand schweizweit der Tag der Korporationen statt. Regen und Segen gehörte ebenso dazu wie Würste, Wein und Kohle. Wetterfest war man allemal. Zu Gast bei der Korporation Beromünster und bei der Korporation Gunzwil.
Dass die Korporation Beromünster wetterfest ist, bewies sie gleich zu Beginn. Denn genau zum angesagten Treffpunkt um Elf auf der Schanz regnete es wie aus Kübeln. Unter Schirm und Schutz von Linde und zahlreichen Regenschirmen, fand angesichts der Umstände die Einsegnung des Wegkreuzes im Schnellverfahren statt. «Bei schönem Wetter kann jeder ein Kreuz einsegnen», meinte Stiftspropst Harald Eichhorn mit Betonung, dass der Beistand des Himmels mit Weihwasser gegeben sei.
Der Nässe und Kälte unbekümmert, wohnten rund zwei Dutzend Personen der feierlichen Zeremonie bei. Ratspräsidentin Barbara Beeli-Suter begrüsste unter prasselndem Regengeräusch frohgemut die anwesenden Korporationsbürger und Gäste. Sie bedankte sich für diesen «sehr schönen, gemeinsamen Moment» hier auf der Schanz.
Drei Generationen vertreten
Im Flecken, auf dem Platz vor dem Stiftstheater, war eine Festwirtschaft eingerichtet worden, die nun kurzfristig gezügelt werden musste. Kein Problem, im «Schärmen» des Foyers hatte es genügend Platz. Tische und Bänke wurden herumgetragen, eine Leinwand installiert. Es herrschte angeregtes Begrüssen und Stühlerücken, bis alle ihren Platz fanden. Der Förster hatte den Überblick.
Ein Ausschuss der MG Beromünster sorgte für musikalischen Schwung und der offerierte Imbiss hielt die Leute bei Laune. Was sofort auffiel war der familiäre Zusammenhalt. Einige Korporationsfamilien waren in drei Generationen vertreten. Sicht- und spürbar, dass da nicht nur Wälder und Liegenschaften, sondern auch freundschaftliche Verbindungen seit Generationen gepflegt werden.
Ansprache der Präsidentin
Bei ihrer offiziellen Ansprache durfte Barbara Beeli nun auch die Delegation des Gemeinderats begrüssen, Manuela Jost, Maria Conrad und Luca Boog. «Echli binenand sii» wolle man an diesem nationalen Tag der Korporationen, sagte Beeli zu den lauschenden Gästen an der wohligen Wärme. Es gebe viele Gründe, mit der Korporation in Verbindung zu sein. «Vielleicht beziehen Sie Ihr Cheminéeholz von uns oder den Christbaum, oder Sie bekommen von uns die Wasserrechnung», sagte sie lächelnd. «Vielleicht wohnen Sie in einer Wohnung der Korporation oder Sie waren schon mal an einem Fest in unserer Waldhütte» Wahrlich, die Korporation hat in Beromünster eine grosse Präsenz. 1803 gegründet, ist sie eine von 81 Korporationen im Kanton Luzern. Die Zugehörigkeit erfolgt wie bei allen Personalkorporationen durch Geburt oder Heirat, mittlerweile aber auch durch erleichtertes Verfahren. Der Besitz der Korporation, so Beeli in ihrer Ansprache weiter, sei historisch bedingt und bedeute Nachhaltigkeit und Unterstützung des Gemeinwesens. «Die Korporation ist aus meiner Sicht als Ergänzung zur Einwohnergemeinde ideal». Als weitere Ratsmitglieder stellte sie locker und sympathisch vor: Ignaz Suter, Robert Suter, Linus Suter, Ruedi Schumacher und Susanne Wey.
Wertschätzung für das Wirken
Gemeindepräsidentin Manuela Jost-Schmidiger drückte in ihrem Grusswort ihre Wertschätzung für das Wirken der Korporation Beromünster aus. «Gemeinde und Korporation haben eine lange gemeinsame Geschichte. Beide Institutionen setzen sich für das Wohl der Einwohner ein», sagte sie. So werde man auch die kommenden Herausforderungen gemeinsam meistern, damit sich «Möischter» bestens weiterentwickeln könne.
Das familiäre und lockere Beisammensein zog sich bis in den Nachmittag hinein. Auch draussen kamen an den inzwischen getrockneten Bänken und unter scheuen Sonnenstrahlen neue Gäste hinzu und genossen eine Wurst, ein Korporationsbier oder einen anderweitig feinen Tropfen. Gegenüber, in der Oberen Schmitte, loderte das Feuer in der Esse, wo Schmied Michael Aeschimann vor vielen staunenden Augen das rotglühende Eisen behämmerte.
Die vier W-Begriffe
«Wiesen – Wasser – Wald – Wohnen» sind die vier Begriffe, die das Wirken der Korporation Beromünster bezeichnen. Am Anfang stand die gemeinsame Bewirtschaftung der Allmend. Heute ist das kollektive Weid- und Ackerland parzelliert und an landwirtschaftliche Unternehmen der Umgebung verpachtet, erfährt man auf ihrer Webseite.
Die Korporation Beromünster besitzt 216 Hektaren Wald und liefert Trinkwasser an mehr als 650 Haushalte in Beromünster. Sie hat in Beromünster den Wohnungsbau in den letzten Jahrzehnten gefördert dank Landabtausch und -verkauf und betätigt sich im Bau von Mehrfamilienhäusern und deren Verwaltung.
Dass die Korporation Beromünster als eine der drei grossen Landkorporationen finanziell sehr gut gebettet ist, ist kein Geheimnis und macht sich in ihrem Auftritt nach aussen sichtbar. Blickt man auf ihren Ursprung zurück, hat die Korporation Beromünster sinngemäss aus Holz «Kohle» gemacht. Als Korporationsbürger ist man schon von Geburt an gewissermassen privilegiert, trägt aber auch Verantwortung für den Erhalt der Werte.
Korporation Gunzwil: Kaffee und Kohle im Bogetenwald
Ein paar Kilometer nördlich des Geschehens von Beromünster gesellte man sich ebenfalls gesellig um das Feuer. In der Korporationshütte im Bogetenwald lud die Korporation Gunzwil alle Interessierten zum Vorbeischauen ein. Wer früher oder später dazukam, blieb eventuell länger als geplant. Bei diesem Wetter bot die Hütte eine urgemütliche Stimmung bei Kaffee vom Feuer mit Rauch-, Cervelat und Kuchenduft.
«Wir sind eine sehr kleine Korporation», erklärte Präsident Beat Furrer im Gespräch am Tisch bei Kafi Schnaps. «Sie zählt 33 Bürgerinnen und Bürger und zu ihrem Besitz gehört der Bogetenwald sowie die drei Dorfbrunnen von Gunzwil.» Beat Furrer ist seit zehn Jahren Präsident. «Ich bin gerne im Wald, ich organisiere gerne», meint er, sein Ziel sei nun, den Wechsel auf die neue Generation aufzugleisen. Zum Vorstand gehören Irène Furrer als Ratsschreiberin und Mirjam Erni-Wey als Kassierin.
Die Oberfläche von 1 Gramm Kohle
Die Geschichte der Korporation Gunzwil geht bis ins 15. Jahrhundert zurück als ein Zusammenschluss von Bürgern von Gunzwil, die über Jahrhunderte hinweg gemeinnützige und soziale Aufgaben übernommen hat. Heute sei sie eher ein Zusammenschluss Gleichgesinnter, die sich aus Traditionsgründen dem eigenen Wald, der Waldhütte und Wasserquelle annehmen, dabei die Freundschaft und Geselligkeit in den Vordergrund stellten. Die Waldhütte ist nebst allfälligem Holzverkauf die einzige Einnahmequelle der Korporation Gunzwil.
Dennoch weiss die Korporation Gunzwil sehr wohl, wie man Kohle macht. Unweit der Hütte war eine Installation zur Kohleherstellung eingerichtet, wo in einem grossen Metallgefäss eine grosse Menge schwarzer Holzkohle vor sich hin räuchelte. Den beiden Besuchern aus der benachbarten Korporation Pfeffikon wurde am Nachmittag, als es aufgehört hatte zu regnen, die Vorgänge dieser Prozedur gerne nochmals im Detail vor Augen geführt. Mit räuchelndem Stumpen im Mund verfolgten sie diese ebenso interessiert und das Zusammenfinden rund ums Kohlebecken wurde zu einer Mischung aus Chemieunterricht und Situationscomedy. Bei der Korporation Gunzwil weiss man nicht nur, wie man Kohle macht, sondern auch, wie man es dabei sehr lustig haben kann. Und wieviel Oberfläche hat schon wieder ein Gramm Kohle? Man glaubt es kaum: 250 Quadratmeter. Für nähere Erläuterungen frage man den Fachmann in Sachen Pyrolyse, Stephan Furrer.
Ursula Koch-Egli
Weitere Bilder und Stimmungen vom nationalen Tag der Korporationen im Michelsamt:
Bilder: Ursula Koch-Egli