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Zukunft hat Herkunft – Korporation Beromünster feiert 220 Jahre

Prächtiger hätte der Tag wirklich nicht sein können, den sich die Korporation Beromünster für ihren Jubiläumsausflug ausgesucht hatte: Tiefblauer Himmel, strahlender Sonnenschein und ein glitzernder Vierwaldstättersee, dazu sommerliche Temperaturen und ein laues Lüftchen an Bord. «Einsteigen und geniessen!», so die Devise auf der MS Diamant.

Einsteigen und geniessen: Die Korporation Beromünster am Pier vor der MS Diamant.

An diesem Samstag, 16. September, ging es weder um Hektaren und Grundstücke, noch um Pläne oder Zahlen – heute ging alles allein ums Geniessen und gemütliche Zusammensein. 220 Jahre erfolgreiches Bestehen der Korporation Beromünster, das durfte gebührend gefeiert werden. Zum Jubiläumsausflug waren alle Bürger und Bürgerinnen eingeladen worden mit Anhang. Das Besondere daran war, dass auch jene eingeladen worden waren, die das Korporationsbürgerrecht aufgrund ihrer Abstammung innehaben, jedoch schon seit Generationen nicht mehr in der Region Beromünster wohnen. So waren Herzogs, Suters und Co. auch aus Luzern, Basel oder Solothurn vertreten und mit Herzogs und Suters aus «Möischter» im gleichen Boot. Gemeinsame Wurzeln seit 220 Jahren.

Auf jeden Fall: Gut gelaunt

Gegen elf Uhr trafen nach und nach die rund 220 Gäste – die Zahl war Zufall – am Schiffsteg in Luzern ein, und der fröhliche Trubel begann schon bei der Begrüssung. «Ach, du bist auch da?» «Klar, Herzog!» «Ah, ledig Suter?» «Brandstetter, genau.» «Kopp?» Und schon war man im Gespräch, egal wer mit wem, einen gemeinsamen Nenner fand man immer. Die Verwandtschaftliche Verbandelung wurde entflechtet und wer sich nicht gleich auf Anhieb erkannte, tat es nach den ersten paar Worten. Alle Altersklassen waren vertreten, von Baby bis Hochbetagt, von schick gekleidet bis salopp, aber auf jeden Fall: Gut gelaunt.

Das Schiff setzte sich in Fahrt, die Musik spielte auf, und im schön gedeckten Speisesaal nahmen die einen Platz, während die anderen noch auf dem Deck mit dem Weisswein in der Hand den ersten Fahrtwind genossen. Korporationsförster Robi Suter: «Einfach schön! Da sind Leute, die du seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hast!» Perinne Herzog meinte schlicht: «Fantastisch!»

Der 89-jährige Korporationsbürger Joseph Suter sagte beeindruckt: «Für mich ist es eine Offenbarung, dass nicht nur das kleinbürgerliche «Möischter», sondern auch die erweiterte Bürgerschaft eingeladen worden ist. Denn die Korporation hat eine gesellschaftliche Verpflichtung, sich nicht nur für den Ort, sondern auch für das Allgemeinwohl einzusetzen.»

Franziska Egloff-Herzog war aus dem Kanton Solothurn hergereist: «Ich finde es sehr toll. Einmalige Kulisse!»

Auch von etwas weiter her waren die Brüder Paul und Armin Herzog gekommen, die auf dem Deck die Fahrt genossen. «Abstammung Herzog Jost, Neudorf – Betonung auf Neudorf», sagten sie. Herzog sei nicht gleich Herzog, meinten sie spassig, «die Möischterer Herzog haben eine Glatze und die Neudorfer nicht!»

220-jährige Weisstannen

Die MS Diamant verliess mit der gutgelaunten Körperschaft – deutscher Begriff für Korporation – an Bord die Luzerner Seebucht mit Kurs aufs Urner Becken und zurück. Unzählige Selfies, Gruppen- und Familienbilder wurden vor Postkartenkulisse geschossen.

Nach dem Kapitän begrüsste auch Präsidentin Barbara Beeli-Suter die Leute im Namen des Korporationsrates. «220 Jahre mit 220 Gästen! Geniesst es, und lasst die Korporation hochleben!» Die Ansprache der Präsidentin und die Vorstellung des gesamten Korporationsrates nach dem Hauptgang des Mittagessens war kurzgehalten, herzlich und sympathisch. «Auch heute sind hier die Namen Herzog am meisten vertreten, wie auch schon vor 220 Jahren», so Barbara Beeli-Suter. Damals, als 160 Bürger gemeinsam Wälder erschlossen haben und Allmenden entwässert. Ob es denn noch Zeitzeugen gebe aus dieser Zeit? Bäume, die so alt sind wie die Korporation, stehen noch im Chüewald, bei der alten Hütte, stattliche Weisstannen, die laut Förster ein Alter haben, das bis ins Jahr 1803 zurückgehen kann. «Geht hin, schaut euch diese Bäume an!», so Barbara Beeli mit herzlicher Begeisterung. Was sie auch betonte war, dass eben diese Weisstannen Herzwurzler seien, was auch sinnbildlich sei für die Verwurzelung dieser Gemeinschaft, der Korporation Beromünster. «Wir haben alle Bürger eingeladen, auch jene, deren Bürgerrecht aufgrund eines Wegzugs eingeschlafen ist. Und jeder und jede, die hier ist, hat Wurzeln, die zurück nach Beromünster führen!»

In die Zukunft führen

Als Korporationsrat stellten sich vor: Vizepräsident Ignaz Suter («Eine rundum gefreute Sache!»), Kassier Linus Suter («Man siehts, es geht uns gut!»), Förster und Geschäftsführer Robert Suter («Ich darf 215 Hektaren Wald betreuen!»), Schreiberin Susi Wey und Ratsmitglied Ruedi Schumacher, zuständig für Bauen und Liegenschaften. Er schloss ab mit den Worten: «Wir arbeiten zum Wohl an einer Sache, die uns seit Generationen anvertraut ist. Es ist etwas Gefreutes.» Das Thema der gemeinsamen Wurzeln aufgreifend meinte er: «Man spürt, woher man kommt, und das kann man in die Zukunft führen.» Er wünsche weiterhin gutes Gedeihen, Erfolg und viele Leute, die Verantwortung übernehmen.

Das fröhliche Zusammensein konnte dann noch den ganzen Nachmittag genossen werden, beinah Ferienfeeling kam auf. Als die MS Diamant um 16 Uhr wieder in Luzern einfuhr, wurde sie stimmungsvoll von jazzigen Klängen der KKL-Jubiläumsfeier gleich gegenüber willkommen geheissen. Die etwas Eiligeren konnten sich dann direkt mit dem Car auf den Heimweg begeben, andere blieben noch länger auf dem stationierten Schiff und pflegten das Zusammenspiel des gemeinsamen Wurzelwerks noch bis 18 Uhr. Ignaz Suter meinte zum Abschluss: «Danke, dass ihr gekommen seid, es war ganz schön. Und wir hoffen, dass wir einander in 220 Jahren wieder sehen!»

Stichwort Korporation: Was kommt dir in den Sinn?

«Wald.»

(Dino Castelli)

«Bürgernutzen.»

(Peter Suter)

«Als Student habe ich das sehr geschätzt und ging deshalb an jede Versammlung.»

«Land, Wasser, Wald. Und heute: Liegenschaften!»

(Elsbeth Suter-Brun) «Ond ech be iigwiibet!»

«Gemeinschaft!»

(Linus Suter)

«Zusammenhalt.»

(Roger Dolder)

«Nur gewisse Namen und Geschlechter gehören dazu.»

(Berta Koch-Herzog)

«Land und Versammlungen.»

(Franziska Egloff-Herzog)

Yvonne und Pirmin Suter mit ihrer Tochter.


Erna Suter (l.) und Hanni Riehl.
Melanie Willi und Ueli Estermann.
Das Schiff setzte sich in Fahrt, die Musik spielte auf.
Präsidentin Barbara Beeli-Suter: «Auch heute sind die Namen Herzog am meisten vertreten, wie auch schon vor 220 Jahren.»
Geschäftsführer Robert Suter: «Einfach schön! Es sind Leute, die man Jahrzehnte nicht mehr gesehen hat!»
Anstossen auf eine gediegene Feier mit Vizepräsident Ignaz Suter (l.).
Blättern in der Korporationsgeschichte, Elsbeth, Annamaria und Monika Dolder (v.l).
Tiefblauer Himmel, strahlender Sonnenschein, ein glitzernder Vierwaldstättersee und beschwingte Klänge.
Auch die jüngsten Vertreter der Korporationsgeschlechter waren in Hochstimmung.
H bis R: Namenstafelausgabe mit Iliana Suter und Sandro Wey.
Die 220 Gäste betreten die MS Diamant.
Prost! Der ehemalige Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold.
Irene und Robert Suter, er betreut sonst 215 Hektaren Wald.
Willkommene Aktivität an einem prächtigen Tag.
Guten Appetit! Das Jubiläum war auch kulinarisch etwas Gefreutes.

Die Korporation Beromünster 

wurde 1803 gegründet. Sie gehört neben Sursee, Sempach und Willisau zu den vier grossen Landkorporationen des Kantons Luzern. Eine Korporation ist ein öffentlich-rechtliches Organ mit Gemeindestatus und funktioniert wie eine politische Gemeinde, jedoch ohne Steuereinzug, und sie wird nicht vom Staat unterstützt.

Zu ihrer Tätigkeit gehören die Bewirtschaftung und Verwaltung von Wald, Pachtland, Wasserversorgung, Fernwärmeverbund und Immobilien.

Die Korporation Beromünster zählt aktuell 126 Stimmbürger:innen.

Wer ursprünglich das Bürgerrecht von Münster besass, und später auch im Ortsbürgerregister eingetragen war, galt als Korporationsbürger. 1851 mussten sich alle beim Korporationsrat melden, die Anspruch auf das Bürgerrecht und das damit verbundene Nutzungsrecht machten. Korporationsgeschlechter von Beromünster sind heute: Brandstetter, Dangel, Dolder, Ernst, Estermann, Frey, Herzog, Kopp, Lüthert, Röthelin, Schlee, Schumacher, Suter, Stauffer, Troxler, Weber und Wohlschlegel. Mit den Korporationsreglements vom 30. März 1992 (Wiedererlangung des Bürgerrechtes für Frauen) und vom 7. April 2014 (erleichterte Einbürgerungen) sind neue Namen dazukommen. Bereits 1972 wurde mit 27 gegen 23 Stimmen das Frauenstimmrecht eingeführt.

Text: Ursula Koch-Egli, Bilder: Christian Hartmann




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