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Physiognomik-Expertin Tatjana Strobel zu Gast im Stiftstheater

«Wir sind wie ein Ferrari, der mit Tempo 20 fährt»

«Mensch oder KI?» Wie echte Menschen hinter perfekten Fassaden erkennbar bleiben. Diesem Thema, genauer, dem ganzen Themenkreis, der sich dahinter verbirgt, war der Vortrag im Stiftstheater von Physiognomik-Expertin Tatjana Strobel gewidmet. Organisatorin des Anlasses war Lucia Elmiger, CreaPool.

So vielschichtig wie der Mensch selbst, war der Vortrag von Tatjana Strobel. Sie ist Autorin von Büchern mit Titeln wie «Ich weiss, wer du bist: Das Geheimnis, Gesichter zu lesen», «Ich weiss, wie du fühlst: Die geheimen Botschaften des Körpers», «Die hohe Kunst der Selbstdarstellung» oder «Der Blick hinter die Maske: Was uns Gesichter verraten». Auch der Vortrag «Mensch oder KI» war kein Fachreferat über die Chancen und Risiken von KI (künstlicher Intelligenz), sondern war eine Reise durch das Menschsein. Durch das Menschsein mit dem sich Tatjana Strobel seit Jahren tiefgründig auseinandersetzt und die heute als anerkannte Expertin für Menschenkenntnis, Körpersprache und innere Prozesse gilt.

In der komplizierten Welt von heute, unterscheiden sich Wahrheit und Lüge immer weniger, der IQ der Menschen sinkt, obwohl der Zugang zu Wissen dank des Internets noch nie so einfach war und die ebenso künstliche wie oberflächliche KI wird immer mehr zum Alltag. In ihrem Vortrag berichtete Strobel von einer Untersuchung, die zeigte, dass Menschen inzwischen oft mehr mit ChatGPT sprechen als mit ihrem Partner. Und sie sprach von einer Studie, wo aus Sicht der Teilnehmer die KI mit mehr Menschlichkeit auszeichnet als der reale Mensch.

All das ist für Strobel kein Anlass, KI zu meiden. Viel mehr aber Anlass sich auf die eigene Individualität zu besinnen und das manchmal mehr, manchmal weniger authentische Menschsein. 

Entscheidende Faktoren

 «Wir sind wie ein Ferrari, der mit Tempo 20 fährt. Wir kennen uns, unseren Körper, unser Nervensystem nicht», so Strobel. Sie zeigte auf, dass in Zeiten Künstlicher Intelligenz die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Menschen immer wichtiger wird. «Vertrauen, Resonanz und persönliche Präsenz sind künftig entscheidende Faktoren fürs Privatleben, Wirtschaft und Gesellschaft», ist sie sich sicher. 

«Wir kommen als Nesthocker zur Welt, jemand muss uns regulieren. Was in den ersten tausend Tagen geschieht, ist sehr bedeutend. Dass wir von den Eltern oder Bezugspersonen wahrgenommen werden. Nähe, Berührung, Abläufe und Rhythmen sind wichtig. Dass wir bei einer Bedrohung beruhigt werden.» Im Naturvolk, bei dem Strobel einige Zeit lebte, werde ein Kind (aus diesem Grund) die ersten 12 Monate ausschliesslich getragen, berichtete Strobel.

Sie ging dem Umstand auf den Grund, dass wir Gefühle denken, statt sie zu fühlen, und diese so im Körper steckenbleiben. «Gefühle wollen uns etwas sagen», so Strobel. 

Sie schilderte auch, warum das menschliche Nervensystem oft schneller reagiert als der Verstand. Dass Panikattacken eine Eskalation des Nervensystems sind.

Intuitives Verhalten

Sie befasste sich mit der Authentizität der Mimik, Körpersprache oder nur schon Mikrospannungen. Dabei wurde deutlich, dass Sprache, Atem und Körperspannung häufig mehr über einen Menschen verraten als Worte oder perfekt formulierte Aussagen. Die auch dazu dienen, sich in einer bestimmten Art zu präsentieren oder das Gesicht nicht zu verlieren.

Intuitives Verhalten lässt sich deuten. «Der Körper sagt die Wahrheit, etwa ein starker Händedruck ist eine Ansage», betonte sie. Oder fragte: «Was sagt uns, wenn einer geht wie ein Cowboy, obwohl er noch nie ein Pferd geritten ist?»

«Ein starker Händedruck ist eine Ansage.»

Tatjna Strobel darüber, was eine Begrüssung darüber aussagt, wer das folgende Gespräch prägt.

Intuitiv ziehen sich wiederum viele Menschen in der Menge gerne in einen geschützten Rahmen zurück. «Wo setzen sich die meisten von uns im Restaurant am liebsten hin? Restaurants müssten eigentlich aus Ecken bestehen.»

Ist man sich dessen bewusster, öffnet sich der umgekehrte Weg. «Sich in Supermanpose zu werfen, schüttet Hormone aus und hilft, das Selbstbewusstsein zu stärken», so Strobel, oder: «Man zieht die Mundwinkel hoch und ist gut drauf.»

Die Zuhörerschaft verliess das Stiftstheater noch mit vielen anderen Erkenntnissen, Einsichten und Weisheiten und wird vieles in Zukunft bewusster beobachten.




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