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Why-Nachten, eine philosophische Betrachtung: Das Fest der Liebe, nicht des totalen Kommerzes 

Seit über 2000 Jahren bereiten sich die Christen, egal ob praktizierend oder Passivmitglied, ja sogar Kirchenferne, jedes Jahr wieder mit mannigfaltigen Aktivitäten auf den 24. Dezember vor. Wie kommt der datumsmässig sogar umstrittene Geburtstag eines Kindes dazu, das Feierlichste aller Feste zu sein? Der Versuch einer Antwort...


Weihnachtsstimmung in Gunzwil, so kann es Weihnacht werden...


Warum gelingen die Weihnachtsfeiern insgesamt besser und nachhaltiger als alle anderen Festlichkeiten? Kein anderer Anlass wird intensiver und umfangreicher vorbereitet, und zwar in jeder gesellschaftlichen Schicht trotz aller Unterschiedlichkeiten.

«Früher war mehr Lametta» ist ein legendärer Ausspruch von Loriot. In der Kindheit war Weihnachten mit so viel Emotionen verbunden. Wenn man selber Kinder hat, erlebt man dies nochmals unmittelbar. Später verblassen diese Emotionen, es bleibt ein relativ hektischer Dezember und allgemeine Erschöpfung. Es wird immer anspruchsvoller, den Sinn, das «Why» von Weihnachten zu spüren und aufrechtzuerhalten, ja vielleicht sogar weiterzuentwickeln.

Weihnachten ist das Fest der Liebe, und darauf können sich alle grundsätzlich einigen. Mein Lieblings-Weihnachtsaphorismus ist von Engelbert Schinkel, der Vorname passt ja schon perfekt zum Thema.

Er bezeichnet sich als «einfühlsamer Seelenfärber» und prägte den Satz: 

«Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, warum ist dann Weihnachten nur an Weihnachten?»


Diese Woche schrieb die 16-jährige Jaëlle Küng, Schülerin an der Kanti Willisau, in der Kolumne «U20» in der Luzerner Zeitung über den «Wahnsinn von Weihnachten» und gipfelte in der altklugen, sehr prägnant formulierten Aussage:

«Die Kommerzialisierung des christlichen Weihnachtsfests führt uns zum kompletten Wahnsinn, was sehr schade ist.» 

Eigentlich tragisch, wenn junge Menschen Weihnachten so erleben. Da wird doch etwas ganz falsch vorgelebt. Diese Kolumne hat mich einerseits extrem gefreut, denn wenn 16-Jährige sich solche Texte zutrauen und ihre Gedanken sehr gut ausformulieren, eine klare Meinung haben und dazu stehen, ist diese Welt nicht verloren. 

Was mich jedoch nachdenklich macht: Wieso machen wir beim Kaufrausch mit? Wie konnte es kommen, dass wir amerikanische Bräuche wie den «Black Friday» und «Cyber Monday» und den chinesischen «Singles Day» übernehmen und der E-Commerce-Boom Überhand nimmt, statt dass man in lokalen Geschäften Top-Qualität kauft bei guter Beratung, dass man wenig konsumiert, dafür bewusst, qualitativ und reflektiert. 

Gemäss einer englischen Studie sind nicht wenige Online-Käufer:innen mindestens leicht alkoholisiert beim Kaufen und machen Frust-Käufe statt ganz gezielte Lust-Käufe...

Letztlich kann dies jeder selber entscheiden, im Leben muss man wenig ausser irgendwann sterben (bis dann hat man hoffentlich immer gut gelebt) und Steuern bezahlen. 

In unserer Familie haben wir unter Erwachsenen die Weihnachtsgeschenke schon vor 20 Jahren abgeschafft. Wenn es etwas gibt, auch nur etwas Kleines, Persönliches, ist es immer eine schöne Überraschung. Auch die Kinder haben oft kaum etwas bekommen, mit den Geschenken von Gotti und Götti kommt eh genug zusammen. Wir versuchten unseren Kindern mit auf den Weg zu geben, dass zu Weihnachten gemeinsame Erlebnisse gehören, lustige Stunden, draussen sein, sich etwas erzählen. 

Das ist das grösste Geschenk. Materielle Geschenke sind Beilage, müssen nicht sein. So müssen wir nie ins Ausland shoppen gehen, kaum online bestellen und brauchen keine Einkaufstouren am 15. Dezember und an «verkaufsoffenen Sonntagen». 

So kennen wir den «Wahnsinn von Weihnachten» nur vom Hörensagen und versuchen dafür, den Sinn von Weihnachten immer neu und doch traditionell zu ergründen. 


Dieser Text erschien erstmals im «Michelsämter» vom 23. Dezember 2021. Feedbacks darauf sind wie immer sehr erwünscht.


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Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt 




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