Skip to main content Skip to page footer

Wetz: «Wir haben zu, sind aber im Vollbetrieb»

Das KKLB ist tot, lang lebe das KKLA: Weil Wetz sich in seiner Kunstfreiheit eingeschränkt sieht, schliesst er das KLLB und öffnet das Kunsthaus als KKLA wieder. Der Knatsch mit dem Gemeinderat ist noch nicht beendet.

Ein Bauobjekt oder ein Kunstobjekt? Künstler Wetz zeigt das Modell des umstrittenen Kunstobjekts "Art Bunker Lucerne"

Das KKLB – oder KKLA, wie es nun heisst – befindet sich im Jubiläumsjahr. So richtige Feierlaune kommt aber nicht auf, denn seit dem 11. August sind die Türen für Besucher geschlossen. «Das Betreten vom Privatareal ist verboten», steht auf einer Hinweistafel beim Parkplatz. «Das Erfolgsprojekt KKLB wurde geschlossen», heisst es auch auf der Website. Trotzdem finden weiterhin Gruppenanlässe statt und auf der Homepage sind Veranstaltungen aufgeführt. «Radio Beromünster» geht wieder auf Sendung, verkündete Wetz und lanciert ein neues Format mit kurzen Videos und Hörspielen. Täglich um 19.31 Uhr gibt es eine neue Sendung. Dafür erhielt er prominente Unterstützung. Moderatoren-Legende Beni Thurnheer machte den Start mit dem Programm «Sonntags-Stille», bei dem er jeweils unter Anmoderation eine Minute lang schweigt. «Es gibt noch kein einziges Tondokument, wo man mich schweigen hört, das präsentiere ich ihnen nun exklusiv», so der Moderator mit dem Übernamen «Schnorri der Nation». Aber auch Simon Enzler und Dani Ziegler machen mit oder Förster Robi Suter, der den Zuhörern die Stimme des Waldes zeigt. mehr Produktionen.

Aber wie passt das zusammen? Ist das KKLB nun geschlossen oder offen? «Das ist eine gute Frage! Wir haben zu, sind aber im Vollbetrieb», sagt Wetz mit einem Schmunzeln im Gespräch mit dem «Anzeiger Michelsamt». Veranstaltungen, die bereits gebucht wurden, würden weiterhin durchgeführt. Nach der Schliessung des KKLB im August, hat Alois Zihlmann alias Künstler Wetz das Kunsthaus neu aufgestellt und als KKLA wieder eröffnet. Allerdings ist das auf der Website noch kaum ersichtlich, ist dort doch überall noch vom KKLB die Rede. Ist das fehlende B für Beromüsnter ein Seitenhieb an die Gemeinde? Wetz verneint. «KKLA heisst Kunst und Kommunikation im Atelier. Ich habe das B aber nicht weggelassen, weil ich etwas gegen Beromünster habe», sagt Wetz. Es sei nicht mehr so wichtig, da die Besucher ja wissen, dass sein Kunsthaus in Beromünster stehe. Mit dem neuen Namen gibt es auch einen neuen Fokus. «Wir machen weniger Ausstellungen und mehr Produktionen», erklärt Wetz und meint damit etwa die Hörspiele der Reihe «Radio Beromünster».

Kunst oder Bau?

Seit diesem August herrscht dicke Luft zwischen dem Kunsthaus und der politischen Gemeinde Beromünster, denn diese verhängte einen Baustopp über das neueste Kunstprojekt, den «Art-Bunker-Lucerne» und fordert ein Baugesuch sowie ein hydrologisches Gutachten. Wetz hingegen will von einem Baugesuch nichts wissen und sieht die Kunstfreiheit gefährdet. Er vertritt den Standpunkt, dass er Kunst mache und er für Kunstobjekte kein Baugesuch brauche. «Es ist kein Gebäude, es ist ein Kunstwerk, das sich stetig verändert», sagt Wetz. Schliesslich habe man eigens für das Kunsthaus eine Sonderzone geschaffen, die solche Kunstwerke ermöglichen sollen, ärgert sich der Künstler. «Ich werde den Laden nicht wieder öffnen, solange der Gemeinderat Beromünster nicht hinter mir steht.»

Alternative zum Baugesuch

Zum Knatsch führte das neueste Kunstobjekt von Wetz. Dieses ist enorm und hat es in sich: 14 Tonnen Beton sollen für den «Art-Bunker-Lucerne» verbaut werden. Als Hommage an den erfolgreichen Künstler Martin Kippenberger will Wetz einen unterirdischen Zugang zum fiktiven und weltumspannenden U-Bahnnetz des deutschen Künstlers erstellen. Zwei Fertigbeton-Treppen vom Bohler, je 4,47 Tonnen schwer, bilden den Zugang in die Tiefe zum U-Bahn-System. Die Grösse des neuen Kunstwerks kommt nicht von ungefähr, es ist schliesslich auch ein grosses Jahr für das KKLB, das seinen kreativen 100. Geburtstag (10 Jahre KKLB und 90 Jahre Landessender) feiert. Im Dezember 2020 fuhren also beim KKLB die Bagger für den «Art-Bunker-Lucerne» auf. Die Freude bei Wetz war gross. «Kippenberger war einer der bedeutendsten Künstler», sagt er heute. Dann kam das jähe Ende der U-Bahn-Station. Die Gemeinde verhängte im August einen Baustopp. Im September sagte der Gemeinderat auf Anfrage: «Der Gemeinderat hat keine grundsätzlichen Einwände gegen das Projekt. Es handelt sich um ein ordentliches Verfahren und einen üblichen Ablauf.» Unter Androhung einer Strafanzeige forderte sie bis am 8. Oktober ein Baugesuch samt hydrologischem Gutachten. Ein solches Baugesuch hat Wetz bis heute nicht eingereicht. «Wie ich dem Gemeinderat erklärt habe, handelt es sich nicht um ein Gebäude sondern um ein Kunstwerk, und eine Kunstwerksbewilligung kennen wir im Baugesetz nicht», so der Künstler. Die U-BahnStation könne nicht einer solchen Baubewilligung unterzogen werden. «Die Behindertentauglichkeit etwa kann mein Kunstwerk in keinster Weise einhalten.» Kunst könne keine Kompromisse machen. «Darum sind die Kunst und die Politik auch immer Feinde.» Er hat aber dem Gemeinderat eine Alternative vorgeschlagen. In einem dreiseitigem Schreiben schlägt er der Gemeinde zwei Varianten vor, «um die Situation zu bereinigen», wie er schreibt.

Variante 1: Wetz nennt diese Alternative die Scherbenhaufen-Variante: «Um der angedrohten Anzeige zu entgehen, würde ich mit der Firma Aregger AG aus Buttisholz mein Kunstwerk aus dem Boden nehmen und neu in Stücke zerkleinert präsentieren», schreibt Wetz im Brief. In der Fiktion lasse sich auch in der Form eines Beton-Stücke-Haufens perfekt um die Welt reisen.
Variante 2: Diese Variante wird von Wetz bevorzugt. Er schlägt der Gemeinde vor, dass diese seinem Kunstwerk bis im Juni 2024 Asyl bietet. Im Gegenzug wird er keine weiteren Beton-Elemente verbauen und das Kunstwerk mit Rohholz und transparenten Well-Dachplatten fertigstellen. «Wie dieses Kunstwerk im Detail aussehen wird, kann ich beim besten Willen jetzt noch nicht sagen. Laufend entstehen meine Kunstwerke jeweils bei der Bearbeitung», erklärt Wetz im Schreiben an den Gemeinderat. Bei beiden Varianten soll das Kunstwerk am Freitag, 7. Juni 2024, zerkleinert werden und anschliessend unter dem Titel «U-Bahn-Station Landessender Beromünster» am 14. Juni 2024 mit einer grossen blumengeschmückten Lastwagenkolonne in ein Museum nach Basel gefahren werden.
Ein starker Kommunikator mit und ohne Megaphon: Künstler Wetz.

Selber Wasserproben genommen

Auch beim hydrologischen Gutachten zeigt sich Wetz kreativ. Er habe während drei Tagen mit Hydrologen und Geologen gesprochen und alle hätten ihm im Gespräch gesagt, dass eine hydrologische Untersuchung auf dem gesamten Gelände zwar spannend sei, aber in keinem Fall sei es angebracht, wegen des aktuellen Kunstwerks eine solche erstellen zu lassen. Es sei die bessere und günstigere Lösung, das Grundwasser nach möglichen Schadstoffen gleich neben dem Kunstwerk zu untersuchen. Zudem habe er mit Cyrill Studer Korevaar, Leiter der Umweltberatung Luzern, Wasserproben in Sursee untersuchen lassen. Im Zwischenbericht steht laut Wetz, dass 100-prozentig keine Schadstoffe von Seiten des Kunstwerks vorhanden seien.

Ob sich die Gemeinde Beromünster mit seinem Vorschlag zufrieden gibt, oder am Baugesuch und hydologischen Gutachten festhällt, ist noch unklar. Am Donnerstag war vom Gemeinderat niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Am Ende können Wetz und KKLA-Direktor Silas Kreienbühl dem Knatsch auch Positives abgewinnen.«Wenn jemand über das Bild eines Künstlers läuft, dann ist dies das Beste, was einem Künstler passieren kann.»


Text und Fotos: Sandro Portmann und Karl Heinz Odermatt 





Das könnte Sie auch interessieren