Wer Windkraft sät, erntet fossile Energieträger
Mit einiger Verwunderung haben wir am vergangenen Montag den Infoflyer der Gegner der Schutz- und Erholungszone Stierenberg studiert: Darin wird unter anderem ein Kohlekraftwerk gezeigt. Warum genau, muss offenbleiben – man kann lediglich mutmassen: Soll bei Annahme der Schutzzone etwa ein Kohlekraftwerk an die Stelle der ausgebooteten Windkraft treten? Merkwürdig – denn die Schweiz betreibt nicht nur keine Kohlekraftwerke, sondern bilanziert auch keinen importierten Kohlestrom im Stromnetz.
Ganz im Gegenteil: Die erneuerbare und unschlagbar umweltfreundliche Wasserkraft deckt bereits seit Jahrzehnten deutlich mehr als die Hälfte der Schweizer Stromproduktion ab, den grössten Rest besorgen die Atomkraftwerke, unbeliebt zwar, und auch nicht im engeren Sinne «erneuerbar», aber dank praktisch null CO2-Ausstoss äusserst «grün». Die Schweiz gehört damit zu den umweltfreundlichsten Stromproduzenten Europas oder gar weltweit.
Die ach so grüne Windkraft würde diesen Spitzenplatz akut gefährden: Weil Windräder im Schnitt während rund 20 von 24 Stunden pro Tag mangels Wind zu langsam drehen, um noch nennenswert Strom zu produzieren (gerade bei uns im windarmen Mittelland), muss deren Leistung quasi «rückversichert» sein, z.B. mittels Gaskraftwerken, die bei Flaute sofort in die Bresche springen – ein Gaskraftwerk direkt neben dem abgebildeten Windpark wäre also die weitaus zutreffendere Illustration gewesen. Entsprechend mies ist die CO2-Bilanz der Windkraft. Wers nicht glaubt: Im Wind-«Musterland» Deutschland ist die Kilowattstunde Strom im Mittel etwa fünfmal «CO2-intensiver» als in der Schweiz – und darüber hinaus rund einen Drittel teurer. Somit wird klar, dass die Argumente vom «Günstigen Strom» und «Verlässlichem Strommix», welche die Schutzzonengegner anführen, überhaupt nicht stichhaltig sind.
Es bleibt also festzuhalten, dass der Stierenberg mit Windrädern verschandelt werden soll, ohne dass daraus irgendein messbarer Nutzen hinsichtlich Energiesicherheit oder günstiger Stromversorgung erreicht werden kann. Diese Erkenntnis setzt sich langsam, aber sicher auch in weiten Teilen der Bevölkerung durch – die zahlreichen wohl argumentierten Engagements von Windkraftgegnern, nicht nur, aber gerade in Rickenbach, zeigen dies deutlich. Da Bund und Kanton langsam merken, dass Windräder sogar noch unbeliebter als Atomkraftwerke sind, wie kürzlich den Medien zu entnehmen war, sollen die Gemeinden nun entmachtet werden – schieben wir diesem undemokratischen Ansinnen einen Riegel und stimmen wir am 3. März Ja zur Schutz- und Erholungszone Stierenberg – für unser Dorf, aber auch für eine rationale Energiepolitik, die nicht von Wunschdenken geleitet ist.
Hans A. Frank, alt Grossrat, Rickenbach