Wenn Ausgelernte nochmals einen neuen Beruf lernen
Beim Thema Berufswahl und Lehre denken die meisten wohl in erster Linie an Jugendliche. Allerdings kann sich der Berufswunsch auch im Laufe des Erwachsenenlebens ändern. Der «Michelsämter» konnte im LUKS mit Poonam Müller, Loiy Baker und Marco Büeler über ihre Erfahrungen mit Zweitausbildungen sprechen.
Poonam Müller, erzählen Sie uns Ihre Geschichte.
Ich habe Jahrgang 1996 und stamme aus Indien. Ich bin adoptiert und habe Schweizer Eltern. Ich lebe seit 20 Jahren in der Schweiz, zuerst in Bellinzona, dann in Basel, wo ich im renommierten «Les Trois Rois» die Lehre zur Restaurationsfachfrau abgeschlossen habe. Anschliessend machte ich einen Sprachaufenthalt in Paris, bevor ich bei Novartis im Service arbeitete. Dann habe ich mich entschieden, eine Zweitausbildung zur Köchin zu absolvieren. Zuerst war ich im Schweizerhof in Luzern. Dann habe ich den Betrieb gewechselt.
Weshalb gab es diesen Wechsel?
Wegen der Pandemie geriet ich mit dem Schulstoff in Rückstand. Ich konnte Warenkörbe und Pflichtgerichte nicht üben, musste viel aufholen und sehr Gas geben. Hier am LUKS konnte ich das. Jetzt bin ich auf sehr gutem Kurs für den Berufsabschluss. Mein guter, strenger Berufsbildner beim LUKS hat da einen grossen Anteil. Lernen muss ich jedoch selber (lacht herzlich).
Bleiben sie nun Köchin oder gibt es eine dritte Lehre?
Ich möchte auf dem Beruf bleiben. Beim LUKS kann ich leider nicht bleiben, das war von Anfang an so abgemacht, obwohl es mir sehr gut gefällt und die Arbeitszeiten besser sind als in der Hotellerie.
Ehrlich gesagt zieht es mich halt schon wieder in ein edles Hotel, jedoch nicht mehr in Basel. Das Gastgewerbe gefällt mir mega! Nach einigen Jahren Erfahrung reizt es mich, etwas Eigenes aufzumachen, das traue ich mir zu.
Was geben Sie anderen Berufstätigen für Tipps, die den für Sie richtigen Weg finden wollen?
Ich empfehle jedem, unbedingt etwas anzupacken, auf sein Herz zu hören, Schnupperlehren zu machen, sich vor der Lehre schon bewusst zu sein, dass es anforderungsreich und streng wird, doch auch jeden Tag die Freude an der Arbeit auszustrahlen und auszuleben.
Was ist speziell in der Lehre beim LUKS?
Man wird super unterstützt in der Küche. Schon ab dem ersten Lehrjahr werden Probekochen organisiert. So ist man richtig gut vorbereitet. Dank den Arbeitszeiten hat man mehr Zeit zum Lernen. Hier sind die Dimensionen anders als in anderen Küchen, durch die grossen Mengen, das ist ganz etwas anderes.
Loiy Baker, was dürfen wir über Sie erfahren?
Ich bin 1999 geboren und bin 2014 mit meiner Mutter und drei Brüdern von Syrien nach Luzern gekommen. Nachdem ich das 10. Schuljahr absolviert habe, lebte ich zwei Jahre in Beromünster und habe im «Bärgmättli» ein Praktikum absolviert. Im Anschluss durfte ich die Ausbildung als Assistent Gesundheit und Soziales absolvieren. Über das Projekt «Perspektive» kam ich dann in die Lehre zum Fachmann Gesundheit.
Wenn ich diese Lehre im Sommer abgeschlossen habe, werde ich noch eine Ausbildung an einer höheren Fachschule HF absolvieren.
Welche Hürden gibt es zu meistern?
Die Pandemiephase habe ich schwierig gefunden. Es ist oft anspruchsvoll, die Abteilungen zu wechseln und sich rasch wieder einzugewöhnen. Dank dem tollen Team, der Lehrlingsbetreuung durch Praxislehrpersonen und die Lernbegleitung durch sechs Berufsbildnerinnen hier am LUKS konnte ich das bisher gut meistern. Als Absolvent einer Zweitlehre hat man einen anderen Erfahrungshintergrund. Das ist bereichernd, aber nicht immer einfach. Ein 40-Jähriger in unserer Klasse hat die Lehre abgebrochen, er hatte ein Problem mit seinem Lehrbetrieb.
Was möchten Sie in Zukunft aus Ihrer Ausbildung machen?
Ich will etwas erreichen. Ich strebe ein Nachdiplomstudium in Anästhesiepflege an. Dies braucht dann jedoch wieder Berufserfahrung.
Was geben Sie anderen Berufstätigen für Tipps, die den für sie richtigen Weg finden wollen?
Ich empfehle jedem, jeden Tag gerne zur Arbeit zu gehen und gut auf sich selbst zu hören. Was sind meine Stärken? Aber auch Inputs von anderen und von Betreuungspersonen sind sehr wertvoll.
Weshalb sind Sie beim LUKS in der Lehre?
Man hat hier sehr viel Abwechslung und jeder Tag ist anders. Man fühlt sich zu Hause in den verschiedenen Abteilungen und hat sehr grosse Weiterentwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Das schätze ich und ist nicht selbstverständlich. Natürlich muss man auch selber viel leisten, doch das muss man wohl überall und in jedem Beruf.
Marco Büeler, weshalb haben Sie eine Zweitausbildung begonnen?
Ich habe Jahrgang 2001. Ich komme aus Brunnen SZ. Meine Erstausbildung habe ich als Konditor/Confiseur in Schwyz absolviert. Die Arbeitsbedingungen da waren schwierig, es hat mir nicht wirklich gefallen. Ich hätte schon da gerne die Berufsmatura gemacht, konnte dies jedoch nicht. Deshalb habe ich direkt anschliessend gewechselt in die zweite Lehre zum Kaufmann mit Berufsmaturität (KV M-Profil) mit Ausrichtung Spital. Es gefällt mir sehr gut und die Arbeitszeiten sind natürlich besser als vorher.
Welche Hochs und Tiefs gibt es?
Ich finde es immer noch anspruchsvoll die Abteilungen zu wechseln und immer wieder viele neue Menschen kennenzulernen. Ich habe aber viel Selbstmotivation und auch Freunde haben mich immer unterstützt. Leider wird es finanziell nicht angerechnet, wenn man schon eine Lehre gemacht hat. Doch ich komme finanziell gut durch. Ich wohne im Personalwohnhaus des Luzerner Kantonsspital.
Was möchten Sie in Zukunft aus Ihrer Ausbildung machen?
Nach dem Zivildienst möchte ich ein Marketingstudium beginnen. Sonst ist jedoch noch vieles offen und das ist ja auch gut so (lacht).
Welchen Tipp geben Sie Freunden mit auf den Berufsweg?
Man soll gut auf seine Bedürfnisse und Talente hören, sich nicht zu sehr von anderen beeinflussen lassen. Der Weg muss für jeden selbst stimmen.
Weshalb ist das LUKS der richtige Ort für die KV-Lehre?
Das KV am LUKS ist spannender als an anderen Orten. Man hat Einblicke in viele Bereiche und sieht, was alles dahinter steckt. Es herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre. Die regelmässigen Gespräche mit den Vorgesetzten helfen auch für den Lernfortschritt. Das Personalwohnhaus ist praktisch. Ich würde wieder diesen Weg einschlagen.
Ingrid Oehen, was motiviert Sie zu Ihrer grossen Aufgabe am LUKS?
Ich bin ursprünglich dipl. Pflegefachfrau, habe den Handel gemacht und bin dann in die Pflegeexperten-Rolle reingekommen. Ich bin für die Ausbildung aller nichtärztlichen Berufe beim Luzerner Kantonsspital verantwortlich. Ich habe den besten Job, den ich mir vorstellen kann. Ich kann dazu beitragen, dass die Lernenden für sich einen guten Weg finden. Diese sind nicht immer linear. Es gibt auch Inhouse-Wechsel. Manche brauchen mehr Unterstützung. Was die Eltern für ihre Jugendlichen für einen Karriereweg wünschen, ist nicht immer das Richtige.
Welche Erfahrungen machen Sie mit «später Lehre»?
Fast nur gute. Es sind schon gereifte Persönlichkeiten und wissen genauer, was sie können und was sie wollen. Wir haben zum Beispiel am LUKS einen Lernberater, dessen Dienste gratis genutzt werden können. Gerade Quereinsteiger nutzen dies sehr gerne.
Welche Tendenzen stellen Sie diesbezüglich fest?
Es sind vermehrt sinnstiftende Tätigkeiten gefragt. Das hat sich in der Pandemiezeit noch akzentuiert. Dies hat uns bei der Rekrutierung geholfen.
Was empfehlen Sie einem im Beruf stehenden Menschen, dem es im angestammten Beruf nicht mehr gefällt?
Man ist nie zu alt, es ist nie zu spät! Eine persönliche Standortbestimmung ist immer sinnvoll. Es gilt zu evaluieren, was es alles auf dem Markt gibt. Immer wertvoll ist die Zentralschweizer Bildungsmesse ZEBI, die dieses Jahr vom 3. bis 6. November 2022 in Luzern stattfindet und ganzjährig online Informationen zur Verfügung stellt. Auch auf unserem Internetauftritt luks.ch finden sich viele Informationen rund ums Thema. Dies ist auch für Erwachsene sehr wertvoll. Auch wer 50 Jahre alt ist, hat noch 15 Berufsjahre vor sich und kann sich noch umorientieren. Schnuppern, Probearbeiten, mit anderen Berufsleuten reden –all dies ist sinnvoll und hilfreich. Einfach den Schritt wagen, ist ganz wichtig.
Text und Fotos: Karl Heinz Odermatt