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Sommerserie 2026 – Pannen in den Sommerferien

«Wem gehört dieser Rucksack?»

Ja, in den Ferien kann so manches schiefgehen – und doch macht es Spass, später noch davon zu erzählen. Unsere Autorinnen und Autoren machten sich auf die Suche nach eigenen Erinnerungen an Ferienpannen. Heute: Die Reise nach Südamerika. Eigentlich hatte sich Maira Wildoner ihre ersten Backpackerferien in Kolumbien anders vorgestellt. Ausgerechnet die Flüge dorthin wurden zur grössten Herausforderung.

Die Fahrt zum Flughafen Zürich verlief problemlos. Entspannt gingen wir zur Sicherheitskontrolle. Dort nahm unsere Reise jedoch bereits eine unerwartete Wendung. Ich legte meinen Rucksack aufs Förderband. Kaum war ich auf der anderen Seite, wurde er aus der Reihe gezogen. Ein Sicherheitsmitarbeiter fragte laut: «Wem gehört dieser Rucksack?» Für einen kurzen Moment blieb mir fast das Herz stehen.   

«Nein, kein Sprengstoff, nur Hausaufgaben ...»

Drei verdächtige Objekte 

Ich meldete mich und durfte meinen Rucksack öffnen lassen. Es war mir schon unangenehm, dass eine fremde Person in meinen Sachen herumwühlte. Nach einer kurzen Suche zog der Mitarbeiter ein kleines Säckchen hervor. Darin befanden sich drei bunte Jonglierbälle. Sie wurden auf Sprengstoff untersucht. Ich musste innerlich schmunzeln: Die Bälle hatte ich nicht freiwillig eingepackt, denn ich hatte die Aufgabe vom Sportunterricht erhalten, über die Ferien das Jonglieren zu üben. Nach meiner Erklärung war schnell klar, dass keine Gefahr bestand. Unser erster Flug ging nach Amsterdam. Dort wollten wir eine Nacht verbringen, bevor wir am nächsten Morgen weiter nach Medellín flogen. Kurz vor dem Einstieg gab es jedoch bereits das nächste Problem. Wegen voller Gepäckfächer mussten wir unsere Handgepäckrucksäcke abgeben. Das Flugpersonal versicherte uns, dass wir sie in Amsterdam zurückbekommen würden. Nach dem unfreiwilligen Abgeben der Rucksäcke blieb bei uns allen ein ungutes Gefühl. Leider war dieses Gefühl berechtigt.   

Drei verschwundene Rucksäcke 

Nach der Landung warteten wir vergeblich am Gepäckband. Nach über einer Stunde gingen wir zum Schalter der Fluggesellschaft. Die Antwort überraschte uns völlig: Unsere Rucksäcke befanden sich bereits im Gepäckcontainer der Fluggesellschaft für den Weiterflug am morgigen Tag nach Medellín. Wir konnten es kaum glauben. Niemand hatte uns informiert, dass die Rucksäcke direkt weitergeleitet wurden, obwohl der Flug erst am nächsten Morgen war.  Zwar hatten wir eine Tasche mit dem Nötigsten dabei, doch unsere Rucksäcke wollten wir unbedingt zurückhaben. Ohne Zahnbürste, neue Tageslinsen, Brille und frische Kleider hätten wir die Nacht überstanden – wohlgefühlt hätten wir uns dabei aber nicht. Wir baten daraufhin die Mitarbeiter der Airline eindringlich, alles zu versuchen. Sie notierten unserer Rucksäcke – schwarz, beige und grau – und erklärten, dass die Suche bis zu zwei Stunden dauern könne oder die Rucksäcke schon im Container seien und sie diese nicht mehr holen könnten. Dann begann das Warten.   

Endlich im Flugzeug nach Kolumbien.

 

«Nein, kein Sprengstoff, nur Hausaufgaben ...» 

Zu unserer grossen Erleichterung und Verwunderung erschienen bereits nach 15 Minuten unsere drei Rucksäcke. In diesem Moment fiel uns ein riesiger Stein vom Herzen. Es war wirklich Glück im Unglück. Mit unseren schweren Backpacks spazierten wir anschliessend durch Amsterdam. Wir assen zu Abend, erkundeten das beleuchtete Stadtzentrum und genossen den ersten Ferienabend. Erst spät gingen wir müde, aber vorfreudig ins Hotel. Am nächsten Morgen wartete bereits die nächste Überraschung. Kaum hatte ich meinen Rucksack wieder durch den Sicherheitsscanner geschoben, ertönte erneut ein piepsendes Signal. Wieder wurde mein Gepäck herausgezogen. Ich musste schon wieder lachen: «Bestimmt die Jonglierbälle.» Genau so war es. Die Sicherheitsmitarbeiterin fand die Bälle und begann nach meiner Erklärung mitten im Check zu jonglieren. Sofort mussten auch die wartenden Passagiere lachen. Danach durfte ich problemlos weitergehen.  

Lokaler Markt in Bogotà.

Aus 45 Minuten werden 4 Stunden 

Schliesslich erreichten wir ohne besondere Ereignisse Medellín. Die nächsten zwei Wochen verliefen fast perfekt. Wir entdeckten wunderschöne Landschaften und erlebten den Karneval in Barranquilla. Erst auf dem Heimweg begann das nächste Kapitel unseres Flugabenteuers. Von Cartagena wollten wir am Abend nach Bogotá fliegen. Dort hatten wir bereits ein Hotel gebucht und wollten den letzten Freitag noch in der Hauptstadt verbringen, bevor unser Rückflug nach Zürich starten sollte. Unser Flug sollte lediglich 45 Minuten Verspätung haben. Doch aus 45 Minuten wurden eineinhalb. Zwei. Drei. Schliesslich vier Stunden. Die Stimmung unter den Passagieren wurde immer schlechter. Die Flugbegleiter standen ebenfalls unter Druck.  Endlich durften wir einsteigen. Doch das Flugzeug rollte nicht los. Nach rund 20 Minuten ertönte eine Durchsage, mit der niemand gerechnet hatte: Wegen eines technischen Problems an der Flugzeugtür könne der Flug heute nicht mehr stattfinden. Verwirrt stiegen alle wieder aus. Im Flughafengebäude herrschte völliges Chaos, obwohl es schon nach Mitternacht war. Es wurde hektisch auf Spanisch diskutiert. Obwohl meine Mutter Spanisch spricht, konnte sie den Gesprächen kaum folgen.    

Endlich im Flugzeug nach Kolumbien.

Jetzt auch noch kein Zimmer frei? 

Irgendwann hiess es, dass Taxis bereitstünden, welche die Passagiere in Hotels bringen würden. Nach einiger Verwirrung landeten wir schliesslich in einem Hotel. Dort wartete bereits das nächste Problem: Es gab nicht genügend Zimmer für alle gestrandeten Passagiere. Glücklicherweise gehörten wir zu den Familien, die noch ein Zimmer erhielten. Ich war unglaublich erleichtert, denn inzwischen war es bereits früher Morgen. Uns wurde mitgeteilt, dass unser Ersatzflug bereits früh am Morgen starten würde. Nach wenigen Stunden Schlaf ging es zurück zum Flughafen.  Wir erreichten Bogotá, allerdings viel später als geplant. Statt einen ganzen Tag die Hauptstadt zu erkunden, blieben uns nur drei Stunden. Trotzdem besuchten wir noch einen kleinen Markt in Flughafennähe. Beim letzten Sicherheitscheck der Reise wurden mein Rucksack und ich ganz normal durchgewunken. Auch der Rückflug schlussendlich nach Zürich verlief problemlos. Als wir schliesslich wieder zu Hause ankamen, waren wir zwar müde, aber voller Erinnerungen. Rückblickend hatten wir an vielen Orten mit vielen Problemen gerechnet – nur nicht auf den Flügen. 




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