Weiteres Update: Spendenanlass #VereintFürFrieden: Jetzt ist der Moment, zu helfen, wo man kann
Der FC Gunzwil, die Fritigs Frönde Möischter und die Feuerwehr Michelsamt luden am Samstag, 12. November, ein zum Materialsammeln auf dem Parkplatz beim Feuerwehrlokal Gunzwil. Der Lastwagen, der danach direkt in Richtung Ukraine losfuhr, war von 9.00 Uhr bis 11 Uhr vor Ort. Warme Kleider, Matratzen, Schlafsäcke, Decken, Isomatten, Stromgeneratoren, medizinische Geräte und sage und schreibe sechs Holzöfen wurden eingeladen, bis der Lastwagen zu 100 Prozent voll war.
v.l.n.r.: Mario Sax, Gabriel Hischier, Dario Schumacher, Lino Rottenberger, Noah Müller (alle Fritigsfrönde), Samuel Stocker (FC Gunzwil), Reto Wüest (FC Gunzwil), Armin Dörig (Feuerwehr Michelsamt), Simon Lisebach (Fritigsfrönde) oben: Lastwagenfahrer Mykhailo und Lukas Zimmermann (Fritigsfrönde).
Bereits im April dieses Jahres haben die Fritigs Frönde und der FCG einen Spendenanlass organisiert, bei dem über CHF 10 000.- gesammelt werden konnten. Die Situation hat sich seither leider nicht verbessert. Aktuell überschlagen sich die Ereignisse in der Ukraine wieder, da Russland diverse kritische Infrastrukturen in der Ukraine zerstört hat. Nun leidet die Bevölkerung der Ukraine unter dem Strom- und Gasmangel und muss sich auf einen kalten Winter einstellen. Der Verein Parasolka, der sich seit Jahren in und für die Ukraine einsetzt, sandte nun einen Lastwagen aus der Schweiz in die Ukraine und sammelte Kleidung und wärmende Materialien für die Bedürftigen in den Kriegsgebieten.
Was könnte das Motto der Fritigsfrönde sein? Ist es «Work hard – Party hard»? «Am ehesten ist es: We never walk alone.», sagt einer, in Anlehnung an den Slogan des FC Liverpool. Das Engagement der Jungen, deren Eltern zum grossen Teil bei den «Chommerbuebe» aktiv sind, ist spürbar gross und begeistert. Auch die Crew vom FC Gonzbu fasst tüchtig mit an. Die Feuerwehr Michelsamt hat gerade eine Übung am Laufen, auch sie sind mit Eifer bei der Sache. Alle beladen sie den Lastwagen, der kurz nach 11 Uhr losfährt auf die lange Reise in die Ukraine. Zeitweise warten drei bis vier Autos hintereinander, bis sie ihr Material ausladen können. Jede und jeder wird zu einem Kaffee und einem Gipfeli oder Nussstengel eingeladen. Die Stimmung ist konzentriert beim Arbeiten und friedlich. Als Kurt und Annemarie Glanzmann von der WTR Wärme-Technik Rickenbach AG vorfahren und vier Holzöfen ausladen, die in den grossen Lastwagen umgeladen werden, und weitere zwei Öfen von privat vorbeigebracht werden, ist die Stimmung sehr emotional: «Das sind so arme Menschen in der Ukraine. Wir wollen ihnen helfen. Jetzt ist der Moment», sagt Annemarie Glanzmann ganz selbstverständlich und bescheiden.
Marianne Stirnimann aus Römerswil ist mit der ganzen Familie vorbeigekommen. «Jetzt haben wir diese Wolldecken so lange gehortet, wir freuen uns, dass wir sie nun ihrer Bestimmung zuführen können», sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Helfen tut gut, nicht nur den Notleidenden, auch den Helfer:innen. Viele legen ein Nötli in die Kasse und fahren kurz darauf weiter an ihre nächsten Termine und Verpflichtungen. Felici Curschellas sagt: «Ich freue mich sehr über die Tatkraft und das Engagement der Jungen hier. Das ist vorbildlich und macht Hoffnung.»
Der Transport wurde vom Verein Parasolka organisiert und geplant, der seit vielen Jahren in der Ukraine hilft. Um 11 Uhr war der Lastwagen komplett gefüllt, mehr hätte nicht reingepasst. Er wurde plombiert und fuhr kurz danach los auf seine lange Reise in die Ukraine. Wegen dem Sonntagsfahrverbot in Deutschland für Schwerverkehr musste es zügig gehen. Der Lastwagenfahrer Mykhailo aus der Ukraine ist immer noch unterwegs. Er muss ja alleine immer wieder Pause machen. Wie lange es jeweils geht, bis er über der Grenze ist, ist nie klar. Aber Hauptsache es kommt gut.
Nach getaner Arbeit genehmigte sich die Helfercrew ein Kaffee oder ein Bier, es wurde kurz auf den schönen Moment der erfolgreichen Aktion angestossen, wie sich dies gehört. Der Wunsch nach einem Ende dieses sinnlosen Krieges wurde von vielen geäussert, auch der Ohnmacht Ausdruck gegeben, in der man gegenüber dieser Barbarei steckt. Die Hoffnung lebt weiter, an einem solchen Tag wird sie wenigstens gestärkt, was schon viel ist.
Erfolgreiche Sammelaktion #VereintFürFrieden
Am letzten Samstag fand die zweite Sammelaktion im Rahmen von #vereintfürfrieden statt. Der FC Gunzwil, die Fritigsfrönde Möischter und die Feuerwehr Michelsamt konnten zahlreiche Materialspenden wie Matratzen, Decken, Holzöfen und warme Kleidung entgegennehmen. Der prall-gefüllte Lastwagen machte sich daraufhin auf den Weg in die Krisengebiete der Ost-Ukraine, welche aktuell stark unter dem Strom- und Gasmangel leiden und auf jede Spende angewiesen sind. Es war erneut äusserst eindrücklich zu sehen, wie die Bevölkerung vom Michelsamt engagiert war und viele Spenden vorbeibrachte. Ein grosses Highlight war auch, als die Firma WTR Wärme-Technik Rickenbach AG mit vier Holzöfen vorbeikam und wir diese in den vollen Sattelschlepper einladen durften – die Freude und Emotionen war bei allen Beteiligten zu spüren. Wir blicken somit zurück auf eine gelungene und emotionale Spendenaktion – herzlichen Dank allen Spendern und Besuchern im Namen aller teilnehmenden Organisationen.
Simon Lisebach
Silvia Zimmermann aus Herlisberg vom Verein Parasolka sagte nach dem Losfahren des Lastwagens gegenüber dem «Michelsämter»: «Der Hinweis, dass der Verein Parasolka einen LKW-Transport organisiert, löste diese unbeschreiblich schöne Welle der Solidarität mit den notleidenden Ukrainer:innen aus. Unbeschreiblich wie innerhalb kürzester Zeit die Idee entstand, auch in Gunzwil Material zu sammeln. Dank dem erneuten freiwilligen Engagement der verschiedenen Vereine findet diese Aktion heute so erfolgreich statt. Ich bin überwältigt, wie viele Menschen hierherkommen und für den Winter so hilfreiches Material mitbringen. Sie mussten sich bereits Tage zuvor Zeit nehmen, um ihren Haushalt oder ihr Geschäft nach brauchbaren Sachen zu durchforsten. Das Ergebnis der Sammelaktion macht die Vertreter:innen der Partnerorganisation CAMZ in der Ukraine sprachlos: Einerseits über das wichtige Material, das der LKW nun zu ihnen bringt, andererseits berührt es sie tief, dass wir sie nicht vergessen.»
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt