Was mer alles z'Senn chont: Bekennender Biathlon-Fan
Ich erinnere mich gut an die 70er-Jahre, als die ganze Familie das Mittagessen vor dem Fernseher eingenommen hat, weil Bernhard Russi auf bestem Weg war, die Abfahrt zu gewinnen. Die Fernsehübertragung war schwarz/weiss, Zwischenzeiten musste man selbst einschätzen und die Pisten waren ziemlich holprig. Es zählte nur der erste Platz. Fuhr ein Schweizer auf Platz 7 oder sogar 12, dann wurde er in der Zeitung nicht mal mehr erwähnt.
Ja, damals war Alpin im Winter die absolute Nummer eins Sportart; zum einen weil es nicht viel anderes gab, zum andern weil die Schweizer im Langlauf nicht zu glänzen vermochten. Irgendwann habe ich aufgehört, die Skirennen zu schauen. Andere Verpflichtungen – Beruf und Familie – waren wichtiger. Seit ein paar Jahren habe ich aber wieder gefallen gefunden an Live-Events im Winter. Davon gibt es inzwischen so viele, dass man den Überblick verliert: Die verschiedensten Langlauf-Formate, Boardercross, Halfpipe usw. Unzählige Trendsportarten, bei denen die Schweizer am Anfang immer vorne dabei sind und dann von den anderen, ehrgeizigeren Nationen überholt werden. Da passiert es mir oft, dass ich mir die Namen nicht merken kann, auch wenn die Schweizer Girls und Boys Olympiasieger werden.
Aber ich bin hängen geblieben.
Namen ist ein gutes Stichwort. Denn da hörte ich mal von drei Schwestern, die alle den gleichen Sport betreiben. Selina, Elisa und Aita Gasparin. Ob mich die Namen dazu verlockt haben oder mich der Zufall dazu verleitet hat einen Biathlon zu schauen, weiss ich nicht mehr. Aber ich bin hängen geblieben. Denn die konträren Herausforderungen dieser Sportart sind faszinierend. Zum einem der Langlauf, der viel Ausdauer verlangt, dann kommen die Sportler mit Puls über 170 und müssen fünf Schüsse auf winzige Ziele abgeben und schliesslich noch die mentale Herausforderung. Du weisst genau: Wenn ich jetzt treffe, gewinne ich den Wettkampf und wenn ich daneben schiesse, gibt es nur noch ein «Ferner liefen». Das macht die Spannung aus. Wo sonst kann man im Staffelrennen bei Mitte des Wettkampfes auf Platz 17 liegen und am Schluss mit Vorsprung gewinnen? Einmal das Ziel verfehlen kann das ganze Klassement durcheinanderwirbeln, vor allem, weil ein knapper Fehlschuss die eigene Psyche auf die Probe stellt und plötzlich gar nichts mehr geht. Ein Biathlonrennen heisst für mich von Anfang bis Schluss Spannung pur. Ich freue mich auf die Olympiade und ich werde die Gasparin Schwestern anfeuern, auch wenn sie zwischendurch auch mal auf Platz 47 oder 53 landen.
Markus Christoph Bucher, Gunzwil
PS: Wenn Sie jetzt sagen, Biathlon, kenn ich nicht, dann empfehle ich Ihnen mal reinzuschauen, denn die Spannung ist unvergleichlich und vielleicht werden Sie auch ein Biathlon-Fan.
In einer monatlichen Kolumne schreibt Markus Bucher unter «Was mer alles z’Senn chont» über Gott und die Welt. Der frühpensionierte Unternehmer, übergewichtige Velofahrer und musikalische Krimiautor hat seine eigene Sicht auf die Welt und erzählt von dieser meist mit einem Augenzwinkern.