Skip to main content Skip to page footer

Was für die Pflanze das Licht, ist für den Gärtner die Freude

JardinSuisse Zentralschweiz ist die treibende Kraft im Ausbildungsbereich der Gärtnerberufe in der Innerschweiz. Das Ausbildungszentrum in Neuenkirch strotzt vor Wachstum in Grün. An die 300 Lernende aus sechs Kantonen sind hier alljährlich vor Ort, um Fachwissen zu erwerben, zu erweitern oder zu vertiefen. 50 Instruktoren unterrichten und 50 Experten prüfen das Können am Ende der Lehrzeit. Das Ausbildungszentrum spriesst und floriert auf allen Ebenen.

Lorenz Arbogast, Bildungsleiter von Jardin Suisse Zentralschweiz, bespricht mit Jonas Amrein, Landschaftsgärtner im 2. Lehrjahr, ein Werkstück. Warum dieser Beruf? «Abwechslungsreich», strahlt Jonas, die Schneeflocken tanzen ums Gesicht. «Und wegen der Natur. Ich bin gerne draussen!» 

Heute zeigt sich das grüne Paradies im Maiengrün Neuenkirch in Weiss. Eine meteorologische Aprillaune hat die roten Tulpen, das hellgrüne Laub und den schmucken Weiher über Nacht mit einem nasskalten Schneelaken überdeckt. Kein Problem für die Lernenden im üK, die emsig im Bildungszentrum ein- und ausgehen – sie sind mit der Natur vertraut. Eine Grundvoraussetzung für alle Gärtnerberufe. Auch hier gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Ausrüstung.

Ein Beruf in und mit der Natur

Mit festem Schuhwerk und funktionsfähiger Kleidung, der man die Arbeit ansieht, lächeln die Lernenden gelassen unter der Mütze hervor. Ein Beruf mit und in der Natur – da kann man ja nur zufrieden sein. Aus der Werkhalle nebenan hämmert, tingelt und knirscht es unaufhörlich. Der überbetriebliche Kurs «Natursteinarbeit» ist in vollem Gange. Junge Frauen und Männer knien sich in die Arbeit, hämmern, messen, verlegen ruhig und konzentriert Steinplatten auf ihrem drei mal fünf Meter grossen Werkstück mit Natursteinmauer, Steintreppe und Gehweg.

«Es ist einer der schwierigsten Kurse überhaupt», sagt Lorenz Arbogast von Jardin Suisse Zentralschweiz in Neuenkirch. Die Begeisterung ist ihm anzuhören, wenn er sagt: «Es ist ein Kunsthandwerk!» Als Leiter des Bildungszentrums ist Arbogast verantwortlich für die Ausbildung der jungen Leute in grünen Berufen – wortwörtlich für den «Nach-Wuchs» der Fachkräfte in seiner Branche. Und er weiss auch, was nötig ist für gesundes Wachstum und gutes Gedeihen: Was für eine Pflanze das Licht, ist für die Menschen die Freude. «Wir brauchen Leute mit handwerklichem Geschick, die Freude haben an Natur und Gestaltung», sagt Lorenz Arbogast. Für ihn kommt allem voran die Freude am Beruf, alles andere regelt sich danach.

Umfassende Erneuerung der Grundbildung

Und ja, zu regeln und organisieren gibt es viel im Bildungszentrum. Nebst dem jährlich laufenden Berufsbildungsprogramm, das hier durchgeführt wird, ist aktuell eine umfassende Erneuerung der Gärtner-Grundbildung im Gange. Das heisst: Die Grundbildung wird ab Sommer 2024 nicht mehr wie bisher in vier Fachrichtungen (Garten- und Landschaftsbau, Zierpflanzen, Stauden und Baumschule) unterschieden, sondern in deren zwei: Gärtner/-in EFZ Garten- und Landschaftsbau und Gärtner/-in Pflanzenproduktion.

«Wir brauchen Leute mit handwerklichem Geschick, die Freude haben an der Natur und der Gestaltung.»

Lorenz Arbogast

Baumschule, Staudengärtnerei und Zierpflanzen werden zusammengefasst zur «Fachrichtung Pflanzenproduktion». Die Spezialisierung der Lernenden auf Baumschule, Stauden- oder Zierpflanzen erfolgt in Spezialkursen im Verlauf der Ausbildung. «Gelehrt und gelernt wird das meiste wie bisher, nur die Methoden und das Timing ändern», erklärt Lorenz Arbogast die Veränderung.

Pflanzenwerk: Das Meisterstück für Lernende mit grünem Daumen

Grösste Änderung für Lernende mit grünem Daumen: Das Fach Pflanzenkenntnisse wird an der Abschlussprüfung nicht mehr als Fallnote gewertet. «Es ist eine Riesenchance für unsere Branche», findet Arbogast. «Pflanzenkompetenz ist und bleibt unsere Kernkompetenz. Nur der Weg dorthin wird angepasst», sagt er. «Das Wichtigste ist und bleibt die Freude an den Pflanzen und der Natur.» Deshalb komme der Pflanzenkompetenz in der Ausbildung nach wie vor höchste Gewichtung zu.

Pflanzennamen, -sorten und -eigenschaften sollen jedoch neu anhand der praktischen Handlungen im Ausbildungsbetrieb erlernt werden. Denn die Wildstaudengärtnerin im Bündner Oberland betreut ein anderes Pflanzensortiment als der Landschaftsgärtner in Basel. Alle Lernenden erstellen während der Lehrzeit ihr individuelles «Pflanzenwerk», das ihrer Tätigkeit im Lehrbetrieb entspricht.

Ebenfalls interessant zu wissen: Beim Qualifikationsverfahren (QV) der Gärtnerberufe gibt es keine schriftlichen Prüfungen mehr. Es zählt das praktische Werk (je ein «grünes» mit Pflanzen und ein «graues» mit Stein), dazu wird das geforderte Wissen in einem ausführlichen Fachgespräch abgefragt.

Schulungsgebäude in Neuenkirch.


Fliessender Übergang beim QV

In der Werkhalle wird noch immer gehämmert, während es draussen schneit. Jonas Amrein aus Sempach schlägt mit Hammer und Setzer eine Granitplatte zurecht. Jetzt im 2. Lehrjahr, wird er die Ausbildung als Landschaftsgärtner nächstes Jahr abschliessen – mit QV nach bisherigem System. Wer ab diesem Sommer, August 2024, die Lehre beginnt, tut dies dann nach neuem System.

«Eine vom Bund geforderte Bildungsrevision erfolgt alle 10 Jahre», erklärt Lorenz Arbogast. Im Dachverband und in den Regionalsektionen aller Branchen werden jeweils neue und zeitgemässe Strukturen erarbeitet. «Bildungsrevisionen geben jedes Mal zu diskutieren, aber schlussendlich kommt es immer gut heraus», ist Arbogast überzeugt. Aktuell ist er mit dem Aufbau neuer, zeitgemässer überbetrieblicher Kurse beschäftigt. Themen wie Biodiversität und Arbeitssicherheit werden stetig mehr gewichtet.

«Es ändert sich ja auch gar nicht so viel. Es sind die Methoden, wie man zum Ziel kommt, die sich verändern», führt er aus. Ziel bleibe, guten Nachwuchs für die Branche zu finden und nachzuziehen. «Zu uns kommen ganz tolle, junge Berufsleute! Wir haben ein sehr schönes Bildungszentrum, und sie sind begeistert davon.»

Grundbildung Gärtner/ Gärtnerin EFZ und EBA

Die Ausbildungen «Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau» und «Fachrichtung Pflanzenproduktion» (Zierpflanzen, Baumschule, Stauden und Verkauf) mit Eidgenössischen Fähigkeitsausweis EFZ dauern je drei Jahre. Mit Eidgenössischem Berufsattest EBA dauern sie zwei Jahre. Danach eröffnen sich den jungen Berufsleuten verschiedene Wege für eine Weiterbildung in der grünen Branche.

Viele grüne Türen gehen auf

300 Lernende aus den Kantonen Ob- und Nidwalden, Uri, Schwyz, Zug und Luzern besuchen JardinSuisse Zentralschweiz jedes Jahr. Kurse und Weiterbildungen gibt es dort auch für Erwachsene.

Viele ergreifen auch einen Zweitberuf und werden auf dem zweiten Bildungsweg Gärtner/-in EFZ Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau oder Gärtner/-in Fachrichtung Pflanzenproduktion und machen die Ausbildung zusammen mit den Teenagern. Fürs Lernklima eine Bereicherung allerseits. «Jeder hat seinen persönlichen Weg, und jeder macht es auf seine Weise gut», ist Arbogast überzeugt. Der Ausbildungsleiter strahlt grosses Vertrauen aus in den Nachwuchs. «Mit der Bildungsrevision gehen viele Türen auf. Man darf positiv überrascht sein, was die jungen Leute alles erarbeiten werden!»

Auf das im Bildungszentrum von Jardin-Suisse Zentralschweiz Erarbeitete dürfen auch Lorenz Arbogast und sein Team stolz sein. Zurücklehnen dürfe man sich allerdings nicht, der Fachkräftemangel sei ein allgegenwärtiges Thema. «Doch auch das wird sich wieder ändern», sagt Arbogast in seiner typisch positiven Art. Das Bildungszentrum stösst denn auch an seine Kapazitätsgrenzen. Neue Schulungsräume sind nötig und bereits in Planung.

Ursula Koch-Egli




Das könnte Sie auch interessieren