War das Frauenstimmrecht auch ein Bürokratiemonster?
Wer den Bund fürs Leben schliesst, zahlt heute oft mehr Steuern als unverheiratete Paare mit gleichem Einkommen. Diese sogenannte Heiratsstrafe ist unfair und sie widerspricht der Bundesverfassung. Die Individualbesteuerung schafft hier endlich Gerechtigkeit und entlastet die Bevölkerung und Familien um rund 600 Millionen Franken pro Jahr.
Die Gegner der Initiative, insbesondere konservative Parteien, sprechen immer noch von einem Bürokratiemonster...
Ja, die Reform bringt einen einmaligen Umstellungsaufwand mit sich. Danach wird das Steuersystem jedoch einfacher und der bürokratische Aufwand nimmt ab. Das oft zitierte Bürokratieargument greift nicht. Schon heute füllt jede steuerpflichtige Person eine eigene Steuererklärung aus, in der Regel lange vor einer allfälligen Eheschliessung. Die Individualbesteuerung ist deshalb kein Bürokratiemonster, sondern ein notwendiger Schritt zu mehr Fairness und Gleichstellung, und wird auch vor allem Frauen belohnen, wieder früher nach der Eheschliessung und der Familiengründung mit einem Teilzeitpensum in ihrem Beruf weiterzuarbeiten, und somit den Zuzug von ausländischen Fachpersonal reduzieren.
71 Prozent aller Ehepaare sind vor der Pensionierung Doppelverdiener und deshalb von der Heiratsstrafe betroffen. Dass sich konservative Parteien gegen diese überfällige Reform stemmen, zeigt, dass für manche faire Steuern und Gleichstellung nach wie vor nur Lippenbekenntnisse sind und sie von einem vergangenen Familienbild ausgehen. Die Individualbesteuerung wird die Steuerverwaltungen mittelfristig sogar entlasten. Wer heute immer noch behauptet, der Aufwand für zusätzliche Steuererklärungen sei zu hoch, der hätte wohl auch beim Frauenstimmrecht argumentiert, dass der Versand zusätzlicher Stimm- und Wahlkuverts ein zu grosser Aufwand sei.
Deshalb sage ich klar «Ja» zur Individualbesteuerung und zu einem modernen Familienmodell.
Joe Schelbert, Präsident FDP Grosswangen