Wann kommt der Samichlaus – und woher?
Jedes Jahr um den 6. Dezember besucht der Samichlaus Kinder in der ganzen Schweiz. Doch woher stammt der Brauch?
Seinen Ursprung hat der Brauch im vierten Jahrhundert nach Christus. Der Bischof Nikolaus von Myra wirkte zu dieser Zeit als Schutzpatron der Kinder, Seefahrer, Fischer, Liebenden und Reisenden im Gebiet der heutigen Türkei. Er gilt als einer der bekanntesten Heiligen der lateinischen Kirche. Die Legende besagt, dass Bischof Nikolaus nach dem Tod seiner Eltern sein gesamtes Erbe an die armen Menschen in seiner Heimatstadt Patara verteilte. Danach verliess er die Stadt und wurde einige Jahre später zum Bischof von Myra geweiht. Deshalb erscheint der Samichlaus in Bischofsrobe und mit Bischofshut.
Im Leben von Bischof Nikolaus häufen sich zahlreiche gute Taten, die er vollbracht haben soll. Beispielsweise kleidete er sich jedes Jahr an seinem Geburtstag in sein Bischofskostüm, nahm seinen Hirtenstab und belud seinen Esel mit einem Sack voll Mandarinen, Äpfeln, Nüssen und Honigkuchen. Die Leckereien verteilte er auf den Gassen.
Zwei Männer, eine Legende
Der heutige Samichlaus-Brauch kommt aber nicht nur aus der Geschichte des heiligen Sankt Nikolaus von Myra. Im Laufe der Geschichte gab es noch einen zweiten Nikolaus. Dieser war Abt und später ebenfalls Bischof von Myra und befragte die Schüler nach ihren guten und schlechten Taten. Am Ende erhielten die Schüler dann jeweils noch ein kleines Geschenk. Diese beiden Figuren vermischten sich dann im Laufe der Zeit und daraus entstand der Samichlaus-Brauch, so wie er heute existiert.
Knecht Ruprecht
Die Ursprünge seines finsteren Gefährten, dem Knecht Ruprecht oder «Schmutzli», sind weniger klar. Kurt Lussi, ehemaliger Kurator der religiösen Folklore im Luzerner Historischen Museum, hat in diesem Thema geforscht und sagt, dass der Brauch des Nikolaus in der Schweiz mit einem Festival aus Lärm und Masken aus vorchristlicher Zeit verwoben wurde. Der Schmutzli sei ein Symbol für die bösen Geister, die diese alten Feste mit einer Kombination aus Lärm und Licht vertreiben wollten. Winterprozessionen mit lautem Lärm und Laternen gibt es in vielen Teilen der Schweiz heute noch. Seit 1910 gebe es Belege für eine merkwürdige Figur, die am Nikolaustag erscheint und «Butzli» heisst, die später in «Schmutzli» umgewandelt wurde. Schmutzlis tauchten normalerweise in Gruppen auf, weil es ursprünglich ein Brauch von Jungengruppen war, die einheimischen Mädchen vor Jungen ausserhalb ihres Dorfes zu verteidigen. Es ging darum, den Heiratsmarkt vor Aussenseitern zu schützen. Später versuchte die katholische Kirche diesen räudigen Brauch zu «zivilisieren», indem sie den Charakter des Bischofs St. Nikolaus vorstellte und den Schmutzli zu dessen Begleiter machte. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Schmutzli nur in katholischen Gebieten bekannt, vor allem in der Zentral- und Südschweiz. Der amerikanische Weihnachtsmann hat einen anderen Hintergrund. Er und der Samichlaus unterscheiden sich auch optisch. Der Weihnachtsmann trägt eine rote Zipfelmütze, der Samichlaus traditionell eine Bischofs-Mitra.
Martin Sommerhalder
Samichlausversli
Samichlaus, du grosse Ma,
dörf ich ächt mis Säckli ha?
Ich bin ganz lieb xi s ganze Johr,
chasch mer s glaube, das isch wohr.
Ich ghöre öppis lüte,
was chönnti ächt das sii?
Ich stah ganz still und warte,
de Samichlaus chunnt Türe ie.
Au wenn ich nöd immer lieb bi gsi
Samichlaus, das isch verbii.
Vo jetzt a will ich s besser mache,
nöd immer striete, zwängele, krache.
Zum Schluss gib ich dir d Hand
und du gasch wiiter vo Land zu Land.
Viel z schnäll gaht so en Tag verbii,
zrugg bliebt no lang en wunderbare Schii.
De Samichlaus, de Samichlaus,
so tönts vo Huus zu Huus.
Gar mängem Chind chlopft s’Herz so fest
und luegt zum Fenster uus.
Jetzt polderets dur d’Stege-n-uuf,
was hed er ächt im Sinn?
Er treit en Sack so schwer und grooss,
was tuusigs isch da drin?
De Sack de nimmt er immer mit
für d’Chinde grooss und chlii.
De braave leert er d’Nusse druus.
Liebe Samichlaus, du wirsch es wüsse,
s hapered mängisch mit em Gwüsse.
S Mami rüehmt mich nöd grad immer
si fürchtet, s chäm viellicht no schlimmer.
S Folge gaht mer halt nöd ring,
s isch au gar es gspässigs Ding.
Aber weisch, ich gib mer Müe,
wirsch es mit de Ziet no gseh.
Muesch dich drum jetzt nümme bsinne,
lah nur d Ruete schön mal dinne.
Feini Sache freun d mi zehmal meh,
chasch mer grad en Sack voll ge.
Im Wald da staht es Hüsli.
Im Wald stönd vieli Bäum.
Uf eimal lütet s’Glöggli.
Dä Samichlaus chunnt hei.
Er chunnt vo villne Chinder.
Er chunnt vo mängem Huus.
Sin Sack isch leer vom Schänke,
und d’Öpfeli sind alli druus.
Im Tannewald isch’s finschter,
im Tannewald hät’s Schnee.
Am Himmel lüchtet Sternli,
sisch Wiänachtsziit! Juhee!
Im Tannewald isch’s finschter, im Tannewald hät’s Schnee.
Am Himmel lüchtet Sternli, sisch Wiänachtsziit! Juhee!
Samichlaus, wo chunsch du här?
Siebehundert Stund wiit här!
Samichlaus, isch s’Seckli schwär?
Siebehundert Pfund isch’s schwär!
Samichlaus, mach’s weidli läär!
Denn isch s’Seckli nümme schwär!
Samichlaus du guete Maa,
gäll, ich mues kei Fitze haa,
gib sie lieber em Papi,
dä isch no de grösser Lappi.
Samichlaus du alte Lompe,
chasch mer ned e 50er pompe?
Singen mit dem Samichlaus – Eine Samichlausgeschichte von Heidy Lötscher
Der Besuch des Samichlauses stand bevor, und im Heim waren alle Kinder aufgeregt. Es war ein Heim für besondere Kinder, Kinder die auf den ersten Blick für viele Menschen abweisend wirkten. Aber wenn man sich die Zeit nahm merkte man schnell, dass jeder eine wichtige Persönlichkeit war. «Ich zupfe den Samichlaus am Bart, wenn er da ist», das hatte der Peter schon oft gesagt. Thomas hingegen sagte: «Ich frage den Samichlaus, ob er seinen Hut mit meiner Mütze tauschen will.» «Wer will denn schon deine Mütze haben? aber du getraust dich ja doch nicht», sagte der bedächtige Willi. Nur Jan sass in einer Ecke, und war sehr still. «Was ist mit dir Jan? Hast du nichts zu sagen?» Willi stupste ihn an. «Ich möchte, dass wir alle zusammen mit dem Samichlaus ein Lied singen.» «Singen? Mit dem Samichlaus??» «Ja, das Lied heisst lasst uns froh und munter sein, es ist ein schönes Lied.» «Wir fragen Doris, ob sie es mit uns übt», sagte die Monika.
Doris freute sich sehr darüber, meinte aber, dass nicht viel Zeit wäre dafür, aber probieren könne man es ja. Also versammelten sie sich in der grossen Halle. Doris fragte zuerst, wer das Lied kenne, einige Hände hoben sich. «Und wer will nun tatsächlich mitsingen?», worauf drei Kinder sich zurückzogen. «Gut, an die Arbeit!» Noten kamen nicht in Frage, es musste anders gehen. Zuerst probierten sie den Text. «Wir lernen jetzt ein Gedicht.» Sie fing an vorzusagen: «Jetzt versucht mir nachzusprechen.» Es kam etwas holperig, aber nachdem sie einige Male geübt hatten ging es schon besser. «Toll, wie ihr das macht», lobte Doris. Nach und nach entstand die erste Strophe, Doris beabsichtigte zwei Strophen mit ihnen zu üben. Zusätzlich lieh sie sich eine CD aus, um die Kinder zu unterstützen. Zwei Tage übten sie, und dann am dritten Tag war Samichlausabend da. Ganz erwartungsvoll sassen die Kinder in der Halle und warteten auf den hohen Besuch. Sie liebten den Samichlaus, er war immer lieb zu ihnen. Er sagte ihnen auch immer wieder, wie jedes von ihnen ganz spezielle Fähigkeiten habe, aber das Wichtigste war, er brachte Nüsse, Mandarinen, Pfeffernüsschen und sonst noch so einiges. Und es kamen auch noch die Eltern von denen, die noch welche hatten.
Als der Samichlaus eintrat, schlugen die Herzchen höher, denn er war schon ein beeindruckender Mann. Der Samichlaus lobt hier ein Kind, ermahnte da ein anderes, und wollte sich schon zum Gehen vorbereiten, als Jan rief: «Warte Samichlaus». «Ja?», fragte dieser. «Wir haben ein Lied geübt mit Doris, das wollen wir mit dir singen.» «Oh, das ist ja wunderbar», sagte der Samichlaus, «dann lasst mal hören.» Die Kinder stellten sich hin, Doris betätigte den CD-Player, und auf ihr Zeichen setzte der Gesang der Kinder ein. Nach der ersten Strophe, die zwar etwas vielstimmig, aber sonst recht gut gelungen war, setzte die kraftvolle Stimme vom Samichlaus ein. Die Kinderaugen leuchteten. Da sie aber nur zwei Strophen eingeübt hatten, fingen sie wieder von vorne an. Der Samichlaus hielt wacker mit, aber nach dem vierten Mal gebot er Einhalt. «Liebe Kinder, das war der schönste Samichlausabend, den ich je erlebt habe, es war eine tolle Leistung von euch, ich freue mich schon auf das nächste Jahr, dann singen wir wieder zusammen. Nun muss ich aber weiter, es warten noch andere Kinder auf mich, also bis zum nächsten Jahr.» Die Kinder waren sehr erfreut über das Lob vom Samichlaus. Jan dachte schon wieder weiter, «dann singen wir das Lied: hüa ho alter Schimmel……» «Das passt nicht zum Samichlaus», sagte Doris, «aber wir werden schon etwas finden.» Der Samichlaus nahm sich fest vor, auf nächstes Jahr Samichlauslieder zu üben.
Heidy Lötscher
Samichlausanlässe im Überblick
Beromünster Am Samstag, 2. Dezember, 18.15 Uhr wird der Samichlaus im Flecken in Beromünster einziehen und dann bis am 6. Dezember 2023 die Familien besuchen. Der Einzug führt erstmals von der Pfarrkirche St. Stephan zur Stiftskirche St. Michael. Er wird begleitet von vielen Schulkindern mit ihren Laternen, Geissel-Chlöpfern und mehreren Trychlergruppen. Anschliessend können auf dem Schulhausareal warme Speisen und Getränke gekauft werden.
Gunzwil In Gunzwil ist der Samichlaus vom Samstag, 2. Dezember, bis am Mittwoch, 6. Dezember, von Haus zu Haus unterwegs. Am 6. Dezember empfängt der Samichlaus die Schule ausserdem im Schlössliwald. Die beliebten Besuche der Kinder beim Samichlaus im Schützenhaus finden heuer aufgrund der Bauarbeiten im Schützenhaus nicht statt.
Rickenbach Der Chlauseinzug in Rickenbach findet am Samstag, 2. Dezember, ab 18.20 Uhr statt. Route: Landi – Winkel – Gweyhuus – Cheleplatz – Rössli – Winkel. Anschliessend Mehlsuppe im Kubus. Am 3. und 8. Dezember kann man den Samichlaus von 13 bis 20 Uhr in seiner Hütte im Buttenberger Wald besuchen. Am 6. Dezember ist er von 18 bis 20 Uhr von Stube zu Stube unterwegs.
Neudorf In Neudorf findet der Samichlauseinzug am Freitag, 1. Dezember, 18 Uhr, statt. Die Hausbesuche am 2. und 3. Dezember.
Hildisrieden Der Samichlauseinzug vom Wald zum Schulhaus Hildisrieden erfolgt am Sonntag, 3. Dezember, um 17.45 Uhr. Die Hausbesuche danach ab 19 Uhr und vom 4. bis 6. Dezember jeweils um 18 Uhr.
Rain Der Chlauseinzug in Rain am 2. Dezember um 18 Uhr wird vom Ensemble Ventissimo Rain-Hildisrieden umrahmt. Vom 3. bis am 6. Dezember besucht der Chlaus die Kinder zuhause. Römerswil In Römerswil gibt es ein Samichlaus-Wochenende. Es beginnt am Freitag, 1. Dezember, auf dem Dorfplatz mit der Chlaus-Party inklusive Livemusik. Am Samstag, 2. Dezember, geht es mit einigen Märtständen ab 15.30 Uhr weiter. Der Samichlaus-Einzug folgt um 17.15 Uhr. Eine gemütliche Festwirtschaft ist in Betrieb.
Schlierbach Am Sonntag, 3. Dezember, 16.30 Uhr, erscheint der Samichlaus und seine Schmutzli wenn die Kirchenglocken erklingen vor der Rochuskapelle. Danach besucht er mit Geschichten und Geschenken Jung und Alt im ganzen Dorf. Auch am 4. und 5. Dezember ist er jeweils ab 17 Uhr im Dorf unterwegs. Die genauen Routen finden sich auf der Gemeinde-Homepage.
Eich In Eich ist der Samichlaus am 4. und 5. Dezember von Haus zu Haus unterwegs.