Wanderhirte Michael Cadenazzi aus Hospental: Seit 33 Jahren mit Schafen unterwegs
Wanderhirte Michael Cadenazzi (53) aus Hospental UR ist wieder auf den Winterweiden im Kanton Luzern unterwegs und zieht derzeit mit 500 Schafen, vier Eseln und drei Hunden von Rain Richtung Beromünster. Schon seit 33 Jahren ist er mit Schafen unterwegs, während jeweils vier Wintermonaten. Es ist ein fast biblisches Bild, immer ein tiefes Erlebnis, der Herde zu begegnen.
Die Leidenschaft für die Natur und für seine Tiere ist bei Michael Cadenazzi tief verwurzelt. Sein Leben ist durch die Wanderschaft bestimmt. Bea und Michael Cadenazzi haben zwei Söhne, Mauro und Nando, und eine Tochter, Mena. Seine Esel heissen Julio, Singra, Pinogio und Guschti. Seine Hunde heissen Zoro, Mello und Mawi. Bei Cadenazzis dreht sich alles um Schafe. Im Sommer sind sie mit einer rund 1300-köpfigen Herde unterwegs vom heimischen Hospental über Realp bis weit hinein ins Wittenwassertal und auf Höhen von über 2500 Metern über Meer. Im Winter sind die eigenen Tiere zuhause im Stall, während Michael Cadenazzi als Wanderschäfer im Unterland arbeitet. Dort begleitet er eine Schafherde im Luzerner Mittelland von Winterweide zu Winterweide. Die kurzen Tage sind bestimmt von der Futtersuche für die Schafe. Die langen Nächte verbringt der Hirte im Auto, das ist nicht immer erholsam. Die winterliche Stallarbeit zu Hause ist dann Bea Cadenazzis Aufgabe.
Gesunder Menschenverstand statt Alarmismus
Gegenüber dem Anzeiger Michelsamt sagt Michael Cadenazzi: «Seit 25 Jahren bin ich hier zwischen Rain, Sempach und dem Michelsamt unterwegs. Dieses Jahr bis 15. März. Ich stelle fest, dass den Menschen teilweise der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen ist. Manchmal rufen sie die Polizei an, wenn ihnen bei den Schafen etwas auffällt, dabei bin ich ja immer in der Nähe der Herde, und mit gesundem Menschenverstand kommt man immer viel weiter.» Während Cadenazzi die Fragen beantwortet, schweift sein Blick unermüdlich über die Schafherde, die in einiger Distanz zu ihm weidet. Auch während er spricht, registriert der Schäfer jede Bewegung in der Herde. Selbstverständlich darf man die Herde mit den Eseln und Hunden fotografieren, sich jedoch nicht in die Herde hineinbegeben. Jede fremde Person in der Nähe lässt die Tiere unruhig werden.
Alles für die Herde
Die winterliche Wanderschaft durch den Kanton Luzern ist für Michael Cadenazzi und seine eigenen und ihm anvertrauten Tiere eine Herausforderung. Oft sind Hindernisse zu bewältigen, er muss auskundschaften, wo Zäune, Bachläufe oder Fruchtfolgeflächen im Weg stehen. Vor allem aber muss er herausfinden, wo es gutes Gras gibt, das die Schafe fressen dürfen. Nur ein kleiner Teil der Schafe auf der Winterweide gehört ihm. Den grössten Teil vertrauen ihm andere Schafhalter an. Während der Wanderung fressen sich die Tiere zur Schlachtreife.
So muss es schon zu biblischen Zeiten ausgesehen haben, wenn ein Schäfer mit seiner Herde, einigen Wachhunden und Eseln unterwegs war.
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt