Wahlen im Zeichen des Kaffeesatzes?
«Es besteht grosser Handlungsbedarf» bei der Bundeskasse beschwört Luzerns Nationalrat Peter Schilliger. Der Schuh drückt nicht nur in Bern. Es wird Konsequenzen geben für Luzern. Wir haben Wahljahr. Nette Gesichter auf Plakaten säumen die Strassen. Im Wettlauf um Plätze im Parlament versprechen «Marktangebote» die Zukunft mit Impulsen und Mut anzugehen. Ich warte darauf. Was für eine Zukunft, wenn Vergangenheits- und Gegenwartsaufgaben versäumt bis nicht erledigt sind? Die Parteien und deren Hobbyexperten versprechen das Beste für die Bevölkerung zu wollen, zu tun. Und doch verpuffen beim Feilschen die Steuergelder wie auf einem orientalischen Basar. Zukunft war stets, jetzt erst recht, nur mit Verbindlichkeiten überlebensfähig. Warum wagen es die Parteien nicht über ideologische Grenzen hinweg gemeinsame Nachhaltigkeitspolitik, statt gegenseitige Schuld zuzuweisen? Bis jetzt ist «gemeinsam» eine Worthülse, ohne nachvollziehbarer Kopf- und Händearbeit. Wem gehört die Zukunft? Dem Parlament, der Bevölkerung? Früher gehörte sie ausschliesslich Gott. Heute ist «Zukunft» eine Ware geworden, die jedem frei zugänglich und Wahlthema ist. Mit Ironie verteidigen Parteien ihre Sicht von Zukunft. Die Gewählten verkaufen ihre Seele gegen die Realität. Politisch ist naheliegend gegen die prekäre Situation der Finanzen Wählern optimistisch eine Art «Hexentrunk» statt Taten anzubieten (augenzwinkernd: auch in Sprayform erhältlich). Obwohl es für die Zukunft keine Sicherheitsgarantie gibt haben wir es in der Hand Ursachen und Hürden selbstverursachter Engpässe zu ändern, in gemeinsam tragbare Lösungen umzusetzen. Ohne Kaffeesatzlesen, ohne Tinktur, dafür mit mehr Frauen im Parlament. Sie denken offener, bereiter, reflektieren. Es ist Zeit für neue Lösungen.
Manfred V. Urech, Sankt Erhard