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Vorhang auf für «Zirkus mit Schuss»

«Hereinspaziert!», hiess es zur Vorstellung vom «Zirkus mit Schuss» in Gunzwil. Nein, keine Zirkuskompanie war hier auf Tour, es war der Abschluss der Ferienspass-Woche am Ende der Herbstferien. Innert fünf Tagen hatten sich 44 Kinder zu Jungartisten gemausert. Das Publikum brachte vor Staunen den Mund nicht mehr zu, als es die schillernde Arena in der Lindenhalle betrat.

Beeindruckend war schon die Aufmachung in der Lindenhalle am Freitagabend, 10. Oktober: Man betrat nicht eine Turnhalle, sondern eine toll ausgeleuchtete Manege mit Glitzer- und Samtvorhang. Dann ging es los: Unter Trommelwirbel und Zirkusmusik kamen Nummer für Nummer Fakire, Jongleure und Seiltänzerinnen, Artistinnen hoch oben an Tuch, Mast und Trapez, Zauberer und Clowns. Die über 150 Gäste vergassen während der einstündigen Show manchmal vor Staunen beinah zu klatschen, so beeindruckt waren sie. «Das ist ja richtig Zirkus!», sagten sie begeistert.

Die Vorführung des in bloss einer Ferienspass-Woche zum Leben erweckten «Zirkus mit Schuss» war von Zirkusanimatorin Priska Paffrath perfekt durchdacht und inszeniert worden. Wichtiges Detail: Die Kinder durften vor der Show die Eltern nicht sehen, beziehungsweise umgekehrt. Damit der Überraschungseffekt auch vollständig gelinge. Gelöst wurde das so, dass sich alle schön brav in den Geräteraum zurückzogen vor den Auftritten. Was auch wiederum ein bisschen schwierig war bei all der Aufregung der Jungartisten. Dafür hatte Priska aber auch einige Tricks zur Nervenberuhigung parat. Wie auch sonst die erfahrene Zirkusanimatorin einiges aus ihrer Trickkiste zauberte für diese Vorstellung.

Diese aussergewöhnliche Ferienspass-Woche bedurfte einer äusserst aufwendigen Organisation mit viel Engagement, geschildert im nachfolgenden Bericht von Guido Paffrath. 

Ursula Koch-Egli



Zirkus-Ferienspass: Von der Planung bis zum Aufräumen – was alles dahintersteckt

Nachdem es sich im Frühjahr 2025 herauskristallisiert hatte, dass auch in diesem Herbst kein offizieller Ferienspass in Beromünster stattfinden konnte, stellte sich Priska Paffrath kurz vor den Sommerferien für ein Ersatzprojekt zur Verfügung. Wer die Familie Paffrath kennt, ahnte schon, dass dies etwas mit Zirkus zu tun haben würde.

So machte man sich an die Arbeit und merkte, dass die Vorbereitungszeit sehr knapp ist und einige Hürden übersprungen werden mussten. Telefongespräche reichten nicht aus, es mussten diverse Konzepte, Budgets, Belege, Anfragen und mehr eingereicht werden, was sehr viel Zeit und Geduld in Anspruch nahm. Gerade auch bei den Sponsoren und Stiftungen waren die Eingabefristen bereits abgelaufen. Das Projekt drohte aufgrund des grossen administrativen Aufwandes und dessen Hürden zu scheitern. Mit Unterstützung und den Tipps von verschiedenen Personen, unter anderem vom ehemaligen Ferienspass-Team und der Jugendanimation Beromünster, gelang es dann doch noch, die Hindernisse zu überwinden.

Aus der Region für die Region

Priska Paffrath war es schon lange ein Bedürfnis, etwas der Gemeinde Beromünster und ihrer Bevölkerung zurückzugeben, da ihre drei Kinder an der Schule in Beromünster/Gunzwil von vielen Angeboten, Vereinen und Anlässen in der Region Michelsamt profitieren konnten. Dieses Bedürfnis spornte sie an, und auf einmal sprangen auch Sponsoren auf, ohne die ein solch aufwendiges Projekt gar nicht möglich gewesen wäre. Ein ganz grosses Dankeschön gilt dem SWISSLOS Fonds des Kantons Luzern, dem Kiwanis Club Michelsamt, der reformierten Pfarrei Sursee und der Gemeinde Beromünster. So war das Projekt gesichert und man konnte sich endlich auf die Kernkompetenz – das Zirkusmachen – konzentrieren und die Ferienspass-Woche mit Inhalten füllen.


Leitung durch fachkundiges, junges Team

Dazu gehörte auch ein motiviertes und fachkundiges Leiter- und Leiterinnenteam. Insgesamt deren zehn ermöglichten einen reibungslosen Ablauf und die Kinder waren somit immer gut betreut. Sie waren aufgeteilt in Hilfsleiterinnen, Gruppenleiter und Zirkusfachpersonen. Das Projekt galt also auch gleichzeitig als Trainingsfeld für junge Erwachsene und Jugendliche, welche die Möglichkeit bekamen, eine Gruppe zu leiten, einen Anlass zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. Alles Kompetenzen, die sie in ihrem späteren Leben hoffentlich anwenden können. Sie überraschten mit Kreativität, Freude, Herzblut und viel Engagement sowie Geduld und Einfühlungsvermögen.

Über 1430 Betreuungsstunden

Nachdem anfangs auch die Anmeldungen nur zögerlich eintrafen, erreichte man kurz vor Anmeldeschluss doch noch die Limite der Anzahl der Kinder. Als weitere vier Anmeldungen eintrafen, suchte und fand man eine weitere Zirkusfachperson. Somit konnten alle 44 Kinder am Montag in die Woche starten. Sicherlich auch eine Dienstleistung an der Bevölkerung und den Familien, waren die Kinder doch während total 1430 Stunden betreut.


Es beginnt!

Am ersten Tag ging es darum, alle Zirkusfachgebiete auszuprobieren, um sich anschliessend für eine Disziplin zu entscheiden. In dieser Gruppe wurde an den kommenden Tagen intensiv gespielt, ausprobiert, trainiert und inszeniert. Viele Ideen und Figuren entstanden und aus dieser Vielfalt galt es für die Zirkuspädagogen eine spannende und packende Nummer zu gestalten. Ein Prozess, welcher für die jungen Artisten und Artistinnen nicht immer ganz einfach war. Mussten sie doch lernen zu verzichten, sich etwas zurückzunehmen, um sich in die Dienste der Gruppe zu stellen. Wie die Zirkusanimatorin Priska zu Beginn erwähnte, wäre sonst die Show 4,5 Std. gegangen. Am Donnerstag war der grosse Probetag. Die einzelnen Gruppen übten den Ablauf, suchten passende Musik und kleideten sich zum ersten Mal in die Kostüme. Die Aufregung für die Vorstellung war spürbar, spätestens als man die eigene Nummer anderen Gruppen präsentierte und die Halle mit der Bestuhlung für die Zuschauer füllte.

Wie man Pannen umgeht

Während die Nummern am Donnerstagmorgen teils noch zu lange waren, wurde intensiv geübt, damit zwar eine spannende, abwechslungsreiche und artistische Nummer entstand, aber diese innerhalb einer Zeitlimite von einer Stunde lag. An der Hauptprobe wurden dann die Übergänge geübt, Musik- und Lichteinstellungen notiert und die Aufgaben der Requisiteure bestimmt. Hinter dem Vorhang waren drei Warteräume eingerichtet für je eine Gruppe. Sobald eine Gruppe die Manege verliess, machte sich die nächste Gruppe bereit und alle rutschten nach. So lief auf der einen Seite die Show ohne grosse Unterbrüche, und wenn es eine Panne bei einer Gruppe gegeben hätte (plötzlicher Harndrang oder fehlendes Requisit), hätte sofort die nächste Nummer einspringen können und die Zuschauer hätten die Panne gar nicht bemerkt.

Überglückliche Kinder

Bei Schminke und Kostümen wurde darauf geachtet, dass sie das Kind, die Gruppe und die Nummer unterstützten. Zu aufwendige Schminke und Kostüme würden die Artisten unerkenntlich machen. Es ist ja nicht das Ziel, dass die Eltern ihre Kinder in der Manege suchen müssen, um sie am Schluss nur anhand der Schuhe erkennen zu können. Das Kind steht im Zentrum und nicht die Kostüme, Schminke und die Musik.

Und so durften die Zuschauer eine Stunde lang Zirkuskunst in der Luft wie auch am Boden erleben und danach ihre überglücklichen Kinder in Empfang nehmen. Wenn man genau hinschaute, entdeckte man in manchen Gesichtern der Eltern viel Stolz und ab und zu auch ein feuchtes Auge. So blieben viele noch vor Ort, genossen die feinen Crêpes und Getränke vom 5-Sterne-Crêpes-Team und berichteten von den Erlebnissen dieser Woche.


Der Tag danach

Während noch bis tief in den Abend abgebaut und Material gezügelt wurde, stapelte sich das Zirkusmaterial bei der Familie Paffrath zuhause im Trainingsraum. Es galt in den kommenden Tagen das Material zu zählen, Requisiten zu flicken und zu ergänzen und über 250 Kostümteile zu waschen, zusammenzulegen und in Kisten zu versorgen, damit alles wieder für ein nächstes Projekt bereitsteht.

Ein nächstes Ferienprojekt, welches vielleicht auch wieder in Beromünster stattfindet? Dies steht noch in den Sternen und es muss abgewartet werden, wie sich der Ferienspass sowie andere Angebote im nächsten Jahr entwickeln. An dieser Stelle: «Dank an alle, welche diese wertvolle Woche ermöglicht haben. Ihr seid suuuuuuper!»

Guido Paffrath


Zirkus als Paarlauf und Familiensache

Priska Paffrath war bis diesen Sommer Lehrperson an der Basisstufe Römerswil. Sie ist Zirkusanimatorin / Artistin und Trainerin in Jugendzirkussen. Guido Paffrath ist Fachlehrperson an der Schule Beromünster / Zirkusanimateur / Artist / Mental-Persönlichkeitstrainer sowie Feuerlauftrainer. Früher auch Zirkuslehrer im In- und Ausland. Die beiden sind Eltern von drei Kindern, welche mittlerweile auch gerne bei Auftritten und Zirkusanimationen mitarbeiten. Familie Paffrath wohnt in Gunzwil.

Bilder: zvg




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