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«Viva la Grischa, dr Justin I. regiert bi da Fischa!»

Das gabs noch nie: Ein Bündner regiert die fünfte Jahreszeit in Rickenbach. Justin I. Meyer wurde am Zunftbot der Fischlizunft vergangenen Samstag unter grossem Applaus inthronisiert. «A khoga guati Fasnacht kha das werda», heissts nun.

Bunte Bündner Invasion im Land der Fische: Die Zunftmeisterfamilie 2023 der Fischlizunft Rickenbach. Von rechts: Zunftmeistersfrau Elisabeth, Sohn Pascal Meyer, Zunftmeister Justin I. Meyer, Sohn Marcel Meyer, Schwiegertochter Nathalie Meyer und Hobby-Schwiegertochter Laura Fiorucci.

 

«Viva la Grischa, dr Juschtin kunnt zu da Fischa!» So tönt es ab sofort bei der Fischlizunft Rickenbach. Der neue Zunftmeister heisst Justin Meyer und regiert dort die fünfte Jahreszeit. Am Zunftbot vom Samstagabend wurde der Bündner im Löwen unter rauschendem Beifall der Zünftler:innen von seiner Vorgängerin Rita I. in Amt und Würden gesetzt.

«Es freut mi uheimlich», sagte der langjährige Fischlizünftler, «und hüt Oba müender Calanda trinka!» Mit seiner Frau Lisa und den Söhnen Pascal und Marcel mit Anhang wurde er von allen freudig beglückwünscht und die Bogeteguugger Rekkebach weihten den neuen Zunftmeister lautstark in die Saison 2023 ein. Auch die Roggenzunft Schlierbach wartete mit einem Besuch auf. 

Jetzt kanns in Rickenbach losgehen mit «Viva la Grischa!». Unter diesem Motto wird Justin I. die Fische und Steinböcke tüchtig in Schwung bringen, soviel ist jetzt schon klar. Wer der Bündner Gastfasnächtler aus Trimmis ist, was er in Rickenbach alles anstellen will, welches Bier von nun an getrunken wird und was Radio RTR zu seiner Wahl sagt – bald hier auf diesem Kanal.

Erblich bedingte Fasnachtsgene

Ein paar Tage nach der Zunftmeisterwahl in Rickenbach war der neue Amtsträger im Land der Steinböcke telefonisch zu erreichen. Was «Fischlizunft» auf Rätoromanisch heisst, konnte er auf Anhieb nicht beantworten, womit auch gleich klar war, was seine Muttersprache ist. 

Auf seine Mutter kam er dann auch gleich zu sprechen, denn sie, die Margrith, hat ihm das Fasnachtsblut vererbt. Kein Wunder, war sie doch eine «Müller vom Bohler», und wer diese Sorte Leute kennt, weiss was das heisst. Die Mutter war seinerzeit aus beruflichen Gründen in Trimmis gelandet, der Liebe wegen dort geblieben und machte schon Fasnacht, als es noch niemand anders tat. Sie bastelte Masken aus Strümpfen, dekorierte das Haus und lud alle Leute vom Dorf ein zum Feiern. So also wurde Justin Meyer zusammen mit vier Brüdern schon früh mit dem Fasnachtsvirus infiziert. Wie er aber Jahrzehnte später mit Rickenbach anbändelte, ist eine andere Geschichte.

Die Sache mit Flup

An der Geburtstagsparty seines Göttis lernte Justin einen kennen, der hiess «Flup». Er hatte den gleichen Götti. Und auch sonst hatten die beiden einiges gemeinsam. So kam es, dass Justin aus Trimmis zusammen mit seiner Frau Lisa (Er: «I han doch kei Ziit für Fasnacht.» Sie: «Los Flup, i chuma!» 2012 die ersten im Kanton Graubünden wohnhaften Mitglieder der Fischlizunft wurden. Und zehn Jahre später, tragischerweise ohne seinen verstorbenen Cousin Flup – oder vielleicht gerade deswegen – wurde er nun Zunftmeister.

Worauf man sich gefasst machen muss oder darf an der kommenden Fasnacht unter seiner Regentschaft, sagt Justin I. in einem Satz: «I bin a Mensch wo uf d’Lüüt zuegoht!» Oha. Mit Viva la Grischa! als Motto und «patschifik» als Grundsatz: Es lebe Graubünden und friedlich soll es werden, «patschifik» eben. Das ist Rätoromanisch.

Ein Tausendsassa mit Vision

«I wets gmüetlich mit allne zemma ha», erklärt er, dabei möchte aber auch einiges an der Fasnacht hinterfragen, verändern, neu erfinden, mit dem klaren Ziel: Mehr junge Leute in die Zunft zu bringen.

Justin Meyer ist Co-Leiter der Höheren Wirtschaftsschule Südostschweiz. Daneben führt er ein Seminar-Business für Firmentrainings in allen Branchen. Die «Trimons»-Stiftung, die sich der Jungdemenz-Problematik annimmt, ist ein weiteres Steckenpferd.

Ein Tausendsassa also, dieser Bündner, der die hiesige Fasnacht aufmischen wird. Radiotelevisiun Svizra Rumantscha, kurz RTR, hat bereits ein halbstündiges Interview mit ihm aufgenommen, ausgestrahlt wird es am Schmudo 2023. Man schalte also zu und bleibe auf dem Laufenden. Viva la Grischa.


Text und Bilder: Ursula Koch-Egli

Eine Riesenfreude bei der Fischlizunft im Löwen Rickenbach.
Passt! Vorgängerin Rita I. setzt den neuen Zunftmeister in Amt und Würden.
Die Fischlizunft ist in die Saison 2023 gestartet.
Die Zunftmeister von Rickenbach (Motto: Grischa) und Schlierbach (Motto: Africa): Justin I. und Lisa; Bernhard I. und Claudia.





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