Viel mehr als nur Steuerfranken
Mit der Individualbesteuerung sollen Ehepaare und Konkubinatspaare steuerlich gleichgestellt, also die Heiratsstrafe abgeschafft werden. Das ist sehr wünschenswert und die Ehe soll wieder erstrebenswert sein, auch für junge Leute. Es geht jedoch nicht nur um den direkten Steuerfranken, sondern auch darum, dass beide Ehepartner:innen als selbständige Persönlichkeiten vom Steuerstaat angesehen werden, wie Konkubinatspaare. Auch die Verheirateten sollen Klarheit und Transparenz haben, wie die finanzielle Situation individuell aussieht. Dies ist zum Vorteil von vielen Frauen, denn der Schutzmantel von Gesetz und Ehe bricht je länger je mehr ein.
Seit Jahren kann dies auch bei den Scheidungsurteilen (40 Prozent der Ehen) beobachtet werden. Die Haltung der Gegner ist für mich nicht nachvollziehbar. Der Mehraufwand steht gegenüber von steigender Effizienz und Einsparungen, und wie bei jeder Investition kommt der Payback erst in den kommenden Jahren. Die Mindereinnahmen bei Bund und Kantonen sprechen eine eigene Sprache bezüglich Steuereinsparungen, und das nicht nur bei Reichen.
Letzten Endes bestimmen Einkommen, Steuerfuss, Steuerprogression und die Abzüge die Höhe der Steuern. Und da reden auch die Gegner der Mitte und die SVP kräftig mit. Kürzlich stand in einem Leserbrief, dass es bei den Gewerblern schön sei, wenn auch die Ehefrau mithilft und man gemeinsam einen Betrieb führt. Was ist dann hinderlich, dies so festzuhalten? Und wer jetzt in der Lage ist, seine Steuererklärung selbst auszufüllen, wird es auch in Zukunft sein. Die Zeiten ändern sich und wir können das Rad nicht zurückdrehen. Sogar bei grossen Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind, wird das «Familienmodell» gestrichen. Jede Person wird einzeln und unabhängig erfasst. Das hat seinen Grund! Die Individualbesteuerung ist für mehr Transparenz, Klarheit und Fairness sowie Selbstverantwortung.
Rosy Schmid, Hildisrieden