Veritabler Paukenschlag im Gemeinderat Beromünster: Machtübernahme durch die Zünfte!
Am Mittwochabend ereignete sich Ungeheuerliches im Gemeindehaus zu Beromünster: Die sonst so machtbewussten Regenten und politischen Würdenträger wurden in corpore bis zum Aschermittwoch von der Flecken- und der Böögenzunft unsanft aus der Verantwortung gedrängt.
Hans-Peter Arnold machte gute Miene zum bösen Spiel und sagte: «Diesen Augenblick sehnt der Gemeinderat immer mit grosser Freude herbei, die Last des Regierens abzugeben, damit wir die närrischen Tage befreit geniessen können.»
Zunftmeisterin Heidi II. strahlte ihr schönstes Lächeln, endlich hat sie keine «zwei» auf dem Rücken und darf regieren – und das Zunftmeisterpaar Astrid und Pesche mit ganzer Entourage schienen nur danach zu lechzen, den Laden zu übernehmen. Hans-Peter Arnold spürte dies auch, und er sagte: «Anscheinend wollt ihr heute besonders viel Macht erhaschen und nachholen, was ihr die letzten Jahre bei der Machtübernahme verpasst habt.»
Dieses Jahr hat ja die Götschizunft Hildisrieden die Regentschaft über den Umzug, was dem Ganzen eine besondere Note gibt. Mit dem Schlüssel wurde symbolisch der Schlüssel zur Fasnacht übergeben. «Mit den Mottos «Zrogg i Fläcke» und «ESAF Nüderef 2023: Eifach schwungvoll ad Fasnacht» soll uns eine tolle Fasnacht bevorstehen», meinte der Gemeindepräsident versöhnlich. Anschliessend wurde der Fahnenmarsch gespielt und die Fahne der Fleckenzunft aufgezogen. Mit viel Gelächter und gegenseitigem Aufziehen ging es dann zum Austausch und zum ausgedehnten Apéro und Aufheizen der Fasnacht in die Schol. «Apérölen» ist schliesslich eine Freude, unabhängig davon, wer grad an der Macht ist. Alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte schienen wie erlöst und locker wie lange nicht mehr, ja fast übermütig. Hans-Peter Arnold gab sein Rede-Manuskript bereitwillig und spontan dem Pressefritzen und meinte, er stehe für jegliche weitere Auskünfte jederzeit zur Verfügung. Ach, wär das schön, wenn immer Fasnacht wär... Und die Bööggenzunft wär nicht die Böögenzunft, wenn sie nicht noch ein Haus weitergezogen wär. Eine Zünfterin meinte gegenüber dem «Michelsämter» versöhnlich: «Der Gemeinderat hat das Sabbatical redlich verdient». Ja, die Zünfter können nun mal den Laden aufmischen – dass sie es besser können als die Politiker, müssen sie auch erst noch beweisen.
«Vielleicht grad gut, dass wir die Macht abgeben können, jetzt wo der Gemeinderat so ins Kreuzfeuer genommen wird...» Hans-Peter Arnold in seiner Ansprache zur Machtübernahme der Zünfte
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt