Update: Kalle's Musik-Corner live on stage im Le Théatre Emmen: Das «Take That»-Musical begeistert bei der Premiere (mit grosser Bildergalerie)
Schwelgen in emotionalen Erinnerungen an die Riesenhits von Take That mit dem Kreativkopf der Band, Gary Barlow, Robbie Williams, einem der grössten Entertainer dieses Planeten, Howard Donald, Mark Owen und Jason Orange: «Greatest Days», das grandiose Musical exklusiv im Le Théatre Emmen mit allen grossen Hits der Band in einer fesselnden, tiefgründigen Geschichte. Im Zentrum steht die Geschichte von fünf weiblichen Fans. Hier gehts natürlich vor allem um die Musik.
Am Donnerstag war fulminante, umjubelte Premiere, gespielt wird bis am 21. Januar. Das Fazit hier vorweg: Das Musical ist ein Gesamtkunstwerk, das sich nicht nur, aber ganz besonders für Fans von grossen Melodien und Melodramatik lohnt. Wer mal von irgendwas so richtig Fan war oder immer noch ist, wird zu neuen Einsichten kommen und Gänsehaut pur erleben, zwischen Tränen vor Lachen und Tränen der Rührung. Also: unbedingt hingehen!
Eine Boyband für die Ewigkeit
«Take That» ist eine der erfolgreichsten britischen Bands aller Zeiten. Sie wurde 1990 als Boygroup in Manchester gegründet. 1996 trennte sich die Gruppe, 2005 kam sie wieder zusammen. Aktuell besteht die Band aus den drei Gründungsmitgliedern Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen, gelegentlich ergänzt durch Robbie Williams.
Bekannteste Hits der Gruppe sind vor allem selbstgeschriebene Hymnen wie «Back for Good», «Never Forget» und «Patience» sowie einige gecoverte Titel, darunter «Relight My Fire» und «How Deep Is Your Love». Bereits vor ihrem Comeback im Jahr 2006 wurden sie mit acht Nr.-1-Hits als «eine der erfolgreichsten britischen Bands aller Zeiten» und «Wegbereiter einer neuen Generation von Boy- und Girlgroups» gewürdigt. Sie haben weltweit weit über 50 Mio. Tonträger verkauft und begeistern über Generationen, was dann doch für Boy- und Girlgroups nicht selbstverständlich ist.
Ein Erfolgsmusical adaptiert für die Schweiz
Im September 2017 wurde das sogenannte Jukebox-Musical «The Band» im Manchester Opera House uraufgeführt. Dramatiker Tim Firth schrieb die Geschichte rund um die Musik von Take That und unter Mitarbeit aller fünf Mitglieder. In zwei Stunden wurden über 57 000 Tickets im Wert von zwei Mio. Pfund verkauft, das Stück wurde zur am schnellsten verkauften britischen Theaterproduktion überhaupt. In Deutschland wird es seit April 2019 mit deutschen Dialog-, aber Original-Liedtexten im Theater des Westens gezeigt. Im Juni 2023 kam das darauf basierende Filmmusical Greatest Days im Vereinigten Königreich und in Deutschland in die Kinos. Nun hat Le Théatre das Stück exklusiv für die Deutschschweiz adaptiert. Der Leiter des Le Théatre, Andréas Härry und seine Partnerin Irène Straub haben die Übersetzung ins Schweizerdeutsche gewagt und die Handlung von Manchester ins Hier und Jetzt von Emmen transferiert. Jetzt schwören sich die Mädchen auf dem Sedel über dem Seetalplatz ewige Freundschaft. Die Schauspielerinnen und Sängerinnen, angeführt vom Schweizer Musicalstar Isabelle Flachsmann aus Zug, bringen die Geschichte emotional, authentisch, humorvoll und sehr dramatisch auf die Emmer Bühne. Alle Songs sind original in Englisch gehalten. Auch der Titelsong «The Greatest Day» berührt und wird wie alle Songs vortrefflich in die Geschichte eingebaut. Ebenso «The Flood» von 2010, als Robbie Williams grossartig zurückkam. Ich war mir gar nicht mehr bewusst, wie viele grossartige Songs sie hatten und habe nach der Premiere ihre alten CDs wieder hervorgeholt und gündlich durchgehört. Perlen des Songwriting, besonders die Songs von Gary Barlow, der neben Robbie Williams auch eine herausragende Stimme und viel Charisma hat.
Überzeugend in allen Belangen
Der Sound der Le-Théatre-Band unter der Leitung von Pianist Arno Renggli überzeugt, ebenso die gesanglichen Leistungen des Ensembles. Und das ist eine riesige Leistung, denn Musikfans haben die Originale der Songs haargenau im Kopf. Es gelingt auch, dass man oft den Musicalcharakter des Ganzen vergisst: Es wird auf den Rängen gekreischt wie bei einem echten Boygroup-Auftritt. Auch für diese Produktion wurde wieder wie 1990 gecastet: 60 Männer sangen und tanzten in London für das Musical in Emmen vor. Neben den lokal besetzten Rollen der jungen Fans der Band mit sweet 16 und den Rollen der vier Freudinnen 30 Jahre später sprechen die 5 Take-That-Darsteller, Sänger und Tänzer alle englisch. Trotzdem wirkt das Ensemble homogen und aus einem Guss.
Auch wenn man, wie ich, sonst mit Musicals nicht so viel anfangen kann: Das ist ein Musical auf hohem Niveau. Hier stimmt die musikalische Umsetzung, die schauspielerische Leistung, das Bühnenbild, die Inszenierung, die humoristische Note, der Tiefgang, einfach alles.
Arno Renggli sagte nach der Premiere gegenüber dem «Michelsämter»: «Es macht als Musiker und Musikfan Freude, diese Klassiker zu spielen und Teil dieser Produktion zu sein.» Theaterleiter Andréas Härry sagte zum «Michelsämter» einen Tag nach der Premiere: «Es war natürlich extrem viel los nach der gestrigen Premiere. Es freut uns sehr, dass das Stück so gut ankommt und wir viele Komplimente erhalten. Ich bin bereits wieder am Soundchecken für heute. Am Schluss ist es eine grosse Nineties-Party im Le Théatre.»
Das Phänomen Boygroup
Das Boygroup-Phänomen gibt es unter diesem Namen seit den 90ern, als nahezu identisch konzipierte Gruppen wie «Take That», «East 17», «Worlds Apart» und «Caught in the Act» erfolgreich wurden. Schon in den 60ern gab es die «Monkees», in den 1970ern «Jackson Five» mit einem gewissen Michael Jackson und die «Bay City Rollers» sowie in den 1980er Jahren «New Kids on the Block». Die bis heute erfolgreichsten Boygroups waren aus England die «Backstreet Boys» und aus den USA «N’SYNC» mit Überflieger Justin Timberlake. In der ersten Hälfte der 2010er Jahre war «One Direction» international erfolgreich, in der zweiten Hälfte war vor allem die südkoreanische Gruppe «BTS» populär.
Und was die Boys können, können die Girls schon lange...
Daneben gibt es auch viele Girlgroups, die bekanntesten darunter die «Spice Girls», die Vorreiter von einer neuen Welle von Girlgroups wie «Destiny's Child» mit Überfliegerin Beyoncé, die «Pussycat Dolls», «LTC», «Atomic Kitten», «All Saints» und «Sugababes» waren. Begonnen hatte es mit den «Andrew Sisters» 1942, bis heute bekannt sind etwa die «Supremes» 1965, die «Pointer Sisters» aus den 70ern und «Bananarama» aus den 80ern. Heute sind koreanische Girlgroups wie «Blackpink» bei den Jungen angesagt.
Hast du spezielle Erinnerungen an Boy- oder Girlgroups? Anekdoten, Witziges, Schräges, Abgründiges? Lass es Kalle vom Musik-Corner wissen.
Weitere Informationen: www.le-theatre.ch
Und hier die allerbesten Bilder:
Text: Karl Heinz Odermatt, Bilder: Ingo Höhn