Update: Herbstsession der Synode: Susan Schärli-Habermacher zur höchsten Katholikin Luzerns gewählt (mit Bildergalerie)
Am Donnerstag, 8. November, traf sich die Synode, das Parlament der Landeskirche, im Kantonsratssaal zu seiner ordentlichen Herbstsession. Die Luzerner Synode streicht dem Bistum Basel die Hälfte der Gelder – zumindest vorerst.
Selten sorgte eine Sitzung des Kirchenparlamentes für so viel Aufsehen und Wirbel. Schon um 7.30 Uhr traf sich das Personal von 16 Kirchgemeinden und Pastoralräumen zwischen Jesuitenkirche und Ritterschem Palast zu einer Manifestation mit Mahnfeuer, mit dem Ziel, dass «endlich Reformen eingeleitet werden», «für eine offene, glaubwürdige Kirche». Die Kirche solle sich «strukturell und kulturell sichtbar verändern». Gefordert wird etwa explizit eine «Abkehr von der lebensfeindlichen und homophoben Sexualmoral und eine uneingeschränkte Anerkennung eines freien partnerschaftlichen Lebens auch für kirchliche Mitarbeitende».
Unterschiedliche Meinungen zum Vorgehen
Während etwa der Pastoralraum Oberer Sempachersee vertreten war, schätzt der Pastoralraum Michelsamt die Situation anders ein und war nicht vor Ort. Pastoralraumleiterin Theres Küng sagt dazu gegenüber dem «Michelsämter»: «Mit dem Manifest werden Erwartungen geweckt, die leider weder die Landeskirche noch ein Bischof erfüllen können, beispielsweise die Gleichstellung von Frau und Mann. Enttäuschungen sind vorprogrammiert. Diejenigen Massnahmen in Bezug auf die Missbrauchsfälle, welche in der Kompetenz des Bischofs liegen, ist er in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Bischofskonferenz angegangen. Unser Pastoralteam befürchtet, dass mit dem Manifest die Landeskirche und das Bistum gegeneinander ausgespielt werden; wir möchten dafür einstehen, miteinander die nötigen Massnahmen anzugehen und nicht gegeneinander. Deshalb unterstützen wir das Manifest ganz entschieden nicht.»
Gleich zu Beginn des Tages wurde die Dringliche Motion «Forderungen an den Bischof des Bistums Basel für die Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle» traktandiert und besprochen. Untermauert wurden die Forderungen nach Reformen auch von den 16 Kirchgemeinden und Pastoralräumen. Sie hatten der Synode vor Beginn der Sitzung das «Manifest von Luzern» überreicht, in dem «dringend nötige Kirchenreformen» verlangt werden. Die Kirche solle sich «strukturell und kulturell sichtbar verändern».
Geldentzug «dringlich, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt», oder aber «missbräuchlich»
Die Meinungen über den Geldentzug gegenüber dem Bistum gingen weit auseinander. Teilweise wurde er als «missbräuchlich» taxiert. Die Synode sprach sich nach gewalteter, heftiger Diskussion über das liebe Geld als letztes mögliches Druckmittel gegenüber dem Bistum für den ersten Antrag aus, wonach nun die Hälfte des Bistumsbeitrags gesprochen wird, die zweite Hälfte aber unter Vorbehalt gestellt wird.
Nachmittags um 16 Uhr war es dann so weit: Claudia Wedekind stellte Susan Schärli als Kandidatin vor. Sie begann die Vorstellung mit dem Hinweis auf das grosse Portrait im Anzeiger Michelsamt von letzter Woche (Seite 8). Susan Schärli Habermacher, die gebürtige Rickenbacherin, die in Beromünster lebt und arbeitet, wurde per 1. Januar 2024 für zwei Jahre zur neuen Präsidentin der Synode gewählt, nachdem sie nun zwei Jahre das Vizepräsidium innegehabt hatte. Sie erhielt 90 von 90 Stimmen, wurde also einstimmig gewählt. Auch der stolze Vater, Balz Habermacher, war auf der Tribüne und freute sich riesig. Es gab Standing Ovations und grossen Jubel im Saal.
Susan Schärli schritt zur Ansprache. Sie gab ihrer Freude über die Wahl Ausdruck und dankte nach allen Seiten. «Das ist eine grosse Verantwortung in schwieriger Zeit. Ich habe viele, lange, gute Diskussionen in der Synode geführt. Ich will die Grundlage legen und damit eine konstruktive Atmosphäre schaffen, um gute Entscheide zu treffen. Lasst uns gemeinsam an einer positiven Zukunft schaffen. Ich erkläre Annahme der Wahl.»
Charly Freitag neuer Synodalverwalter per 1. Juni 2024
Charly Freitag aus Gunzwil, der ehemalige Gemeindepräsident von Beromünster, wurde mit starken 87 von 88 gültigen Stimmen zum neuen Synodalverwalter per 1. Juni 2024 mit Eintritt per 1. Mai gewählt. Er folgt auf Edi Wigger, der nach 15 Jahren Tätigkeit mit 60 Jahren in Frühpension geht. Er war sehr gut aufgelegt und sagte gegenüber dem «Michelsämter»: Ich habe keine konkreten Pläne für die Zeit danach. Alles ist gut aufgegleist. Im Mai 2024 kann ich einen Monat meinen Nachfolger Charly Freitag gut einarbeiten. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Danach lasse ich es einfach auf mich zukommen.
Alle zwei Jahre werden die Präsidien von Synode und Synodalrat neu bestellt. 2024 und 2025 führt Susan Schärli-Habermacher (Beromünster) das Parlament; sie übernimmt das Präsidium von Benjamin Wigger (Marbach). Neuer Vizepräsident ist Walter Hofstetter (Luzern). Neue Präsidentin des Synodalrats, der Exekutive, ist Sandra Huber (Willisau), neuer Vizepräsident Thomas Räber (Gelfingen).
... und dann die grosse Wahlfeier
Am Abend stieg in der Lindenhalle die grosse Wahlfeier mit 120 Gästen. Es war herzlich, emotional, unterhaltsam und dank der musikalischen Untermalung des Frauenchors «vidas» aus Sursee nicht nur ein Gaumen-, sondern auch ein Ohrenschmaus. Susan Schärli ist leidenschaftlich als Sängerin bei «vidas» dabei. Eurythmics «Sweet Dreams» sowie zwei Stücke von Patent Ochsner wurden geboten: «Gets über üs e Himu», das Susan Schärli speziell ausgewählt hatte, und «Scharlachrot» für alle zum Mitsingen. Chorleiterin und Pianistin Regina Lötscher begeisterte besonders mit ihrer mitreissenden Art.
Kirchenratspräsident Markus Schmid, Pastoralraumleiterin Theres Küng, die Fraktionspräsidentin von Hochdorf, Bernadette Steiner-Ming, Gemeindepräsidentin Manuela Jost, die abtretende Synodalratspräsidentin Annegreth Bienz-Geisseler und die neu gewählte Sandra Huber hielten kurze Ansprachen, bevor die Bühne Susan Schärli gehörte, die alle mit ihrer authentischen, ehrlichen, humorvollen und präsenten Art begeisterte. «vidas» schloss auch das Programm mit zwei tollen Stücken.
Theres Küng sagt zur Wahl ihrer Mitarbeiterin: «Ich freue mich für Susan Schärli; das Amt der Synodepräsidentin ermöglicht es ihr, die Landeskirche Luzern mitzugestalten. Ihre Erfahrungen aber aus der Mitarbeit im Pastoralraum beeinflussen sicher ihre Meinungsbildung und Haltung zu den verschiedenen Fragestellungen in der Kirche. Deshalb ist Susan Schärli für die Landeskirche ein grosser Gewinn – und umgekehrt auch für unseren Pastoralraum. Die Synodepräsidentin kann vermittelnd wirken zwischen Landeskirche und diözesaner Amtskirche, was aktuell besonders wichtig ist. Ich wünsche ihr als höchste Katholikin, dass der Glaube sie trägt und ihr Inspiration ist.»
Es waren neben Politikern wie den Kantonsräten Luca Boog und Markus Bucher naturgemäss auch viele kirchliche Verantwortungsträger zugegen. Bischofsvikar Hanspeter Wasmer etwa sagte lachend gegenüber dem Michelsämter: «Ich habe früher bei einer Bank gearbeitet und war in vergleichsweise ruhigerem Fahrwasser als heute bei der Kirche.» Auf die Nachfrage, bei welcher Bank er gewesen sei, nicht etwa bei einer Skandalbank, sagte er fröhlich: «Nein, ich machte eine Berufslehre bei der Aargauer Kantonalbank, bevor ich in Luzern und Wien Theologie studierte.»
Viele engagierte Helfer:innen und Freund:innen von Susan Schärli machten einen unvergesslichen Abend möglich.
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt