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Unterwegs mit Strom

Die Firma SB Trans GmbH von Adolf Hüsler betreibt in der Region diverse Buslinien und wartet ihre Busflotte in der betriebseigenen Werkstatt in Niederwil (Rickenbach). Um auch für die Zukunft gewappnet zu sein, möchte sie diese erweitern, denn die Metamorphose weg von Bussen mit Verbrennungsmotoren hin zu solchen mit Elektromotoren ist im Gange und führt damit zu veränderten Wartungsarbeiten. Doch der Bau muss Hürden bewältigen, denn Niederwil ist ein Weiler.

Für Chauffeure bescvhreiben das Fahren mit Vollelektrobussen, bedingt durch die grössere Dachlast, etwas anders aber unproblematisch.

Die Werkstatt der SB Trans GmbH von Adolf Hüsler lag bereits in Niederwil, als die Firma noch kleiner war und keine GmbH war. In den letzten zwei Jahrzehnten ist sie markant gewachsen, sie hat 85 Mitarbeitende, verfügt über fünfzig Fahrzeuge, nebst zwanzig Postautos besitzt sie auch Reisecars, Lastwagen und Miettransporter. Sie betreibt in der Region mehrere Postauto- und Schulbuslinien und sie hat Standorte in Sursee, Sempach Station, Baldegg und Reinach. Wie überall und gerade im Strassenverkehr rückte in jüngster Zeit der CO2-Ausstoss in den Fokus. So verkehren auf der Linie 89 (Bäch-Eich-Sempach-Station) und der Linie 70 (Rothenburg-Neuenkirch-Sempach-Station), welche die SB Trans GmbH betreibt, drei Vollelektrobusse. Diese Besonderheit wird bald zum Normalfall werden. Die geltenden Klimaziele, Gesetze und Verordnungen von Bund und Kanton führen dazu, dass Verbrennermotoren verschwinden werden. Ab dem Jahr 2035 werden keine solchen mehr in der Schweiz verkauft werden dürfen. Die Postauto AG will bis spätestens im Jahr 2040 die gesamte Flotte auf Elektrobusse umgestellt haben. Die herkömmlichen Busse werden entsprechend sukzessive durch Vollelektrobusse ersetzt.

Blick auf die Technik auf dem Dach.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Bussen ist bei E-Bussen die Technik teilweise auf dem Dach eingebaut. Um vernünftig arbeiten zu können, braucht eine Werkstatt auf geeigneter Höhe ein Podest und eine entsprechende Raumhöhe. Bereits vor einiger Zeit hat Adolf Hüsler dafür gesorgt, dass eine entsprechende Erweiterung der Werkstatt in Niederwil möglich ist. Dazu hat er die benachbarte Liegenschaft gekauft, ein Wohnhaus mit grosser Scheune.

Werkstätte der SB Trans GmbH in Niederwil: Anstelle der Scheune soll die Erweiterung der Werkstatt gebaut werden.

Mit der Erweiterung harzt es nun allerdings. Aus Gründen der Zonenplanung. Niederwil ist ein Weiler, liegt der Logik folgend in der Weilerzone. Diese gehört aus raumplanerischer Sicht nicht zum Baugebiet. Weiter war aus denkmalschützerischer Sicht die Frage offen, ob das baufällige Haus mit angebauter Scheune, welches der Erweiterung weichen soll, allenfalls erhaltenswert ist und die Gebäudestruktur trotz Umnutzung zum Werkstattbetrieb erhalten werden könnte.

Eine verzwickte Situation, und man mag sich an dieser Stelle fragen, weshalb Hüsler die Zelte in Niederwil nicht einfach abbricht und die Erweiterung an einem der anderen, weniger exponierten Standorte platziert. Die Antwort ist simpel: Die Werkstatt liegt so, wie sie liegt, zentral, was sie zur Anfahrt mit Bussen von allen anderen Standorten ideal macht. Bei jeder Fahrt zur Werkstatt mit den fünfzig Fahrzeugen ist der Weg kürzer und damit energiesparender.

Bei den zuständigen kantonalen Instanzen herrschte allerdings betreffend des Bauvorhabens wegen dessen Standort ausserhalb der Bauzone mehr als Zurückhaltung. Adolf Hüsler bringt es folgendermassen auf den Punkt: «Der Kanton kann nicht einerseits CO2-Ziele festlegen und die eigenen Ziele dann bei der Zonenplanung ignorieren». Er insistierte und konnte zu planen beginnen. Nach einem Spiessrutenlauf von drei Jahren mit Nachweisen, Vorprüfungen, Baugesuch, Einspracheprozedere und Kosten im deutlichen fünfstelligen Frankenbereich ist Hüsler zuversichtlich, das Projekt tatsächlich realisieren zu können. Inzwischen ist die Vorprüfung für die notwendige Zonenplanrevison bei Kanton praktisch abgeschlossen und bald wird dazu eine Informationsveranstaltung seitens der Gemeinde stattfinden.

Eine volle Ladung Stom reicht einen ganzen Tag.


E-Bus-Visionär

In Sachen E-Busse darf man Hüsler als Visionär bezeichnen. So hat er beispielsweise vor 13 Jahren beim Bau seines Depots in Sempach­ Station vorausschauend Leerrohre einlegen lassen. Damals fuhren erst vereinzelte Enthusiasten E-Mobile, von Elektrobussen sprach damals noch kaum einer. Heute befinden sich in diesen Leerrohren Stromkabel, die vom nahen Trafo direkt zu vier Ladestationen führen und diese mit Industriestrom versorgen. Dank der damaligen Weitsicht ist Hüslers SB Trans GmbH der erste Auftragnehmer der Postauto AG in der Zentralschweiz der Elektropostautos einsetzt. Rund ein Drittel des Stroms stammt dabei aus der eigenen Photovoltaikanlage. Sie ist so leistungsstark, dass an ergiebigen Sonnentagen sogar der ganze Strombedarf vom Hallendach in die Bus-Batterien fliesst.

Den Betrieb mit den Vollelektrobussen beschreibt Hüsler als unproblematisch. «Weil sich die Batterien auf dem Dach befinden, liegt der Schwerpunkt des Fahrzeugs höher. Das erfordert eine etwas andere Fahrweise in den Kurven, insbesondere bei winterlichen Verhältnissen», beschreibt Hüsler einen Unterschied. Das sei allerdings keine grosse Herausforderung für die Chauffeure, die täglich Bus fahren. Spürbar wirke sich auch die sogenannte Rekuperation aus, sprich: wenn beim Bergabfahren oder Bremsen Strom zurückgewonnen wird. Das wirkt deutlich als eine Art Motorbremse und verlangt eine Fahrweise, welche das Ruckeln hemmt. Auch das haben die Chauffeure aber schnell im Griff. «Dank der Rekuperation ist der Stromverbrauch von Bäch bis Sempach gleich null», erklärt Hüsler den Vorteil.

Ein Thema, das im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen gerne diskutiert wird, ist die Reichweite. Im Gegensatz zu Fernreisen mit Cars ist das im Postautobetrieb völlig unproblematisch. Aktuell beträgt die durchschnittliche Reichweite mit einer vollgeladenen Batterie rund 200 Kilometer. Die Technik schreitet hier jedoch laufend voran. Das erste Elektropostauto im Jahr 2015 hatte noch eine Reichweite von 80 bis 90 Kilometern pro Ladung. Entscheidend dafür ist die Batteriekapazität. Damals waren das 180 kWh. Die drei Busse, welche die SB Trans GmbH seit Dezember 2022 zum Fahrplanwechsel in Betrieb genommen hat, haben bereits eine Kapazität von 285 kWh. Bei aktuellen Neufahrzeugen ist bereits eine Leistung bis 440 kWh möglich.

Auch die Jahreszeiten wirken sich auf die Leistungsabgabe aus. Sie kann bei kaltem Wetter um 20 Prozent absinken. «Den Betrieb beeinträchtigt das jedoch nicht, auch dann bewältigen sie ihre Einsatzzeit ohne zusätzliches Aufladen», hält Hüsler fest. Gleich wie im Sommer, wenn die Klimaanlagen laufen, auch das hat keinen spürbaren Einfluss, weder aufs Fahren noch auf den Betrieb.

Weil E-Postautos noch nicht allzu lange eingesetzt werden, gibt es noch keine Langzeiterfahrung, wie sich das Alter einer Batterie auf deren Leistungsfähigkeit auswirkt. Laut Herstellern beträgt die Laufzeit sieben bis acht Jahre. Die SB Trans GmbH plant in absehbarer Zeit sechs weitere Vollelektropostautos in Betrieb zu nehmen. Drei 12-Meter- und drei Gelenkpostautos werden bestellt.

Elektrobuspioniere: Adolf Hüsler, Verwaltungsratspräsident der SB Trans GmbH (r.), und Geschäftsführer Stephan Maurer. 

Martin Sommerhalder




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