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Unterwegs mit der Jagdgesellschaft Römerswil: «Weidmannsheil!» 

Seit dem 1. Oktober und bis zum 15. Dezember sind sie wieder unterwegs, die Jäger auf der «lauten Luzerner Jagd», auch in den Wäldern des Michelsamts. Der «Michelsämter» hat die Jagdgesellschaft Römerswil an einem prächtigen Jagdtag begleitet und dabei sehr viel erlebt.

 

Obmann Beat Koller, Nationalrat und «Politfuchs» Leo Müller und alt Kantonsrätin Heidi Frey vor dem Weidmannsgruss.


Am Morgen versammelten sich gut 20 Jäger und eine Jägerin, die ehemalige Kantonsrätin Heidi Frey, die im Diegenstal aufgewachsen ist, und Nationalrat und «Politfuchs» Leo Müller aus Ruswil beim Jagdhaus Gütsch in Römerswil. Nationalrat Leo Müller sagte gegenüber dem «Michelsämter»: «Ich bin jedes Jahr einen Tag als Treiber dabei. Mich fasziniert die Natur, der Wald, die Tierwelt. Das gibt eine andere Perspektive und eine gesunde Müdigkeit». Neben vielen erfahrenen Jägern und Treibern waren auch Jungjäger und ein Jagdlehrgänger im Hegejahr dabei, die erst kürzlich die Jagdprüfung abgelegt haben oder mitten in der Ausbildung stehen. 

Weidmanns- und Bläsergruss, dann das Briefing für die sichere Jagd

Der Jagdtag startete mit der Begrüssung, dem sogenannten Weidmannsgruss durch Obmann Beat Koller mit dem Bläsergruss, dem feierlichen Anblasen der Jagd durch die Jagdhornbläser. Anschliessend wurde durch Jagdleiter Herbert Rüttimann, den ehemaligen Dorfmetzger von Hildisrieden, die Jagdorganisation, die «Belehrung» durchgegeben. Er gab an, welche Tierarten «offen» sind, also zur Bejagung freigegeben, mit welcher Waffe gejagt werden darf. Er teilt die Stände zu und überprüft, ob alle Jäger:innen einen gültigen Jagdpass und gültige Versicherung haben usw. Dies wirkt etwas formell und militärisch, ist jedoch in Anbetracht der Verantwortung des Jagdleiters und der Jagdgesellschaft für eine sichere Jagd sofort gut verständlich. Man wünscht sich «guten Anblick», also dass man Tiere sieht, denn das Wohl der Tierwelt und der Natur steht im Vordergrund. 

Vier Hunde waren an diesem Tag bei der Jagd dabei. «Sie sind sehr wichtig bei der Jagd, da sie uns Menschen mit ihren Riechlamellen millionenfach überlegen sind.» Die Hunde waren jedoch wegen dem extrem trockenen Herbst mehr gefordert und gaben weniger Laut als bei nasser Vegetation. Man unterscheidet Stöberhunde, die mit den Treibern das Wild «hoch machen», also aufscheuchen, und Schweisshunde, mit denen verletzte Tiere gesucht werden.  

Diana, die Göttin der Jagd, erhörte unseren Ruf

Anschliessend verschob man sich an die verschiedenen Standplätze. Der Reporter durfte mit Jagdleiter Herbert Rüttimann einen Waldplatz beziehen. Es dauerte keine fünf Minuten nach der Jagderöffnung, bis ein Schuss zu hören war und danach zwei Hornstösse, was anzeigt, dass ein Fuchs erlegt werden konnte. Nach einer knappen Stunde, als dem Reporter schon die Zeit etwas lang wurde, da er so langes Schweigen und Verharren an Ort nicht gewöhnt ist, sagte Herbert Rüttimann, wie wenn er Gedanken lesen könnte: «Manchmal ist es eine echte Geduldsprobe...» Der Reporter fragte flüsternd: «Wie heisst schon wieder die Göttin der Jagd?» – «Diana». Wie wenn Diana uns erhört hätte, tauchte drei Minuten später von der Weide her ein prächtiger Rehbock auf. Der Puls von Herbert Rüttimann schlug höher. Mit einem genauen Schuss traf er das Tier perfekt. Drei Hornstösse von Herbert Rüttimann zeigten es allen an: Ein Reh liegt auf der Strecke! Es war eindrücklich, die Anspannung und die Erleichterung danach miterleben zu dürfen. «Ech be rüüdig froh, de Schoss so guet abrocht zha», sagte Herbert Rüttimann, nahm dem Tier fachmännisch die Eingeweide raus und legte einen Tannzweig, den «letzten Bissen», ins Maul. Als um 12 Uhr der erste Morgen der Jagd vorbei war, trugen wir das Tier zusammen zum Auto, wo auch der geschossene Fuchs eintraf. 

Beim «Aser», dem im Freien eingenommenen gemeinsamen Mittagessen aus dem Rucksack, konnte man noch etwas mehr über die Menschen auf Jagd erfahren und etwas «Jägerlatein», als etwas «Blöffen», austauschen, wie das die Seeleute mit Seemannsgarn und die Fischer mit Fischerlatein machen.    

Die Jagd als Lebensschule

Heidi Frey, ehemalige Kantonsrätin, sagt gegenüber dem «Michelsämter»: «Ich bin im Diegenstal aufgewachsen, lebe seit über 40 Jahren in Sempach, bin aber noch stark mit dem Michelsamt verbunden. Nach dem Tod meines Mannes 2016 habe ich meinen jetzigen Partner Chrigu kennengelernt und durfte ihn, der seit 40 Jahren Jäger ist, öfters auf der Jagd und bei der Rehkitzrettung mit der Drohne begleiten. Dabei habe ich sehr viel über die Jagd erfahren. Das hat mich sehr beeindruckt – Jagen ist längst nicht nur Schiessen von Tieren! So habe ich dann bald mit der Drohnenausbildung und der Rehkitzrettung begonnen und danach auch die Jagdprüfung gemacht. Für die Jagdgesellschaft Römerswil sind wir jedes Jahr im Frühling mehrere Tage, jeweils vormittags, mit der Drohne im Einsatz zugunsten der Rehkitze. Die Ausbildung zur Jagdprüfung ist sehr anspruchsvoll und vielseitig – von Waffenkunde über Wildtierbiologie, Ökologie, Brauchtum bis zur Rechtslehre wird sehr viel von den zukünftigen Jäger:innen verlangt. Für mich ist Jagen eine – weitere – Lebensschule: Auf der Jagd komme ich zur Ruhe. Konzentration, genaues Beobachten, Abschalten vom Alltag – all das hat Platz. Und wenn ich dann noch ein Tier erlegen darf, so ist das der i-Punkt obendrauf und unsere Küche und der Tiefkühler freuen sich darüber. Wildfleisch ist sehr gesund und richtig zubereitet wunderbar zum Essen! Daneben gibt es viel guten Austausch mit Jagdkamerad:innen, gemeinsame Hegearbeiten im Revier und viele gemütliche Stunden oft auch mit dem berühmten Jägerlatein – ja mir hat es jagdlich wirklich ‹den Ärmel reingenommen›. Seit diesem Jahr haben Chrigu und ich die Jagdschule Hinterland von unserem Vorgänger Dino Lizio übernehmen können. Wir unterstützen dabei zusammen mit ausgewiesenen Fachleuten 18 bis 20 Jagdlehrgänger bei der Ausbildung zur Luzerner Jagdprüfung. Dabei zeigt sich, dass es immer mehr Frauen gibt, welche die Jagdausbildung machen – viele gerade deshalb, weil sie sich gesund ernähren wollen und bei einem selber korrekt erlegten Tier wissen, dass dieses sein Leben in freier Natur gelebt hat.»

Des Jägers Arbeit besteht auch darin, verletzte Tiere aufzuspüren und von ihrem Leiden zu erlösen. Gerade in der Nacht kommt es auf Landstrassen immer wieder zu Kollisionen von Autos mit Wildtieren. Automobilisten sind per Gesetz verpflichtet, jeweils die Polizei zu rufen. Diese wiederum alarmiert den Jagdaufseher. Ist das verletzte Tier geflüchtet, muss es unbedingt aufgespürt werden. In der Nacht ist dies beinahe unmöglich. Oft muss sich der Jäger mit einem Jagdhund auf die Suche nach dem unglücklichen Tier begeben.

Jäger sein ist höchst anspruchsvoll

Wer Jäger werden will, muss ein einwandfreies Leumundszeugnis vorweisen können. Die Jagdprüfung ist anspruchsvoll. Während dem Hegejahr bei einer Jagdgesellschaft muss der Anwärter rund 100 Stunden Revier- und Hegearbeit nachweisen. Zuerst erfolgt die Prüfung an der Waffe, dann wird Theorie gebüffelt: Pflanzen müssen dabei genauso erkannt werden wie Innereien und eine Gesamtbeurteilung, ob das Tier zum Verzehr geeignet ist. Und selbst wer die Jagdprüfung bestanden hat, muss jährlich einen Treffsicherheitsnachweis absolvieren. Ohne diesen wird kein Jagdpass ausgestellt und keine Flinte oder Büchse geführt. Im Kanton Luzern gibt es im Gegensatz zu anderen Kantonen keine Patentjagd, sondern die Revierjagd. Konkret heisst das, dass die Jäger nur in dem von ihnen gepachteten Revier jagen dürfen.

Viel Arbeit im Stillen, im Hintergrund 

Jäger arbeiten viel im Hintergrund und schauen für das Wohl der Tiere, etwa bei der Rehkitzrettung. Die Jäger trinken mit der linken Hand, da man mit der rechten Hand schiesst. Und die Jäger sagen: Weidmannsheil! als Gruss der Jäger untereinander, als Wunsch für guten Erfolg bei der Jagd und als Glückwunsch für Jagdglück. Aus der Jägersprache kennen wir etwa: «Ich habe einen Bock geschossen», sicher jedem schon mal passiert. Die Jagd kennen viele aus den Sissi-Filmen, wo Sissi, gespielt von Romy Schneider, den Jägern das Wild vertreibt, aus Tierliebe…

Seit 2004 verleiht der Gemeinderat Hildisrieden die «Wilde Riedhilde» als Anerkennung für eine innovative Idee oder für herausragende Leistungen. 2022 ging die Auszeichnung an die Jagdgesellschaft Römerswil. «Diese Auszeichnung ist eine Wertschätzung und Anerkennung der langjährigen Bemühungen der Jäger für das Jagdrevier, das Wild und den Wald, aber auch für unsere ehrenamtliche Arbeit wie Waldnachmittag/Ferienpass/Waldtag mit der Schule», sagt Obmann Beat Koller.

Auch am Nachmittag hatte die Jagdgesellschaft Weidmannsheil: Ein weibliches Jungreh («Schmalreh») und ein Fuchs waren in einem anderen Teil des Jagdgebietes die Ausbeute. Am Abend gab es für die ganze Jagdgesellschaft ein gemütliches Abendessen (Schüsseltrieb) diesmal ein Wildmenü zur Einstimmung auf die folgenden Jagdtage. Jäger sind eben gesellige, offene, naturnahe und naturliebende Leute.


Wer nun noch mehr von der Jagdgesellschaft Römerswil erfahren möchte, besucht diese am besten am Samstag, 28. Oktober, in Hildisrieden am MärtLäbe, wo sie ebenfalls einen Stand betreiben.


Hunde sind auf der Jagd äusserst wichtig und ergänzen die Treiber und Jäger ideal. 


Jagdleiter Herbert Rüttimann beim Weidmannsgruss, dem Briefing für den Jagdtag.
Die Treiber sind bereit für ihre strenge, wichtige Aufgabe.


Auf gehts bei prächtigem Herbstwetter in die traumhafte Natur.
Jagdleiter Herbert Rüttimann voll konzentriert auf seinem Posten.


Der Morgen will nachgesprochen und der Nachmittag vorbesprochen und optimal durchorganisiert werden.
Alle sind auch nach dem Aser voll konzentriert und motiviert.
Jagdleiter Herbert Rüttimann mit seinem fachmännisch erlegten Rehbock.


20 Jäger und eine Jägerin bei der Jagdhütte der Jagdgesellschaft Römerswil.



Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt  




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