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Unterwegs mit den Glücksbringern

Sie halten Kamine und damit die Umwelt sauber, erfüllen Überwachungsaufgaben im Bereich der Brandschutzauflagen und des Umweltschutzes und sie gelten als Glücksbringer: die Kaminfeger. Wir begleiten den Rickenbacher Kaminfegermeister Lukas Stirnimann und seinen Lehrling Noah Kammermann bei ihrem Einsatz in Eich.

Dichte Nebelschwaden hüllen frühmorgens Wald, Wiesen und Häuser im Michelsamt magisch ein. Beim Kaminfegermeister Lukas Stirnimann dringt ein Lichtschimmer aus der Werkstatt im Moospark in Rickenbach. Kaffeegeruch erfüllt den Aufenthaltsraum. Seine drei Angestellten brechen um sieben Uhr auf. Ihr Einsatzgebiet ist seit der Einführung der freien Kaminfegerwahl 2019 recht gross. Rund 2500 Kunden werden übers Jahr im Kanton Luzern und andernorts besucht. Vielfältig sind auch die Aufgaben. Sie reichen vom Entfernen von Verbrennungsrückständen bis zu Kontroll- und Überwachungsaufgaben im Bereich der Brandschutzauflagen und des Umweltschutzes. Ein gesetzlicher Auftrag im Dienst von uns allen. Und gerade jetzt um den Jahreswechsel schätzen es die Leute, einen Glücksbringer bei sich im Haus zu haben. Bereits im Mittelalter waren die Kaminfeger die einzigen, die Menschen vor Bränden und Vergiftungen durch verstopfte Kamine schützten. Das Abbrennen ganzer Dörfer und Stadtteile konnte somit verhindert werden. Und auch heute, in der modernen Welt, ist so mancher Kaminfeger neben Hufeisen und vierblättrigen Kleeblättern auf von Hand geschriebenen und digitalen Neujahrskarten abgebildet.

Gut ausgerüstet geht es an die Arbeit: Lukas Stirnimann 


Pech und Schwefel geht es an den Kragen

Mit viel Freude und Engagement ist Kaminfegermeister Lukas Stirnimann seit 16 Jahren im Beruf tätig und seit 2016 Geschäftsinhaber. Im grünen Fahrzeug mit schwarzem Logo, vollgepackt mit all den nötigen Werkzeugen, erreicht er nach kurzweiliger Fahrt den Weiler Wiesen in Eich. Mit von der Partie ist auch Noah Kammermann, der 16-jährige Kaminfeger im zweiten Ausbildungsjahr. Im zweistöckigen Wohnhaus warten verschiedene Aufgaben auf das Zweierteam: einen Holzofenherd, einen Kachelofen, eine Stückholz-Zentralheizung und die Kamine zu reinigen. Behutsam gehen die beiden ans Werk. Die Böden werden mit Tüchern abgedeckt und Kaminzugänge sicher verklebt. Von oben nach unten zu reinigen, heisst allemal die Devise. Flugs ist Lukas Stirnimann über eine Leiter im Estrich und schabt mit der langen Stahlrute den Glanzruss ab den Kaminwänden. Pech und Schwefel geht es jetzt sprichwörtlich an den Kragen. Am Schornsteinfuss in der Küche lassen sich darauf all die Russpartikel absaugen. «Das Steckrutensystem aus flexiblen und bruchsicheren Nylonstangen ist mit einem Akkubohrmaschinenantrieb bei der Reinigung von verwinkelten Innenrohren am effizientesten», erklärt Stirnimann mit einem Augenzwinkern. Und sein Kontrollblick mit einem Spiegel ins Ofenrohr gibt ihm Recht. Mit einer gewissen Vorsicht hebt er die Schamottsteine aus dem Kochherd und reinigt sie. Gröberes Geschütz setzt er mit dem Stahlschwamm beim gusseisernen Herddeckel ein. Derweil öffnet Noah Kammermann nebenan den Kachelofen in der Stube, reinigt all die Rauchzüge und entfernt die Aschenschublade. Unentwegt ist der Staubsauger im Einsatz und nirgends zeichnen sich ungewünscht Russflecken ab.

Mehr Leistung nach Reinigung

Noch arbeitsintensiver ist darauf die Reinigung der Stückholz-Zentralheizung im Heizungsraum. Die Russschlacke im Feuerraum muss weg. Bereits bei einem Beschlag von einem Millimeter an den Stahlwänden braucht es um die sechs bis zehn Prozent mehr Holz, um die gleiche Wärmeleistung zu erreichen. Staubschutzmasken an und das Kratzeisen zur Hand. Im Taschenlampenlicht tanzen die Russpartikel nur kurz. Der effiziente Staubsauger sammelt sie unentwegt ein. «Der Wirkungsgrad einer Holzheizung kann dank der intensiven Reinigung nachher wieder bis zu 40 Prozent höher sein», schmunzelt der Kaminfegermeister, eine Frohnatur. Dazu müssen aber auch alle Rauchrohre, der Abgasventilator und das Flügelrad der Motorenkühlung russbefreit sein. Dazwischen läutet das Natel des Chefs. Die Kundenbetreuung ist das A und O im freien Markt. Terminwünsche gilt es zu beachten und Tipps und Erfahrungen auszutauschen. Für den Rickenbacher Noah Kammermann ist es ein lehrreicher und praxisbezogener Ausbildungsmorgen. Geschickt bringt er all die Abdeckungen wieder mit den Schrauben an und prüft deren Dichtigkeit. Der eingesammelte Russ wird im hauseigenen Aschenfass entsorgt. Nun ist die Schlusskontrolle angesagt. Zu zweit werden die Funktion der bald dreissigjährigen Stückholz-Heizung, die immer noch gute Abgaswerte liefert, unter die Lupe genommen. Denn je nach Holzart wird eine Verbrennungstemperatur von 1000 bis 1200 Grad Celsius im Feuerraum erreicht.

«Das gute Einvernehmen mit der Kundschaft, die uns vertraut und unsere Arbeit schätzt, ist ein hohes Gut», fügt der leutselige und pflichtbewusste Kaminfegermeister bei. Nach getaner Arbeit laden das Rentnerehepaar Anton und Rosa Willimann zu einem feinen Kaffee mit eigenen Guetzlis ein. «Die Menschen schätzen es, mit uns noch zu einem kurzen Schwatz über Gott und die Welt zusammenzusitzen», fügt Stirnimann anerkennend bei. Mit lachenden Gesichtern verabschieden sich die Glücksbringer dankend vom zufriedenen Kundenpaar und wünschen vor allem gute Gesundheit und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Die geschenkte Glücksmünze aus der Hand des Kaminfegermeisters kurz vor Jahresende kann ja nur ein gutes Omen sein.

Rosa und Anton Willimann aus Eich laden die beiden Kaminfeger nach getaner Arbeit zum Kaffee mit selbstgebackenen Guetzlis ein.


Der sprichwörtliche Pechvogel

Von der behaglichen Stube gehts zurück nach der Autofahrt in die Werkstatt in Rickenbach. Dass man als Kaminfeger auch mal knifflige Fälle zu lösen hat, erzählt darauf Stirnimann. Vogel-, Wespen- und Hornissennester können schon mal einen Kamin verstopfen und zu einer unangenehmen Rauchentwicklung im Haus führen. Dann sind Kammerjäger und Kaminfeger oft gefragte Leute. «Dass ein russbedeckter Vogel im Kaminfussbereich herumflattert, ist nicht so selten», berichtet er. Dann heisst es die Vorhänge zurückzuziehen, alle Fenster zu öffnen und den sprichwörtlichen Pechvogel mit Handschuhen und der nötigen Ruhe zu befreien. Wenn er schnurstracks das Weite sucht, ist es allen bedeutend wohler. Vogelschutzgitter können solche Vorfälle verhindern.

Auch bei all den technischen Erneuerungen und der Lancierung von erneuerbaren Energiequellen gilt es mit Weitsicht und Ruhe zu agieren. Momentan sind im Michelsamt noch je zur Hälfte Öl- und Holzheizungen in Betrieb. Pellet- und Schnitzelheizungen mit grossen Wärmeverbundanlagen werden zunehmend beliebter. Gasbetriebene Anlagen bleiben selten. «Für uns werden Lüftungsreinigungen zunehmend ein neues Tätigkeitsfeld», ergänzt Stirnimann. «Der Beruf der Kaminfegerin und des Kaminfegers wird auch in Zukunft der Brandvorsorge und dem Umweltschutz dienen. Bestehendes muss weiterhin gepflegt, alte Anlagen abgebaut und umwelteffiziente, wärmetechnisch neue Möglichkeiten sollen gefördert werden», ist sein Fazit.

Die Glücksbringer aus dem Michelsamt.

Die Kaminfeger der Schweiz verhindern mit ihrer Arbeit jährlich einen zusätzlichen Co2-Ausstoss von einer halben Million Tonnen. So ist auch an diesem nasskalten Dezembermorgen Lukas Stirnimann mit seinem engagierten Team als Glücksbringer für die Menschen und ihre Umwelt unterwegs. Zum Abschied klaubt der Kaminfegermeister eine Glücksmünze aus seiner Hosentasche und verschenkt sie. Wahrlich Glück im Doppelpack! Möge es 2022 auch allen Leser:innen hold sein.

Text: René Fuchs / Bilder: zvg


Sandro Portmann



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