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Unser antikes Erbe: «Moneta» – die Wächterin des Geldes

Die römische Göttermutter Juno ist die Namenspatronin der Monats Juni, der in Abgrenzung zum ähnlich klingenden Juli (vergleiche «Julei») mitunter auch «Juno» genannt wird. Auf dem Kapitolshügel in Rom, wo heute die spätantike Basilika Santa Maria in Aracoeli in den Himmel ragt, stand in der Antike der Haupttempel der Göttin Juno: Und ebendort befand sich auch eine Münzprägestätte – in einem heiligen Bezirk.

Unter dem Kultnamen «Moneta», die Mahnerin, wurde Juno hier verehrt. Wie es genau zu dieser Bezeichnung gekommen ist, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit eruieren. Immerhin lesen wir beim frühmittelalterlichen Gelehrten Isidor von Sevilla, «Moneta» sei Juno genannt worden, weil sie «mahne, dass man sich keinen Betrug mit dem Metall oder dem Gewicht zuschulden kommen lasse». Tatsache ist: Der Beiname «Moneta» wurde schon früh auf die Münzprägestätte und schliesslich auf das geprägte Geld selber übertragen. So mutierte die Münzprägestätte auf dem römischen Kapitol allmählich zu einer Wortprägestätte: Aus dem Kultnamen «Moneta» entstanden das italienische moneta genauso wie unsere Moneten, ebenso das französische monnaie und das englische money! 

Der Monat Juni markiert auch den Beginn des Sommers – meteorologisch am Monatsersten, kalendarisch mit der Sommersonnenwende am 21. Tag, wenn auf der Nordhalbkugel auf den längsten Tag die kürzeste Nacht folgt. Seit der Antike wurde dieser Zeitpunkt mit speziellen Bräuchen gefeiert, die zum Teil Einlass gefunden haben in das heutige Mittsommerfest in Skandinavien und das Johannisfest. Am 24. Juni feiert die christliche Welt die Geburt von Johannes dem Täufer. Ein halbes Jahr vor dem Geburtsfest Christi feierten die Christen nachweislich seit dem Ende der Antike die «Sommerweihnacht» mit Johannisfeuern als Zeichen für den Sieg des Sonnenlichts über die Dunkelheit. Im Volksglauben dienten diese Feuer als Abwehr gegen Dämonen und Krankheiten, als Schutz vor Missernten und Hagel. Und gegen dunkle Gedanken wird seit Jahrhunderten das Johanniskraut als Antidepressivum verwendet, während das entzündungshemmende Rotöl dieser Pflanze Anwendung findet zur Heilung und Pflege der Haut. Damit sei das Johanniskraut «eine Universalmedizin für den ganzen Menschen», meinte Paracelsus. Übrigens: Das Hypericum perforatum – so der Name des Johanniskrauts – wurde seit der Antike als Schutz gegen bösen Zauber eingesetzt, indem man zum Beispiel über (griechisch hyper) einem Götterbild (griechisch eikon) dieses Schutzkraut zur Abwehr böser Geister platzierte; der zweite aus dem Latein stammende Namensbestandteil perforatum erklärt sich daraus, dass die Blätter dicht mit durchscheinenden Öldrüsen besetzt sind.


Paul Leisibach ist ehemaliger Kantilehrer für Latein und Deutsch. In seiner monatlichen Kolumne schreibt er über das antike Erbe unserer Kultur, gezeigt am Verlauf des Kalenderjahres.




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