Umfrage: «Wie halten Sie es mit dem Konsum?»
Die Pandemie hat uns vorübergehend auf einen kalten Konsum-Entzug gesetzt. Doch sie hat uns nicht geheilt, die Menschen haben schnell Mittel und Wege gefunden, weiter zu kaufen, auch Dinge, die wir gar nicht brauchen. Menschen geben «Shopping» als ihr Hobby an, kaufen ennet der Grenze ein oder fast alles online. Der E-Commerce boomt, Innenstädte und Dörfer haben Leerstände an besten Lagen. Wir fragten wieder gezielt Michelsämter, was für Sie das Shoppen bedeutet, wie sie es mit Online-Käufen halten und wie sie ihr Kaufverhalten generell beschreiben.
Robert Stocker (81), aktiver Pensionär, Beromünster: «Ich kaufe genau das, was ich brauche, zum Beispiel Brot und «Magronen», am liebsten beim Detaillisten vor Ort. Ok, wenn etwas «Aktion» ist, kauf ich vielleicht mal etwas mehr 'Magronen'. Sehr selten kaufe ich etwas online. Shopping als Hobby ist, erlauben Sie meine Ehrlichkeit, fast wie eine Krankheit. Shopping ist mir zu blöd. Ich würde nie «ins Deutsche rüber» einkaufen gehen. Wenn ich im Ort einkaufe, sichere ich Beschäftigung, Steuern, den ganzen Kreislauf. 1962 in Basel als Möbelschreiner hatte ich 2 Franken 75 Rappen Stundenlohn, doch ein Kotelett kostete 2 Franken 60 Rappen, was ich teuer fand. Ich war ledig und haushaltete selber, nach den gleichen Prinzipien wie heute.»
Peter Jurt (56), Metzger, Rickenbach: «Was, eine Umfrage? Dafür habe ich grad keine Zeit. Ich halte nichts von Umfragen, da wird gelogen, in der Realität ist alles anders. Ah, für den Michelsämter? Den lese ich immer, seit vielen Jahren, ich bin sehr zufrieden mit euch! Ich kaufe natürlich alles im Dorf. Online muss nicht sein. Ich war noch nie in Deutschland zum Einkaufen, es gibt ja hier wirklich alles. Wir im Gewerbeverein halten zudem zusammen. Ich habe aber nichts dagegen, wenn jemand Shopping als Hobby hat, und auch Kreditkarten gehören heute einfach dazu, auch für Junge, kein Problem. Ich merke hier übrigens nix vom 'Veganuary', wir in Rickenbach machen da nicht mit. Bei uns gilt noch: Fleisch, alles andere ist Beilage (lacht)… Ich bin Jahrgang 1965, einverstanden, der beste Jahrgang der Welt…»
Andrea Aklin (37), kaufmännische Angestellte, Rain: «Spannendes Thema! Ich bin ehrlich gesagt mega froh, haben wir beide Möglichkeiten zum Einkaufen. Ich kaufe gerade so gerne vor Ort im Laden: Speziellere Sachen, wo ich mich gerne beraten lasse von Fachpersonen. Dann kaufe ich dies natürlich auch da, wo ich gut beraten werde. Ich muss jedoch gestehen: Ich bin eine absolute Online-Shopperin. Alles was ich kenne und selber recherchieren kann, kaufe ich online. Wo es 'best price' gibt und einfache Retournierungsmöglichkeiten, bin ich ganz auf dieser Schiene. Wir alle kommen um dieses Thema eh nicht drum herum. Gerade mit zwei kleinen Kindern ist es sehr praktisch, manchmal sogar vom Bett aus noch etwas bestellen zu können. So kann ich oft die Zeit anders nutzen, als Geschäfte abzuklappern.»
Eliane Niederberger (23), Sekundarlehrerin, Rickenbach: «Ich habe zwar grad fast keine Zeit, doch ich lese den Michelsämter gerne, wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mehr darin lesen… also fragen Sie nur. Mir ist beim Einkaufen das Bewusstsein wichtig, woher die Produkte stammen und unter welchen Voraussetzungen sie hergestellt werden. Ich kaufe viel lieber in guten Läden. Online ist auch okay, aber nur ergänzend. Bei Zalando hab ich etwa einmal etwas gekauft. Ich bin auch Lehrerin 'TG', Textiles und Technisches Gestalten. Ich versuche meinen Schüler:innen Werte zu vermitteln, dass das Handgemachte mehr Wertschätzung hat und «Second Hand» Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit bedeutet. Wir können wählen, das können nicht alle auf dieser Welt. Aber klar, ein Foto dürfen Sie auch noch machen…»
Bea Frey (46) Bäckerin/Konditorin, Neudorf: «Also ich kaufe viel lieber im Dorf, fast nie online. Für Shopping habe ich keine Zeit. Wir haben einen 7-Tage-Betrieb hier, beliefern 16 Restaurants. Ich kaufe fast alles im Dorf. Man sollte die Läden im Dorf unterstützen, sie verdienen es: Qualität, Zusammenhalt, Kollegschaft. Wir werden auch gut unterstützt von der Dorfbevölkerung. Bei Zalando habe ich noch nie was bestellt, die Farben sehen im Internet immer anders aus, da gehe ich ins Geschäft. Unsere Kinder, 19 und 15 Jahre alt, sind da ganz anders, sie bestellen gern und viel bei Zalando, und wir bringen dann die Retouren zur Post… Wir sind sehr zufrieden mit dem Michelsämter, schätzen euch sehr, das ist auch Qualität und Zusammenhalt.»
Umfrage: Karl Heinz Odermatt