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Tutto a posto – ferragosto

Die Monate Juli und August – benannt nach Julius Caesar und dessen Adoptivsohn und Haupterben Augustus – sind unsere typischen Ferienmonate. Vielerorts sind die Schulen und Betriebe geschlossen. Ferien (feriae): Das Wort ist römischen Ursprungs und bezeichnete die Tage, an denen die üblichen Geschäfte ruhten, vielfach verbunden mit kultischen Verrichtungen und der Darbietung von Massenunterhaltungen wie Wagenrennen oder Gladiatorenkämpfe. So bildeten auch die feriae Augusti («Freitage des Augustus») einen festen Bestandteil im römischen Kalender. Der erste römische Kaiser Augustus feierte im Jahre 29 vor Christus einen dreitägigen Triumph als Erinnerung an seinen Sieg über Kleopatras Ägypten. Diese drei Gedenktage, 13. bis 15. August, blieben fortan Feiertage im ganzen römischen Reich und die antike Bezeichnung lebt im italienischen «ferragosto» bis heute weiter. Der 15. August hat für die Italiener eine herausragende Bedeutung, denn er gilt als der Tag, an dem der Sommer seinen Höhepunkt erreicht und die Einwohner der italienischen Metropolen ihren Jahresurlaub in den Bergen oder am Strand geniessen, während die Touristen in den Städten vor vielen Türen mit einem «chiuso»-Schild stehen: Tutto a posto – ferragosto «alles klar – Mitte August»! 

 In der griechisch-römischen Antike wurde am 15. August auch das Fest der Göttin Astrea, der Göttin der Gerechtigkeit, gefeiert. Diese soll die Erde bei Anbrechen des eisernen Zeitalters, als die Menschheit mehr und mehr verrohte, verlassen und am Himmel in Gestalt des Sternbildes der Jungfrau weitergelebt haben. Da die Regierungszeit des Kaisers Augustus nach langen, bürgerkriegsähnlichen Wirren endlich Ruhe und Sicherheit zurückbrachte, keimte die Hoffnung auf ein neues goldenes Zeitalter, verbunden mit einer Rückkehr der Göttin Astrea. Im 5. Jahrhundert wurde in der Ostkirche aus dem Fest der jungfräulichen Astrea das christliche Hochfest Mariä Himmelfahrt, in der lateinischen Westkirche ist das Fest seit dem 7. Jahrhundert bezeugt. Und am 1. November 1950 erklärte Papst Pius XII. die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel zum Dogma der römisch-katholischen Kirche. 

 Übrigens: Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahre 1979 besagt, dass es in den sechs Zentralschweizer Kantonen insgesamt 65 Marienheiligtümer gebe; während die «Stadt der tausend Kirchen», so wurde Rom in einem NZZ-Beitrag kürzlich betitelt, rund 80 Marienkirchen zählt, darunter mit Santa Maria Maggiore auch eine der vier Papstbasiliken. Jedes Jahr am 5. August («Festa della Madonna della Neve») findet hier eine besondere Zeremonie statt, die an das «Schneewunder» erinnert, das im 4. Jahrhundert zum Bau dieser prächtigen Basilika geführt haben soll: Vor den Augen der unzähligen Pilger fallen Tausende von weissen Blumenblättern von der Kassettendecke herab.

UNSER ANTIKES ERBE:  Paul Leisibach ist ehemaliger Kantilehrer für Latein und Deutsch. In seiner monatlichen Kolumne schreibt er über das antike Erbe unserer Kultur, gezeigt am Verlauf des Kalenderjahres.        




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