Theater Pfeffikon: «Es ist ja gar nichts passiert...»
Endlich, endlich alleine, freut sich die Ehefrau, und mit ihr die Nachbarin. Der Mann, ein langweiliger Couch-Potato, fährt für eine Woche weg. Die Dinge entwickeln sich angenehm, mit einem verlockenden Inserat. Doch dann wirds kompliziert... Die Theatergruppe Pfeffikon unterhielt ihr Publikum an vier Vorführungen süffig und gekonnt mit dem Stück «E Maa zom Miete».
Ein Wäsche bügelnder Gigolo, eine hübsche Tochter, ein verwirrter Pfarrer, zwei gelangweilte Frauen, ein alleine verreister Mann, Bademäntel, Gurkenmasken, ein Koffer mit Reizwäsche. Kommt das gut? Natürlich nicht. Die Frauen lassen sich vom Gigolo verwöhnen, der Pfarrer kommt zu Besuch und wird miteinbezogen, dummerweise kommt der Mann zu früh heim – und in seinem Koffer hats Reizwäsche. Verzwickte Sache. «Es ist ja gar nichts passiert!», beteuern die Frauen dem Pfarrer, der Mann seiner Ehefrau, die Ehefrau ihrem Mann und schliesslich der Gigolo der Tochter, «Es sieht ja nur so aus, als ob...»
Kurz: Die Theatergruppe Pfeffikon unter der Regie von Deanne Barmettler unterhielt ihr Publikum mit «E Maa zom Miete» vergnüglich. Viermal wurde das Stück vergangene Woche aufgeführt, die Vorstellungen erfreuten sich grossen Andrangs und besonders am Samstag war die Stimmung bestens in der vollbesetzten Mehrzweckhalle. Es gab unzählige Lacher, witzige Pointen und viel Szenenapplaus.
Bademäntel und ein flotter Vierer
Nun also, es war ja wirklich nicht ganz heilig, was da abging. Aber es war ja auch «gar nichts passiert» - und genau das spielten die Theaterleute auf der Bühne prächtig. Angefangen mit dem trägen Ehemann Bruno (Marco Sommerhalder) auf dem Sofa, gefolgt von seiner gelangweilten Ehefrau Ursula (Daniela Furrer), die – glücklich, dass der Mann eine Woche verreist - endlich mal so richtig auf den Putz hauen will und die Nachbarin Silvia (Désirée Carbonara) gleich mitzieht. Kaum ist der Mann aus dem Haus, bestellen sich die beiden einen Mann zum Mieten mit schönem Namen Angelo (Dominik Gruner), der putzt, bügelt und wenn gewünscht die Damen auch massiert. Doch bevor Angelo zum ersten Einsatz kommt, taucht unerwartet die hübsche Tochter Nicole (Sophia Schenker) auf und verkündet der Mutter, sie habe ein Date mit ihrem neuen Freund. Die beiden Frauen machen sich schön fesch, und als es wieder klingelt, empfangen sie den vermeintlichen Angelo freizügig – doch es ist nicht Angelo, sondern der Dorfpfarrer (Martin Stocker).
Den Ehemann immer noch fern in Kegel-Ferien wähnend, lassen sich die Frauen im Bademantel auf dem Sofa mit Duftwolken und Gurkenmasken von Angelo ausgiebig verwöhnen. Als der Pfarrer nochmals zum Rechten schauen will, wird er relativ unfreiwillig ebenfalls zur Massage auf dem Sofa genötigt und just in dem Moment, als sich die Sache wie ein flotter Vierer präsentiert, klingelt es – der Ehemann kommt heim.
Erklärungsnotstand und eine Ohrfeige
«Es ist nicht so wie es aussieht» und «es ist gar nichts passiert» beteuert man weiterhin allgemein, aber auch Bruno muss sich nun erklären, denn in seinem Koffer befindet sich Reizwäsche und unter der Tür steht auf einmal die junge kokette Regula (Salvia Dommen). Als ob das noch nicht genug wäre, kommt jetzt auch noch aus, dass dieser Angelo der neue Freund von Tochter Nicole ist und eigentlich Armin heisst – er wollte doch nur etwas Geld verdienen und sowieso, «es ist ja gar nichts passiert», sagt nun auch er. Nach einigen weiteren Überzeugungskünsten, einer deftigen Ohrfeige und mehreren Lachsalven aus dem Saal, kommt der Haussegen wieder ins Lot, und alle sind zufrieden.
45 Jahre Spielfreude und kein bisschen müde
Zufrieden war auch die Präsidentin der Theatergruppe, Daniela Dommen. Ihre Rolle bekam sie dieses Jahr für einmal vor dem Vorhang statt dahinter – sprich, sie machte die Ansagen und Dankesworte an das Publikum, ohne selber im Theater mitzuspielen. «Seit 45 Jahren besteht der Verein und er hat an Lust und Spielfreude nichts eingebüsst», sagte sie, «am liebsten machen wir gleich nochmals 45 Jahre!» Dieser Ambition dürfte nichts im Wege stehen, erfreut sich die Theatergruppe doch immer wieder neuer und junger Mitglieder. Die 21-jährige Sophia Schenker stand erst zum zweiten Mal auf der Theaterbühne Pfeffikon und spielte ihre Rolle der Tochter Nicole sehr souverän, locker und charmant. «Die Ohrfeige hat nicht immer geklappt, aber zum Glück heute schon. Es war eben keine Theaterohrfeige, es war eine Richtige!», sagte sie strahlend im Anschluss an die Aufführung. Viele Mitglieder bleiben dem Verein jahrzehntelang treu. Sage und schreibe vierzig Jahre spielt Daniela Furrer schon beim Theater Pfeffikon mit. Auch Johnny Schuler (Maske) gehört mit ebenfalls vierzig Betriebsjahren bereits schon fast zum Inventar.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli
Ausdrucksstarke Mimik, attraktives Bühnenbild, witzige Szenen: Weitere Impressionen von der Bühne der Theatergruppe Pfeffikon:
Bilder: Ursula Koch-Egli