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Sprachliche Integration im Michelsamt: Über die Sprache zur gesellschaftlichen Integration 

Kurz nach dem Kriegsausbruch reagierten die Salesianer Patres im Don Bosco auf den Hilferuf der Luzerner Dienststelle für Asyl- und Flüchtlingswesen und öffneten ihr Gästehaus. Spontan boten sie 20 ukrainischen Frauen und Kindern ein Zuhause an. Das Don Bosco ist ein geeigneter Ort für Frauen mit Kindern. 

André Zihlmann bringt seine ganze Erfahrung und viel Herzblut in die Deutschkurse ein. 


Es kamen alle Altersklassen: Kinder, Jugendliche, Mütter und Seniorinnen. Die Herausforderung war gross. Die Kernaufgabe der Patres ist bekannterweise nicht die Betreuung von Flüchtlingen. Trotzdem – man stellte sich mit vielen Freiwilligen den Herausforderungen.

Und wie präsentiert sich die Situation im Don Bosco heute, zwei Jahre nach Kriegsausbruch? Pater Josef Knupp erwähnt, dass im gesamten 40 Ukrainerinnen ein vorübergehendes Daheim im Don Bosco fanden. Heute leben 19 Personen hier. Einige Frauen haben mit ihren Kindern in der Zwischenzeit eine Wohnung gefunden und gehen einer geregelten Arbeit nach. Andere sind in die Ukraine zurückgekehrt. «Während der vergangenen zwei Jahre erlebten wir bei uns viele Einzelschicksale, traurige und aufmunternde. Eine Frau ist, als Beispiel, in ihre alte Heimat Charkiw zurückgekehrt. Genau zu der Zeit, als die Stadt wieder bombardiert und unsicher wurde. Sie flüchtete ein zweites Mal und kam nach drei Monaten wieder hierher zurück mit ihrem Kind.»

Ukrainerinnen aus allen Michelsämter Gemeinden besuchen hier inzwischen den freiwilligen Sprachunterricht wöchentlich zweimal am Abend. «Da die Teilnehmerinnen am Tag in Sursee arbeiten, sind sie abends müde. Das erfordert ihrerseits oft grosse Überwindung, am Feierabend noch den Sprachkurs zu besuchen. Doch alle sind topmotiviert unsere Sprache zu lernen.»

Dankbarkeit ist die Sprache des Herzens. Und diese Dankbarkeit motiviert alle Beteiligten immer wieder aufs Neue, weiterzuarbeiten und vor allem zu hoffen, dass alles nur vorübergehend ist.


In eine völlig fremde Sprache einzutauchen ist gerade am Anfang sehr anspruchsvoll – für die Lehrer und die Schüler.


Gemeinsam die Schulbank drücken im Gästehaus Don Bosco – Ein Erlebnisbericht

Den Salesianern im Don Bosco war bald nach der Ankunft der ersten Ukrainerinnen klar: Es muss die deutsche Sprache unterrichtet werden. Wenn die Ukrainerinnen schon hier leben (müssen), dann sollen sie auch die Möglichkeit haben, schnell Deutsch zu lernen. Die Sprache ist wichtig für die Alltagsverständigung im Gästehaus Don Bosco. Mit Unterstützung von vier pensionierten Lehrern konnten die organisatorischen Herausforderungen angepackt werden. Die Gruppen von Lernenden mussten nach Leistungsfähigkeit und Vorkenntnissen ideal zusammengesetzt werden. Hier unterschieden sich denn auch die Lernenden erheblich. Auf der einen Seite brauchte es Alphabetisierungsklassen, auf der anderen Seite Klassen, welche die Frauen schnell auf den Arbeitsmarkt vorbereiteten.

Stolz auf sprachliche Erfolge

Offensichtlich gross war das Interesse der ukrainischen Flüchtlinge am Deutschunterricht. Schon bald waren die Kursteilnehmerinnen fähig, ihre ersten Kenntnisse anzuwenden. Sie grüssten auf Deutsch und sagten, wie es ihnen in der Schweiz geht. Vom ersten Tag an sagten sie: «Ich bin …», «ich heisse …», «ich komme aus …». Wöchentlich wurden die lokalen Nachrichten im Anzeiger Michelsamt gelesen. So konnten die Flüchtlinge am gesellschaftlichen Leben im Michelsamt teilnehmen. In unserer Lokalzeitung erhielten die Flüchtlinge wichtige Informationen über die Gemeinde, zum Beispiel Adressen von Ärzten, Apotheken, Ansprechpartnern bei Notfällen oder Tipps für Einkaufsmöglichkeiten. Die kulturellen Nachrichten und die Vereinsanzeigen erfreuten sich grosser Beliebtheit. Lokale Feste und Anlässe wurden besucht. Vieles war für sie neu, zum Beispiel der Auffahrtsumritt, die Fasnacht, die Märkte. Am Katharinenmarkt führten die Frauen einen Stand mit ukrainischen Spezialitäten. Der Erfolg war beeindruckend und noch grösser war die Freude bei den Frauen!

Grammatik pauken! Fehlanzeige!

Die Geflüchteten brauchten einfache sprachliche Tipps, die ihnen halfen, sich im Leben in der neuen Heimat zurechtzufinden. In kleinen Gruppen wurden Alltagssituationen geübt. Die Teilnehmer:innen motivierten sich gegenseitig. Ein Vorteil war auch, dass einige Ukrainerinnen Englisch sprachen. Dies erleichterte die Unterrichts-Kommunikation.

Dank des Sprachunterrichts entstanden neue Freundschafen. Viktoria Byndyu und Nadija Kalaschnik beschrieben das Verhältnis im Deutschkurs mit folgenden Worten: «Wir sind hier eine Familie.» 


André Zihlmann beim leidenschaftlichen Deutschunterricht, der sichtlich beidseitig Freude macht.


André Zihlmanns Tipps für eine erfolgreiche Integration: So geht Integration viel leichter...

«Zentral ist in erster Linie das Erlernen der deutschen Sprache mit anschliessender Eingliederung in den Arbeitsmarkt. So sind die ersten Hürden bereits genommen, und die Flüchtlinge können sich mit den Einheimischen austauschen. Die Arbeit beschäftigt sie tagsüber, kann sie ablenken und eine gewisse Routine einkehren lassen. Darüber hinaus ist es gut, dass sich Migranten auch gesellschaftlich engagieren und sich so Stück für Stück vernetzen, damit sie sich hier irgendwann richtig zuhause fühlen können. Auf der anderen Seite soll die Gemeinde eine gute Integration zustande bringen, damit das Zusammenleben gut funktioniert. Die Integration muss menschlich gestaltet werden und die Menschen müssen das Leben und die Regeln hier akzeptieren.»


Text: André Zihlmann, Bilder: Katharina Kocherhans





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