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Spanien, das Land der Fiestas! 

Raus aus dem Alltag, rein ins Abenteuer: Eine Auszeit nehmen und für fünf Monate weg, das hat sich Karin Limacher aus Rickenbach Ende Februar vorgenommen. Hier ihr zweiter Monatsbericht.

Vornehm unterwegs per Kutsche zur Fiesta.

«Seit mehr als acht Wochen bin ich nun mit meinem Velo unterwegs in Spanien. Ich bin bereits rund 1300 Kilometer geradelt, mein Weg ging von Barcelona nach Valencia, von dort auf einen Abstecher zur Insel Mallorca und danach nach Granada, Gibraltar und Cádiz. Nun befinde ich mich im tiefen Süden Spaniens, in Andalusiens berühmter Stadt Sevilla.

Karin hat das Etappenziel Gibraltar erreicht.


Himmel und Hölle

Obwohl ich Bergstrecken meide, ist die Fahrt der Küste entlang eben auch nicht immer eben. Auf einer Tagesstrecke ergeben sich so manche Höhenmeter, die zu erklimmen mit dem Gewicht des Gepäcks natürlich noch strenger werden. Im Gegensatz zur gängigen Denkart gehts beim Velofahren genau andersrum; in der Hölle ist man, wenns «gruchsend» nach oben geht und himmelhoch jauchzend folgt danach die Fahrt bergab. Dieses Glück ist jedoch jeweils allzu schnell vorbei und die nächste Steigung folgt schon bald. Unbezahlbar das Gefühl dann am Abend, wenn «nach geschafftem Tagwerk» das Bier dann vor einem steht. Zusammen mit einem sauberen Zimmer und einer Dusche sind das die kleinen Hochs, die man schätzen lernt.

Scherben bringen Glück gilt für mich und mein Bike derzeit auch ganz und gar nicht! Ich muss beim Pedalen stets den Blick auch auf dem Boden haben, um unvorhergesehene Scherben zu vermeiden. Zum Glück bin ich bis jetzt von Pleiten, Pech und Platten verschont geblieben. Hoffentlich bleibt dies auch weiterhin der Fall …

App als Wegweiser

Schön, dass es die kleinen handlichen Natels gibt. Ohne die App, welche mir den Weg zeigt, würde ich den Weg kaum finden, es ist so schon vielfach eine echte Herausforderung. Tatsächlich musste ich mein Velo samt Gepäck schon an Stränden entlangstossen, durch schlammige Bachbette waten, unter niedrigen Eisenbahnbrücken durch und rutschige Hänge hinauf. Ah ja, und auf der Autobahn war ich auch schon … Da lob ich mir die wohlorganisierte Schweiz mit den sympathischen roten Velowegweisern, wo man weiss, wohin es geht und wie weit es noch ist.

Fiesta de las Fallas in Valencia

Die Fiestas in Spanien sind ja allgemein bekannt. Doch niemals hätte ich gedacht, wie eindrücklich diese in Wirklichkeit sind. Geradezu umwerfend grossartig! Und dass ich jeweils zufällig und völlig ungewollt mitten hineingerate, hätte ich mir auch nie träumen lassen. Die Fiestas de las Fallas in Valencia und Umgebung dauern rund drei Wochen ab Anfang März und gipfeln jeweils am Josephstag, 19. März, in der Verbrennung aufwendig erstellter, riesiger Figuren aus Pappmaché. Jede Skulptur hat ihre eigene «Bastelgruppe», manchmal bis zu 300 Personen, stammend aus den verschiedenen Quartieren und Orten in und um Valencia, welche die kunstvollen Fallas planen und bauen. Und natürlich hat jede Gruppe auch eine eigene Band, die an den Umzügen für fröhliches, musikalisches Ambiente sorgt. Für mich als begeisterte Fasnächtlerin ein besonderes Highlight!

La Semana Santa in Granada

Die Tage vor Ostern verbrachte ich in Granada und geriet erneut mitten in geradezu gewaltige Festlichkeiten. In Andalusien wird die Semana Santa mehr gefeiert als Weihnachten, sie dauert von Palmsonntag und endet am Ostersonntag. Jede Kirche, Kathedrale oder Basilika hat ihre eigene Bruderschaft, welche ihre Heiligenfigur – die heilige Maria oder Jesus am Kreuz – als reich verzierter «Paso» in einer Prozession täglich durch die Strassen trägt. In Granada gibt es über 30 dieser überdimensionierten Throne. So ein Paso kann bis zu zwei Tonnen wiegen und wird von starken Männern – manchmal auch Frauen – geschultert und durch die Strassen getragen, dies während Stunden. Zur Prozession gehören viele weitere Personengruppen; die «Nazarenos» – an Ku-Klux-Klan erinnernde Kapuzendiener – schmucke Ministrantenkinder, ernst blickende sogenannte Witwen mit ihren schwarzen hochgesteckten Schleiern und Bands mit oft über hundert Musikanten, habs selber gezählt! Im Gegensatz zu den ausgelassenen, etwas chaotischen Fallas-Klängen in Valencia war diese Musik düster; die Pauken schlugen bedrohlich, die Trommeln mahnten ans Schafott und die überhohen, schrillen Trompeten erinnerten an Schreie von Gequälten. Es herrschte eine beklemmend-berührende Stimmung und verursachte Hühnerhaut.

Frühlingsfest in Sevilla

Und dann Sevilla mit seiner «Feria de Abril». Zufall oder Schicksal? Ich kam ein weiteres Mal genau zur richtigen Zeit. 14 Tage nach Ostern wird die Stadt im Herzen Andalusiens während einer Woche zur Flamenco-Festhütte. 1847 als Viehmarkt ins Leben gerufen, gewann der Volksfestcharakter immer mehr an Gewicht und verdrängte schliesslich den Handelsteil. Eine Woche lang werden die über Tausend Flamenco-Buden des Festgeländes zum zweiten Zuhause der Bewohner Sevillas. Dort treffen sie sich zum Singen, Tanzen und Feiern bis in die Morgenstunden. Gerne zeigen sie sich auf Pferdekutschen oder durch die Strassen flanierend, die hübsch zurechtgemachten Frauen und Mädchen in traditionell bunten Rüschenkleidern sowie Männer in Sonntagsanzügen oder traditionellen Bauerntrachten.

Nach ein paar Tagen in Sevilla gehts dann weiter Richtung Norden. Mal sehen, wohin der Weg mich führt. In einem Monat werden Sie es lesen können …»

Karin Limacher




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