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Singen macht Freude – zuhören auch

Am letzten Wochenende bot der mit Kindern und Erwachsenen erweiterte Kirchenchor Hildisrieden ein Konzert der besonderen Art in der vollen, stimmungsvollen Kirche. Es war als Liederpuzzle ausgeschrieben. «Zäme es Zämesetzi zämesetze», war nach den Worten der Präsidentin Manuela Elmiger die Idee.

Gesamtchor in froher Konzertschluss-Stimmung.

«Wenn Sie da um mich herumschauen, sehen Sie ein riesiges, 80-teiliges Puzzle, eine Augenweide aus Bambini-, Kinder- und Jugendchor, aus Frauen und Männern des Kirchenchors, unterstützt von kleinen und grossen Gastsängerinnen und Gastsängern. Alle Mitsingenden sind ganz unterschiedlich und einzigartig.» Die Jüngsten waren fünfjährig, der Älteste zählt nächstens 84 Lenze und hat schon bald ein halbes Jahrhundert im Sängerrucksack. «Sie alle sind durch die spürbare Freude am Singen miteinander verbunden», erwähnte die Präsidentin in ihrer sympathischen Begrüssung. Die sehr kompetente Gesamtleitung lag in den dirigierenden Händen von Luzia Vogelsang, die auch mehrere Songs selber entweder komponiert oder arrangiert hat. Ursula Sulzer arbeitete an den effizienten Proben aktiv mit und leistete den anspruchsvollen Klavierpart. Beide haben aus dem «farbigen Haufen» einen klangvollen Chor gebildet. Claudine Estermanns aufwendiges, wirkungsvolles Powerpoint-Konzept führte visuell durchs Konzert und unterstützte die Wirkung der Songs.

Ein farbiger Haufen!


Akustisches, 14-teiliges «Zämesetzi»

Das Konzert eröffneten nach ostinativen Handtrommelschlägen die Bambinis und Kinder mit dem von Luzia Vogelsang komponierten Puzzle-Lied. Mit den selbst gestalteten Zämesetzi-Teilen bewegten sie sich singend über die Bühne: «...D`Teili sind halt mängisch chlii, trotzdem sind si mega wichtig, jedes brucht`s ganz fescht debi.»

Sieben vierstimmige Lieder verschiedenen Stils des erweiterten Kirchenchors bildeten die stützenden Elemente des akustischen Puzzles. Den Anfang bildete das stimmungsvolle österreichische Liebeslied «Übern See» von Lorenz Maierhofer, gefolgt von «Sing A Mighty Song». Dieser für den amerikanischen Mittelschulchorpreis 2011 in Auftrag gegebene überschwängliche Festival-Eröffnungssatz beginnt mit «Allelujas» und baut dann eine aufregende Klavierbegleitung auf den Text «Sing a mächtiges Lied, erwache, erhebe deine Stimme!» auf.

«Hail Holy Queen, Gegrüsst seiest du, geheiligte Königin», ein Lob an die Mutter Maria, ist bekannt aus dem Film «Sister Act» mit Whoopy Goldberg und den singenden und tanzenden Nonnen. Diese Geschichte erlebt momentan ein Revival in Schweizer Mundart (Sister Äkt – ein himmlisches Musikäl) und wird gerade in Zürich gespielt mit namhaften Schauspieler:innen und Sänger:innen wie Fabienne Louves und W.A. Müller.

Die Bambinis und der Kinderchor mit den Puzzleteilen.


Spanien, Südafrika und Schweden

Der «Boleras Sevillanas», ein andalusischer Volkstanz, wurde in kontrolliertem Tempo rhythmisch sauber dargeboten. Auf dem vom Chor musizierten Grundteppich nur mit Silben (Damdaradam) erzählten die Vorsängerinnen eine Geschichte in spanischer Sprache. «Weit, weit weg von mir», diese berührende Ballade von Hubert von Goisern, sprach von Liebe und Sehnsucht. Die südafrikanische Befreiungshymne «N`kosi sikeleli Afrika» stärkte Hoffnung in den Herzen, auch für unsere unruhige Welt. Der ruhige Zauber des Mysteriums Nacht kam in Jean Philippe Rameaus Lied «La Nuit» sehr schön zur Geltung.

Im Rahmen dieser Sätze für gemischten Chor ordneten sich von kleineren Gruppen gesungene Puzzleteile ein und liessen das Schlussbild entstehen: Das ABBA-Stück «Mamma mia», «Ein ehrenwertes Haus» von Udo Jürgens, das von der Problematik des Zusammenlebens erzählt, und im bekannten schwedischen Kinofilm «Wie im Himmel» geht es um das Leben des international erfolgreichen Dirigenten Daniel Daréus. Er kehrt nach einem Herzinfarkt in sein schwedisches Heimatdorf zurück und übernimmt dort die Leitung des Kirchenchors. Eine der Chorsängerinnen ist Gabriella, die immer wieder von ihrem gewalttätigen Mann geschlagen wird. Mit ihrem Lied «Gabriellas Song» gelingt ihr aber der Befreiungsschlag.

Präsidentin Manuela Elmiger begrüsst das sehr zahlreiche Publikum.


Bambini-, Kinder- und Jugendchor 

Die Einladung «Chumm eifach mit is Liederland» richteten die Jüngsten zusammen mit allen grösseren Sängerinnen und Sängern an die Anwesenden: «Auch wenn es einmal kratzt im Hals oder ein falscher Ton kommt: Das macht doch nüt, das isch egal, `s goht jo allne glich», war die Botschaft. Die Komposition von Guido Simmen wurde von Luzia Vogelsang auf Hildisrieder Verhältnisse angepasst und arrangiert. Auch «Alle Kinder haben Träume» von Florian Bauer wurde von der Chorleiterin zurecht- gestutzt und von den vereinigten, im Raum verteilten Chören wirkungsvoll dargeboten.

«Uf und dervo» von Göla lud die Zuhörenden ein, sich mal aus dem Alltagstrott zu verabschieden und sich etwas zu gönnen. Die wehenden, farbigen Tücher der Sänger:innen gaben allen Freude mit auf den Weg. Den riesigen Applaus und die stehenden Ovationen nahmen die Mitwirkenden als Dank mit Freude entgegen. 

Gemeinsames, berührendes Konzerterlebnis.

Text: Emil Barmet, Bilder: Ernst Hurschler




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