Sehnsucht nach Frieden
Der Weltgebetstag (WGT) in der Schweiz ist Teil einer weltweiten Bewegung von Frauen aus verschiedenen christlichen Traditionen. Jedes Jahr am ersten Freitag im März laden Frauen zum Feiern eines gemeinsamen Gebetstages ein. Über 170 Länder und Regionen feiern diesen Tag und beten um Frieden und Gleichberechtigung.
Susanne Messerli, pfarreiliche Beauftragte des Frauenbundes, legt die Kerzchen für die Anwesenden in den Kirchenbänken auf das Band.
Christliche Palästinenserinnen haben die Weltgebetstagsliturgie verfasst. Die Liturgie wird jedes Jahr von einem Frauenkomitee immer wieder aus einem anderen Land gestaltet. In diesem Jahr stammt das Liturgiekonzept aus Palästina. Die Wahl stand schon vor dem Krieg zwischen der Hamas und Israel. Das Land hat eine leidvolle Geschichte. Die aktuelle Situation ist eine Folge der politischen Lage im Nahen Osten nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung des Staates Israel 1948. Was von in Europa verfolgten Juden und Jüdinnen als Tag des Jubels gefeiert wurde, bedeutet für Palästinenser und Palästinenserinnen, die damals ihre Heimat verloren, eine Katastrophe.
Aktiv für Versöhnung
Bis heute ist die Wahrnehmung von Palästina geprägt durch Nachrichten von gewaltsamen Konflikten, Terroranschlägen und Krieg. Weniger Aufmerksamkeit erhalten dabei Berichte über verschiedene Organisationen und Projekte, die sich aktiv für Versöhnung und Frieden einsetzen. Leider werden diese Initiativen durch die Politik der Machthabenden beider Seiten nicht gefördert, sondern im Gegenteil unterdrückt.
In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Palästinenserinnen, die für die WGT-Feier nach dem Text aus dem Paulusbrief an die Gemeinde in Ephesus (Kapitel 4, Verse 1–7) vorbereiteten. In ihrer Situation erweist sich die Ermahnung «Ich bitte euch, ertragt einander, verbunden in Liebe» als grosse Herausforderung. Wie sie damit umgehen, illustrieren die Geschichten und Lebensziele der Frauen aus verschiedenen Generationen in Palästina.
«Durch das Band des Friedens» vereint
In Hildisrieden hielten sich die im Kreis sitzenden Gottesdienstteilnehmer:innen an einem Band fest und knüpften ein persönliches Stoffbändeli daran. Die Mitarbeiterinnen des Frauenbundes, Susanne Messerli und Hanny Duss, nannten dieses Symbol das Band des Friedens, das die Anwesenden in der Vorstellung mit den Palästinenserinnen in Verbindung brachte: «Der Frieden ist das Band, das euch alle zusammenhält.» Die Sakristanin, Elisabeth Imfeld, trug verschiedene, sehr passende Texte vor. Am Schluss wurde das Band innerhalb des Kreises auf den Boden gelegt. Jeder und jede Anwesende notierte auf einem Olivenblatt einen Gedanken oder eine Bitte, legte es neben ein Kerzlein auf das Band. «Friede wünsch ich dir und Friede wünsch ich mir, Friede mit eus allne und mit der ganze Wält», in diesem Lied unterstützte Andreas Wüest mit dem E-Piano den Gesang der Anwesenden. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde in einer Kaffeerunde im Pfarreizentrum noch mehr gestärkt.
Emil Barmet