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Schonzeit im Wald !?

Ab dem April bis zum 31.Juli gilt im Wald Leinenpflicht. Es ist Schonzeit, die sogenannte Brut- und Setzzeit. Diese dient zum Schutz der Wildtiere und ihrer Jungen. Wer sich nicht daran hält, kann gebüsst werden. Was aber, wenn im Wald während dieser sensiblen Zeit Holz geschlagen wird? Ich meine damit nicht einzelne Tannen, die aus Sicherheitsgründen geschlagen werden, sondern grosse Forstmaschinen, die ganze Teile des Waldes durchforsten. Es werden Tannen geschlagen, die schon lange vorher gekennzeichnet wurden. Es ist richtig, dass dieses Jahr der Winter mit Kälte und gefrorenen Böden bei uns nicht sehr lange dauerte, was die ideale Zeit zum Holzen wäre. Aber ist es wirklich nötig, in der Schonzeit die Tiere zu stören, oder lockt einfach der im Moment höhere Holzpreis?

Ab März brüten bereits die ersten Vögel im Wald, ab April beginnt die Haupt-Brutsaison, die mit den letzten verschiedenen Greifvögeln im August endet. Gemäss dem Gesetz über Jagd und Vogelschutz ist die widerrechtliche und vorsätzliche Zerstörung von Vogelnestern während der Brutzeit strafbar. Planbare Holzschläge sollen deshalb nicht während der Haupt-Brut- und Setzzeit, zwischen April und Juli, vorgenommen werden. Die Frage stellt sich hier: Ist es Unwissenheit oder Vorsatz?

Über das Benutzen des Waldes wurde schon viel geredet. Viele Jäger und Förster ärgern sich über Biker und Reiter. Ja, bei nasser Witterung gibt es auf dem Weg Spuren davon. Aber niemand beschwert sich über die Spuren der Holzprozessoren, die oft mit einer Breite von drei Metern den Waldboden verdichten und ein wahres Schlachtfeld hinterlassen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen können sich Bodenverdichtungen über mehrere Jahrzehnte auf das Baumwachstum auswirken. Weniger, sprich kleinere Maschinen, wären mehr. Dieser Punkt hebt die Abteilung Waldbenutzung des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement des Kantons Luzern im kantonalen Waldentwicklungsplan (WEP) vom Oktober 2022 explizit hervor: «Nutzungen sind boden- und bestandesschonend durchzuführen. Der Waldboden darf nur auf Rückegassen befahren werden.»

Da frage ich mich: Sind die Menschen, die Ruhe, frische Luft und Erholung im Wald suchen nicht dieselben, die im Wald tätig sind? Der Wald sollte von allen genutzt und genossen werden können. Mit diesem Leserbrief appelliere ich auf mehr Achtsamkeit und Respekt der Tier- und Pflanzenwelt gegenüber, die ihre Stimme nicht selbst erheben kann.

Allen wünsche ich weiterhin viel Freude im Wald.

Priska Kottmann, Fachfrau für Rituale, Gunzwil




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