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Schandflecken


Vor rund zwei Jahren habe ich in meinem Leserbrief über den Verfall der Häuser am Ryn geschrieben und mich gefragt, wann diese Kulturdenkmäler endlich denkmalgerecht umgebaut werden. Sie wurden von Investoren (Romano Immobilien AG: Markus Romano und Joel Romano) gekauft, die mit ihren Plakaten «kraftvolle Räume» in Neubauten anpreisen, aber bald selber lieber in repräsentativen Büroräumlichkeiten einer historischen Villa in Luzern residieren.

Warum geschieht in Beromünster nichts? Auf ihrer Webseite wird kein Wort über ihre historischen Häuser verloren – aber sich mit den Neubauten vor dem intakten Ortsbild von Beromünster mit dem Stiftsbezirk zu brüsten, das tun sie! Warum haben die Investoren das Estermannhaus an der Rückseite zerstört? (Ryn 25, im Volksmund auch «Ramonas Schmudelhüttli» genannt). Gab es nicht einen Baustopp und eine Strafanzeige?

Als Architektin, der der Erhalt von historischen Gebäuden wichtig ist, ist mir der Umgang der Eigentümer mit diesen Häusern sehr suspekt. Die Restaurierung von historischen Gebäuden ist selten eine Renditesache. Gestaltungspläne sind aber ein Mittel, um die Rettung solcher Häuser querzufinanzieren. Im Gebiet der Hinder Müli konnten im Gegenzug dafür überdurchschnittlich grosse Bauten mit vielen Wohnungen zu stolzen Preisen gebaut werden. Dafür war es eine Auflage des Gestaltungsplanes, die alte Mühle zu restaurieren. Doch warum geschieht dies nicht? Ist es nicht Pflicht und Ehrensache der Investoren, die überfälligen Auflagen zum Wohl unserer Gemeinde zu erfüllen? Zumal auf ihrer Webseite steht: «Romano & Christen versteht das Bauen als kulturgesellschaftlichen Prozess und verbindet wo immer möglich individuelle Bedürfnisse mit gesellschaftlicher Verantwortung.» Sollten Worten nicht auch Taten folgen? Was für Ausreden und Schuldzuweisungen bekommen wir zu hören?

Für mich und viele andere ist die Sache klar: Die Investoren tanzen uns seit Jahren auf der Nase herum! Meine Familie, Freunde, Bekannte und das Stift pflegen und finanzieren den Unterhalt ihrer historischen Liegenschaften in Beromünster liebevoll und aufwendig. Die Investoren reissen ihre historischen Bauten ab (die alte Scheune), zerstören sie (Estermann) und lassen sie bis jetzt verfallen (Hintere Mühle). Sie filmen und fotografieren dafür unsere gepflegten Gebäude und missbrauchen diese als «Kulisse», um ihre Neubauten zu vermarkten.

Ich würde mich freuen, wenn viele an der Einweihung mit dabei sind, sich über den neuen Platz freuen und dabei nicht wegschauen, was mit diesen historischen Häusern geschieht.

Vielleicht fällt dann auch anderen auf, dass der Platz erst fertig ist, wenn endlich die platzbildenden Häuser denkmalgerecht saniert sind. Von der Gemeinde erwarte ich, dass sie diesen Anlass auch nutzt, um uns Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Stand zu diesen beiden Häusern zu informieren. Die Allgemeinheit hat mit ihren Steuern die Neugestaltung des Platzes finanziert und so ihren Beitrag ans Ortsbild geleistet. Jetzt liegt es an der Romano Immobilien AG, ihre Schuld zu begleichen.

Ein stolzer Marktflecken und ein schweizweit einzigartiges architektonisches Juwel sind wir. Solch‘ Schandflecken beschämen und entwürdigen unser Möischter!


Annabarbara Suter




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