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Saitenwind in der Reihe «Hildisrieder Konzerte»

Am 15. August  fand wiederum ein Abend der Reihe «Hildisrieder Konzerte» in der Pfarrkirche statt. Der Lokalmatador Mattia Klaus gestaltete mit Trompeten und Flügelhorn, zusammen mit der Harfenistin Franziska Brunner Meier, in der stimmungsvoll illuminierten Kirche Hildisrieden einen wunderbaren Abend.

Franziska Brunner Meier und Mattia Klaus ziehen mit «SaitenWind» die zahlreiche Zuhörerschaft in Bann.

Franziska Brunner Meier, die sehr begabte und bekannte Harfenistin und Harfenlehrerin, wohnhaft in der Seetalgemeinde Aesch, spielt Harfe in verschiedenen Formationen oder auch solo und bei verschiedenartigen Anlässen.

Mattia Klaus, das junge Talent aus Hildisrieden, ist seit 2014 Mitglied der Nachwuchsformation BML Talents. An verschiedenen Wettbewerben, kantonal und national, hat er bereits brilliert. Seit 2019 studiert Mattia an der Hochschule Luzern Trompete und Musik allgemein. Im Jahr 2021 übernahm er die Leitung der Jugendmusik Oberkirch-Nottwil. Er unterrichtet Cornett und Trompete an der Musikschule Hitzkirch und ist Mitglied der Musikgesellschaft Hildisrieden.

Keine Meteorologische Ansage

Franziska Brunners Harfe ist mit 47 Saiten (nicht Seiten) bespannt. Der zweite Wortteil des Titels «Wind» hat nichts mit dem Wetter zu tun, sondern bedeutet schlicht und einfach Luft, die der Bläser durch die vibrierenden Lippen in ein Musikinstrument bläst.

Trompete und Harfe, wie passt das zusammen?

Diese Frage stellten sich die Künstlerin und der Künstler. Und sie wollten es wissen.

Man lauschte und staunte: Es passt! Das bestätigten auch die vielen Konzertbesucherinnen und -besucher.

Südamerikanisch tönten die Klänge der nachgebauten Wander- und Minnesängerharfe wie aus dem Nichts heraus. Eine Trompete in der Sakristei antwortete dem Ruf. Miteinander kamen Franziska Brunner aus dem Kirchenraum und Mattia Klaus in den Chor der Kirche zusammen, erzählten sie die Geschichte vom Mädchen mit den flachsfarbenen Haaren von Claude Debussy.

Spielerisch leicht und spassig spielte die Harfenistin mit fast fliegenden Fingern und eleganter Handführung das Solostück «Scherzetto» von Jacques Ibert.

Astor Piazzollas Lebenswerk war es, den Tango aus den Bordellen und Tanzlokalen Argentiniens in die Konzertsäle Europas und Amerikas zu bringen. Dazu beschrieb er in seiner Komposition «Histoire du Tango» das Stück «Café 1930», indem er betrachtend verträumt den geruhsamen Betrieb in einem Kaffeehaus wiedergibt.

Nach der Morgenstimmung in «Au Matin» von Marcel Tournier für Harfe solo folgte Oskar Böhme`s «Soirée de St.-Petersburg», eine grosse, schöne Melodie aus dem Venedig des Ostens. Die harmonische Stimmung führte durch den Abend in die Stille der Nacht. Das einzige für Harfe und Trompete Stück dieses Abends, komponiert von Wolf Kerschek, war «La Luna sobra la Llanura» (der Mond über der Ebene). Mit dem Einsatz von verschiedenen Dämpfern liess Mattia den Mond immer wieder in einem neuen Licht erscheinen. Das Wechseln der Dämpfer während des Spiels war für den Bläser eine grosse Herausforderung, die aber die Ruhe des Stücks überhaupt nicht störte. Mattia meisterte dies bravourös. Die Komposition war ein Bild, in dem man Finessen hörte wie z. B. das Flimmern der Luft in der Abendwärme.

Sehr schön war die Zwiesprache zwischen den beiden Instrumenten in Giovanni B. Pergolesis «Nina». Den Abschluss des Konzertes bildete der aktuellen Weltlage entsprechend das Stück «Fragile» des 1951 geborenen Engländers Sting. In der gesungenen Version heisst es u. a.:

«Wenn Fleisch und Stahl eins werden, fliesst Blut.

Es trocknet im Abendrot, und der Regen des folgenden Tages spült die Flecken fort.

Aber etwas wird für immer auf unserer Seele zurückbleiben».

Eindrücklich war die Sprache des Flügelhorns und der Harfe.

Nach der stehenden Ovation schenkten die Künstlerin und der Künstler dem sehr aufmerksamen Publikum als Zugabe das Klezmerstück «Mirjambrunnen», das sie selber auf ihre Instrumente zugeschnitten hatten und nahmen so Bezug auf die heutige Feier des Matroziniums der Pfarrei Hildisrieden, Marias Aufnahme in den Himmel.

Einmal mehr gingen die vielen Konzertbesucher:innen reich beschenkt nach Hause.

Text und Bild: Emil Barmet




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