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Ruedi und Hans Müller vom Hof Buholz: Mähdreschen ist ihre grosse Leidenschaft

Bereits seit 1964 schlägt das Herz von Ruedi Müller mit Jahrgang 1943 fürs Mähdreschen, und auch sein vier Jahre jüngerer Bruder Hans ist mit grosser Leidenschaft dabei. Der Anzeiger Michelsamt war vor Ort und konnte sich vom Herzblut einer ganzen Familie fürs Dreschen überzeugen.


V.l.: Hans und Ruedi Müller vor dem «New Holland TX65», der seit 1996 im Einsatz ist. 


Es waren strenge und lange Tage in den letzten Wochen, doch es ist die Lieblingsjahreszeit von Ruedi (81) und Hans Müller (77), wie beide unisono mit strahlendem Gesicht sagen. Und der Einsatz geht noch weiter. Wegen der Niederschläge des Wochenendes geht es erst am Montagnachmittag wieder auf die Felder. «Ja, es sind strenge Tage, doch ich mache es gerne, solange es geht, zusammen mit meinem Bruder Hans. Und wir sind dankbar, dass die Jungen, Marco und Matthias, auch mit so viel Leidenschaft dabei sind», sagt Ruedi Müller. «Ja, sie machen das ganze Organisatorische und managen den ganzen Betrieb umsichtig», ergänzt Hans Müller. «Service mit Herz» steht auf seinem T-Shirt und ist der Slogan ihres Betriebs, und das strahlen sie auch aus. «Bei der Blätzbegehung sehen wir, ob es trocken genug ist. Es darf maximal noch 14,5 Prozent Feuchtigkeit haben, sonst muss das Getreide nachträglich getrocknet werden, was zusätzliche Kosten bedeutet. Die meisten Kipper fahren von hier in die Neumühle Willimann Rickenbach, Kottmann Winon-Mühle, Landi Rickenbach und Sursee.»

Wie lange dauert die Ernte, und welche Getreidesorten kommen nacheinander? Dazu fachkundig und lebenserfahren Ruedi Müller: «Je nach Wetter von Anfang Juli bis Mitte August. Zuerst kommt die Gerste, die wird bald wieder angesät. Dann Weizen, Korn, Raps, Hafer und Ackerbohne. Zudem Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen. Im Herbst kommt dann der Mais, im Oktober/November noch der Körnermais.»

Unternehmerisches Risiko des Bauern

Wie war die Saison dieses Jahr wettertechnisch im langjährigen Vergleich? Sohn Marco Müller sagt beim Znüni: «Aufgrund des nassen Wetters im Frühling hatten wir dieses Jahr bisher schlechte Erträge. Der Raps hatte Schneedruck, und der Brotweizen konnte nur zu 60 Prozent als Brotweizen abgeliefert werden, der Rest wurde zu Futterweizen deklassiert oder musste sogar entsorgt werden, bezüglich Pilzbefall. So arg war es noch selten in einem Jahr. Wir sind einzig gegen Hagel versichert, alles Übrige ist unternehmerisches Risiko des Bauern. Immerhin ist das Wetter nun zum Ernten relativ gut, und die Ernte ist ja noch nicht zu Ende.»    

Hans Müller sagt: «Wir haben viele treue, langjährige Kunden in der näheren Umgebung, da hilft man einander und steht zusammen. Doch auch bis nach nach Mauensee, Triengen, Schlierbach, Gontenschwil, Neudorf und St. Erhard haben wir treue Kundschaft. Das gibt manchmal längere Anfahrten, da die Mähdrescher maximal 30 km/h fahren. Es ist gut, dass es in der Ferienzeit weniger Verkehr hat, da stören wir auf der Strasse weniger.» Ein Kunde sagt zur Arbeit der Müllers: «Sie leisten immer saubere Arbeit, ob bei der gewissenhaften ‹Blätzbegehung› vor dem Einsatz, oder dann beim Dreschen manchmal bis spät in die Nacht, bis die ganze Arbeit getan ist.»  

Ursprünglich war der Hof Buholz ein reiner Milchwirtschaftsbetrieb, und Müllers hatten vier Buben und sechs Mädchen. Der Hof ist auf Gunzwiler Boden, doch die Postzustellung ist von Rickenbach aus.

Vor 60 Jahren war noch vieles anders ...

1964 kauften sie den ersten Mähdrescher, der noch ohne Elektronik auskam und auch noch keinen Getreidetank hatte. «So war immer ein Sackwagen dabei. Die Bundessäcke aus Jute wurden manuell abgebunden, wenn der Sack voll war, also ‹abgesackt›, und dann in die Mühle oder die Landi zum Mahlen gebracht. Da waren dann die Dreschmaschinen mit integriertem Getreide-Tank ein grosser Fortschritt», erzählt Hans Müller. Sie konnten schon in den Folgejahren zwei weitere Mähdrescher anschaffen. Der älteste im aktuellen Fuhrpark ist der TX65 von 1996, das «Reich» von Ruedi Müller. Sie hatten bis zu sechs Maschinen im Einsatz, doch als diese immer leistungsfähiger wurden, pendelte es sich bei fünf Mähdreschern ein. Die beiden neusten sind sechs- bzw. zweijährig. Der neuste kostete um eine halbe Million Franken, also beträchtliche Investitionen. Eindrücklich ist die Geländegängigkeit der modernen Modelle, die sich dem Hang anpassen und somit immer gerade stehen.  

Neben Hans und Ruedi arbeitete auch Bruder Walter die ersten 10 Jahre im Betrieb mit. Bis vor gut 10 Jahren hatte man daneben noch weiter Milchwirtschaft betrieben, dann sah man, dass Spezialisierung mehr Sinn machte. Ruedi Müller war sein ganzes Leben auf dem Hof im Buholz. Hans Müller hingegen arbeitete nebenbei noch als Aushilfschauffeur beim Kieswerk Amrein in Rickenbach und bei Frischfleisch Sursee.  

Heute hilft es, wenn man Kenntnisse als Landmaschinenmechaniker hat, da die Mähdrescher anspruchsvoll zu bedienen und zu warten sind. Doch die Liebe zur Arbeit auf dem Feld, die Nähe zur Natur und die verantwortungsvolle Arbeit für Kunden sind weiterhin und unverändert gefragt.        


Was ist ein Lohnunternehmen?
Ein Lohnunternehmen agiert als Dienstleister und übernimmt bestimmte Aufgaben oder Projekte gegen Entgelt, ohne dass der Auftraggeber eigene Ressourcen (Personal, Maschinen) dafür bereitstellen muss. Dadurch können Auftraggeber Kosten sparen und von der Expertise und den spezialisierten Geräten des Lohnunternehmens profitieren. Typische Dienstleistungen eines Lohnunternehmens umfassen: 
Landwirtschaft: Aussaat, Ernte, Bodenbearbeitung, Düngung, Pflanzenschutz und Transport von landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Baugewerbe: Erdarbeiten, Transport von Baumaterialien, Bau von Wegen und Plätzen, Abbrucharbeiten und Schneeräumung.
Forstwirtschaft: Holzernte, Pflege von Waldflächen, Holztransport und andere forstwirtschaftliche Arbeiten.
Der Verband Lohnunternehmer Schweiz, in dem auch einige Betriebe der Region organisiert sind, zählt knapp 400 Mitglieder und wächst stetig. Er bündelt die Interessen der Lohnunternehmer und ist eine Plattform für Wissensaustausch, Weiterbildung und Vernetzung.


Leidenschaft mit prächtigem Blick auf dem Sempachersee.


Hans Müller demonstriert die vielen modernen und digital unterstützten Funktionen eines Mähdreschers.
Ruedi Müller fährt seinen New Holland TX65 raus auf die Wiese. 


Im effizienten Einsatz für die naturnahe Nahrungsmittelproduktion.


Die fünf Mähdrescher von Müller Lohnunternehmen im Buholz synchron im Einsatz. 




Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt

 




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