Rehkitze vor dem Mähtod bewahren
Das hohe Gras schützt junge Rehkitze vor natürlichen Feinden, wie dem Fuchs oder den Kolkraben. Weil man die Jungtiere kaum sieht, ist bei der Heuernte besondere Vorsicht geboten. Seit Jahren arbeiten Jagd und Landwirtschaft erfolgreich Hand in Hand, um Jungtiere vor dem Mähtod zu bewahren.
In diesen Wochen setzen die Rehgeissen ihre Kitze – in der Regel zwei, mit Vorliebe in hochstehendes Gras. Während der ersten drei Wochen ihres Lebens nutzen diese die Deckung der Wiesen, bleiben ruhig liegen und ducken sich bei Gefahr. Jeweils für kurze Zeit werden sie vom Muttertier besucht, welches sie säubert und säugen lässt.
Im hohen Gras sind die Rehkitze vor Räubern gut geschützt. Dafür entstehen mit der Heuernte Gefahren. Obwohl die Bauern sensibilisiert sind und ihre Runden mit dem Mähwerk sehr aufmerksam drehen, die gut getarnten Rehkitze können sie kaum sehen. Um Leid zu mildern, wird die Jagd aktiv. Über die kritische Zeit sind Jägerinnen und Jäger in den Morgenstunden unterwegs, um Jungtiere im Feld aufzuspüren und diese aus der Gefahrenzone zu bringen. Werden sie rechtzeitig orientiert, verblenden sie die Heuwiesen mit Flaggen oder Duftmarkierungen, so dass die Geiss – so wird das Muttertier in der jagdlichen Umgangssprache genannt – ihre Kitze rechtzeitig aus der Wiese führt. Seit einigen Jahren setzen die Jagdgesellschaften dabei auch auf modernste Technik. So werden Felder in den frühen Morgenstunden mit der Drohne überflogen, um mit der Wärmebildkamera Jungtiere aufzuspüren. Die Jagd kann im Michelsamt dabei seit jeher auf eine gute Zusammenarbeit mit den Bauernfamilien zählen.
Was tun mit Jungtieren?
Spontan gefundene Rehkitze, aber auch Jungtiere anderer Wildtierarten, sollten sich selbst überlassen bleiben. Das Muttertier befindet sich ganz in der Nähe, um bei nächster Gelegenheit ihr Jungtier wieder aufzusuchen. Werden Jungtiere mit den Händen berührt oder gar weggetragen, könnte sich das Elterntier am Menschengeruch stören und sie werden für Fressfeinde aufspürbar. Ist eine Bergung nötig, die Hände immer gründlich mit Erde oder frischem Gras einreiben und das Tier mit einer Schutzschicht aus Gras im nahen Waldrand ablegen. Das Muttertier wird ihr Junges suchen und zu einem neuen Versteck führen.
Kontakt Jagdreviere:
Ermensee / Erlosen Tony Glanzmann 079 641 15 04
Gunzwil Peter Eggerschwiler 079 435 45 86
Neudorf Christoph Elsässer 079 899 08 49
Rickenbach / Buttenberg Pirmin Schüpfer 078 721 50 46
Rickenbach / Stierenberg Kornelius Schüpfer 079 420 25 88
Schlierbach / Seckwald Max Thürig 079 227 17 63
Werner Hüsler
obertitel zeitung. Vernetzung Michelsamt
LANDWIRTSCHAFT UND JAGD – HAND IN HAND