Skip to main content Skip to page footer

Regionalfinal von «Jugend debattiert» in Beromünster

Am vergangenen Samstag fand das Regionalfinal Zentralschweiz von «Jugend debattiert» statt. Sprachgewandt und rhetorisch stark zeigten 12 bis 18-Jährige, was sie an Debattiertalent so draufhaben.

Die Teilnehmenden der KSB: (im Urzeigersinn von oben links): Anja Bucher, Giuliana Huber, David Gassmann, Richard Rüdin



Wer ist rhetorisch versiert und kann die beste Debatte führen, egal über welches Thema und auf welcher Seite? Insgesamt haben 46 Jugend­liche der Kantonsschulen Beromünster, Reussbühl, Alpenquai, Zug, Beromünster, Sursee und der Wirtschaftsmittelschule WMS Luzern um den Titel des besten Debattierenden der Region gekämpft. Es war geplant, den friedlichen Wettstreit in Beromünster vor Ort durchzuführen. Der Pandemie geschuldet wurde kurzfristig auf Online-Austragung umgestellt. Dazu meinte Emma Caballero (18), die ­Verantwortliche für Kommunikation und Social Media bei der Veranstalterin, der Non-Profit Organisation «Young Enterprise Switzerland» (YES): «Das ist eine gute Alternative, doch auch für uns Junge sind Vor-Ort-Veranstaltungen wertvoller. Ich wäre sehr gerne physisch nach Beromünster gereist und nicht nur gedanklich.»

Trotzdem liess es sich der Rektor der Kantonsschule Beromünster (KSB), Marco Stössel, nicht nehmen, die Teilnehmenden mit motivierenden Worten zu begrüssen: «Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig das gepflegte und tiefgründige Debattieren für eine funktionierende Demokratie ist. Debatten zwingen uns zum Wechsel des Blickwinkels und fördern die Empathie für das Gegenüber. Dabei entwickeln wir auch Verständnis für Anderes oder Neues und finden so Kompromisse, die für eine grosse Mehrheit gute Lösungen sein können», sagte er am Debattier- Wettbewerb.

Sprachgewandt und rhetorisch brillant

Die Debatten wurden von einer Jury aus den Fachbereichen Bildung, Politik und Medien beurteilt und unterliegen genauen Regeln. Jury-Mitglied und Kantonsrat Markus Bucher, der als Kolumnist und Korrespondent auch für unsere Zeitung schreibt, meinte gegenüber dem «Michelsämter»: «Ich durfte die jungen Debattiertalente in verschiedenen Kriterien bewerten. Sie beeindruckten mich: Sie haben selbstbewusst und frei debattiert; sie könnten jederzeit in einer politischen Debatte in einem Rat oder in den Medien auftreten. Manch gestandene Politiker:innen, zum Beispiel im Kantonsrat, könnten sich bei den Jugendlichen eine Scheibe abschneiden.» In der Jury haben weitere Michelsämter Persönlichkeiten mitgewirkt: Charly Freitag, ehemaliger Gemeindepräsident, Dominik Kiser, Fachlehrer Deutsch und Mathematik, Laetitia Kiener, Fachlehrerin Deutsch und Französisch. Als Betreuer der Teilnehmenden der Kanti Beromünster wirkte Matthias Gaiser, Fachlehrer Deutsch, aktiv mit. In der Jury waren im weiteren die Kantonsräte Claudio Bernasconi (Die Mitte) und Jonas Heeb (Junge Grüne, ehemaliger Schüler der KSB) dabei. Debattiert wurde über Themen wie etwa ein generelles Flugverbot für Studienreisen oder den Beitritt der Schweiz in die EU. Der Clou: Die 12- bis 18-Jährigen diskutierten zwei gegen zwei, also wahre friedliche Wortduelle.

Applaus für die Luzerner Finalisten

In einer ausgeglichenen Finaldebatte hat sich Elena Schorn der Kanti Zug den Sieg auf Stufe Sek. I gesichert. Cédric Herbst der Kanti Reussbühl gewinnt die Finaldebatte auf Sek. II Stufe. In der Finaldebatte der 12- bis 15-jährigen zum Thema «Soll die Volksinitiative für eine starke Pflege angenommen werden?» lieferten sich auch Kay Geringer, Reto Gretener, Zoe Häfliger und Elena Schorn eine faire Diskussion. Zeitgleich massen sich Anna Brunner, Cédric Herbst, Sina Meyer und Marie Weise in der Finaldebatte der Sek. II zur Frage «Soll die Schweiz der EU beitreten?» gekonnt. Die Finalist:innen nehmen am nationalen Finale am 1. und 2. April in Bern teil.

Pro oder Kontra? Der Zufall entscheidet kurz davor!

Die Pro- und Kontra-Positionen wurden erst kurz vor Beginn der Debatte ausgelost: Die Jugendlichen der Sek. I haben sich darum gründlich auf die drei Debattenthemen Flugverbot für Schulreisen, Abschaffung von religiösen Feiertagen und Pflegeinitiative vorbereitet. Auf Sek. II Stufe wurden die Einführung von Unisex-Toiletten, das Bauverbot von AKWs und den Beitritt zur EU recherchiert. Im Gegensatz zu vielen politischen Debatten hörten die Jugendlichen einander in den Gesprächen aufmerksam zu und begründeten ihre Argumente nachvollziehbar. 


Original-Töne der teilnehmenden Kanti-Schüler:innen 

Anja Bucher:

«Das Coole am Ganzen ist, dass du dich als Vorbereitung über viele Themen sehr gut informieren musst. Dadurch erhältst du Wissen über die verschiedensten politischen Thematiken und verstehst diese um einiges besser. Ich zum Beispiel musste einmal über den Bau von neuen Atomkraftwerken in der Schweiz debattieren. Als Vorbereitung muss man auch immer die Pro- und Kontra-Seite vorbereiten, so erhält man Einblicke in beide Sichtweisen. Ich denke, das ist eine Lektion, die ich dabei auch gelernt habe, dass man immer offen für andere Ansichten sein sollte. Auch ist der Teamgeist, den du in kürzester Zeit mit Personen aus anderen Kantonen aufbaust, sehr eindrücklich. In der Debatte kann es schnell mal hitzig werden, doch danach können alle darüber lachen. Da die Debatte über «Teams» war, hatte ich zuerst die Befürchtung, dass das Ganze gar nicht funktionieren würde, doch nach einigen Startschwierigkeiten mit meiner Kamera war das kein Problem mehr. Die Erfahrung war sicher prägend. Ich habe in kurzer Zeit dank meinem Coach gelernt, wie ich gut argumentiere und verschiedenste Ansichten vertreten kann. Ich denke, das wird mir auch in meinem weiteren Leben sehr weiterhelfen.»

Giuliana Huber:

«Der ganze Wettbewerb und auch die Vorbereitung waren sehr lehrreich und somit auch eine gute Erfahrung für mein späteres Studium. Es hat sehr viel Spass gemacht, mit Jugendlichen aus anderen Kantonsschulen zu debattieren und sich auszutauschen. Obwohl der Anlass via «Teams» stattgefunden hat, verlor er nicht an Qualität. Die Debatten konnten bis auf einige kleine technische Schwierigkeiten problemlos durchgeführt werden.»

David Gassmann:

«Der Wettbewerb ‹Jugend debattiert› hat mir Spass gemacht. Es war spannend zu lernen, wie man gut debattieren kann. Beim Wettbewerb selber hat vor allem auch – obwohl wegen der Online-Durchführung nur eingeschränkt möglich – der Austausch mit Jugendlichen anderer Kantonsschulen in den Debattenpausen Freude bereitet.»

 

Richard Rüdin:

«Jugend debattiert war eine erfrischende Abwechslung zum Schulalltag. Wir hatten einige spassige Trainings-Sessions und mussten oft über absurde Themen reden, was recht lustig war. Ich finde, dass ich meine Debattierkenntnisse stark erweitern konnte. Das habe ich jetzt schon im Alltag bemerkt. Das Regionalfinal war sehr spannend. Ich ­habe es geliebt, mit anderen Schüler:innen zu debattieren! Ich würde es auf jeden Fall wieder tun.»T


Da wächst Gutes heran: die Kantonsschule Beromünster


Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt / zvg




Das könnte Sie auch interessieren