«Raus aus dem Alltag, rein ins Abenteuer!» Eine Velotasche voller Erlebnisse.
Einmal raus aus der Komfortzone von Familie, Freunden, Arbeit - hinaus in die Welt, wo sie niemand kennt, das hatte sich Karin Limacher Ende Februar vorgenommen. Hier nun der vierte und letzte Monatsbericht ihrer Veloreise durch Spanien, Portugal und Frankreich.
Fünf Monate hatte ich mir Zeit gegeben, um mit Fahrrad, Sack und Pack Südwesteuropa zu erkunden, allein und ohne grosse Planung. Dank dieser langen Frist blieb mir genug Frist für spontane Abstecher und längere Aufenthalte. «Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen …», so begann Matthias Claudius anno 1800 sein bekanntes Reisegedicht. Und er hatte wahrlich recht! Tatsächlich habe ich während meiner Radtour durch Spanien, Portugal und Frankreich so viel erlebt, um monatlich darüber im Anzeiger Michelsamt berichten zu können.
Dem Mittelmeer entlang auf dem Euroradweg 8
Während drei Monaten war ich alleine mit dem Fahrrad unterwegs. Mein Weg begann in Barcelona und führte entlang der Euroradroute Nummer 8 an der Mittelmeerküste nach Gibraltar mit einem Abstecher auf die Insel Mallorca. À propos Euroradweg: Daheim hatte das so schön ausgesehen; da radle ich dann an der Küste lang durch Spaniens Süden. Da gibts bestimmt noch andere Tourenfahrer, die diesen Weg wählen und ich hätte Gesellschaft von Gleichgesinnten. Weit gefehlt, da war niemand so unterwegs wie ich! Die meiste Zeit gabs den Veloweg schon gar nicht. Die Route musste selber gefunden werden. Zum Glück hatte ich eine gute App auf meinem Handy, sonst hätte ich den Felsen von Gibraltar wohl nie gesehen.
Notlage ermöglicht neue Bekanntschaften
Nach Gibraltar führte mein Weg von Spaniens Süden an der portugiesischen Grenze entlang nach Norden, später von Salamanca nach Porto und dann an der Westküste nach Santiago de Compostela. Von dort gings an der spanischen Nordküste entlang nach Frankreich und dort an der Westküste nach Bordeaux. Ich gebe zu, ich bin nicht alles mit dem Rad gefahren. Bei einigen Strecken habe ich mich für Bus oder Bahn entschieden. Die vielen Höhenmeter sowie manchmal auch das Wetter, das war zu streng für mich. Obwohl, auch das Reisen mit dem Überlandbus hat seine Tücken. Das Fahrrad wird nur in eingepacktem Zustand und mit abmontiertem Vorderrad transportiert. Wenigstens hatte ich so die grosse Plastikplane und das graue Duct-Tape nicht vergeblich mitgeschleppt … Beim Einladen in den Bus war ich dann jeweils auf die Mithilfe eines Mitreisenden angewiesen, ich hatte einfach zu wenig Hände für all mein Bagage. Und mir wurde immer geholfen! Meist entwickelte sich daraus eine überaus interessante Bekanntschaft, was wiederum auch sein Positives hatte.
Reisen im Camper
Auf jeden Fall hatte ich nach gut drei Monaten, zweitausend mit dem Velo gefahrenen Kilometern und 13 000 Höhenmetern in Bordeaux genug vom alleine reisen. Zum Glück kam da mein Mann mit dem Camper-Büssli und wir konnten die Reise gemeinsam fortsetzen. So ein Luxus, willkommen zurück in der Komfortzone! Vorbei die tägliche Plackerei mit planen, packen und pedalen!
Reisen im Camper, Luxus pur!
Und das Fazit?
Eine grosse Velotasche voller Erlebnisse und viel Dankbarkeit! Die Welt ist so schön! Ich durfte atemberaubende, wundervolle Landschaften sehen, viele interessante, nette Leute kennenlernen und etliches erleben. Ich bin so dankbar, dass dieser Traum möglich wurde und dass ich so ein Abenteuer gesund und munter erleben durfte. Na ja, es gab da schon einige «Auas und Achs», aber gibt es die nicht immer? Ich bin auch dankbar für all die Unterstützung, die ich in dieser Zeit erhalten habe. Von Familie, Freunden und auch von fremden Menschen, die ich unterwegs kennenlernte. Und schliesslich dankbar für den Luxus, dass ich wieder nach Hause kommen kann, zurück «ins gemachte Nest» von Heim, Arbeit und Alltag, zu Familie, Freunden und Leuten, die dieselbe Sprache sprechen. Das kann ja längst nicht jeder!
Wer weiss – vielleicht motiviert diese Kolumne den einen oder anderen seine Träume auch umzusetzen? Dann wäre das auch noch ein weiterer positiver Aspekt. Ich beende nun meine Berichte und bedanke mich für das Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen!
Raus aus dem Alltag ...
In monatlichen Beiträgen berichtete Karin Limacher in vier Folgen von ihren Erfahrungen unterwegs auf zwei Rädern, «raus aus dem Alltag und rein ins Abenteuer». Dies zur Inspiration der Daheimgebliebenen.
Text und Bilder: Karin Limacher