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Präsentation der Maturaarbeiten an der Kantonsschule Beromünster

Meilenstein auf dem Weg zur Matura: am Samstag, 12. November, wurden in der Kanti Beromünster 60 Maturaarbeiten präsentiert. Nervosität mischte sich mit Begeisterung, Charme mit Aufregung, und vor allem: Viel, viel Erleichterung war zu spüren. In allen Zimmern der KSB wurden sehr gut besuchte Vorträge gehalten, die bewertet wurden. Die Bandbreite der Themen war schier grenzenlos. Nun heisst es: kurz aufatmen und dann ab in den Endspurt! 

Talent für gute Rhetorik war nicht alles, aber es nützte ungemein: Linus Kerngast in seinem schon fast professionellen Vortrag zu «Latein für Anfänger».

«Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an der Busstation...» Frisch und fliessend hielt Ambra Waldis ihren Vortrag vor der Slideshow mit Bildern von Street Art. Ihre Sprache floss wie ein Wasserfall und ihre Augen blitzen charmant. Von Nervosität keine Spur, nun, das täuschte vielleicht. Zimmer a2.09 war voll interessierter Gäste. Gleich nebenan in a2.06 wartete Jana Schiess vor einem aufgestarteten Laptop, leicht angespannt lächelnd mit Kärtchen in der Hand, auf den Beginn ihrer Präsentation. Thema: Corona im Krankenhaus. In a2.05 hatte Thomas Estermann seinen Vortrag über den Zerfall von Weltreichen gerade hinter sich gebracht, locker wie es schien, doch nun kam noch das «Verhör». Nach 15 Minuten Auftritt vor Publikum 15 Minuten Besprechung mit Lehrpersonen. Dies schien der einfachere Part zu sein. Draussen im Gang wartete eine Gruppe: Eltern, Schwestern und Gotte fieberten der Rückkehr ihrer Salome entgegen, die sich – The Importance of Narratology – gerade noch im Kreuzverhör befand. Bei der grossen Treppe wartete Musiklehrerin Susanne Bättig. Sie hatte seit Monaten die Entstehung einiger Maturaarbeiten unterstützt, indem sie nachsichtig war hinsichtlich des Übens und Gelegenheit bot für einen Testlauf. Und nun freute sich aufs Ergebnis. Gleich nebenan zwei glückliche Eltern. «Taktische Schusspositionen im Schweizer Kleinfeldunihockey» hatten ihren Sohn über Monate hinweg eingehend beschäftigt. Nun das Finale, die Eltern wirkten sehr erleichtert. Eine «Wahnsinnsanspannung» sei es gewesen, meinte die Mutter. 

Sprach fliessend wie ein Wasserfall: Ambra Waldis über «Street Art».

Unten in der Aula war die kleine Festwirtschaft voll mit Leuten, die gerade an keinem Vortrag teilnahmen. Eltern, Geschwister, Lehrpersonen, jüngere Schüler:innen der KSB und auffallend: sehr viele Ehemalige waren da. Die Tür von aE.11 war gerade noch offen. Auf dem Pult Turnschuhe, Kosmetika, Süssigkeiten, und davor ein aufgeweckter, leicht verlegener junger Referent, bereit zu starten. «Salvete!» begrüsste Linus Kerngast seine Runde. Sympathisch und informativ stellte er sein Dossier «Latein für Anfänger» vor, mit angenehmer Stimme, etwas Witz und stets im Blickkontakt mit dem Publikum. Nur die etwas ähnliche Melodie all seiner Sätze verriet, dass der 17-Jährige noch kein Profi-Moderator war.

Applaus für drei Performances in der Aula, eine hinreissender als die andere.

Kurz vor 10 Uhr wurde es zunehmend wuseliger und belebter im Haus. In der vollen Aula und von den breiten Treppen hinab blickten alle Leute gespannt auf die Bühne. Bald kamen sie in den Genuss von drei Performances, eine hinreissender als die andere. Salome Ehrler spielte ihren eigens komponierten «Ragtime» am Klavier und brachte herrlich Schwung auf. Herausragendes Highlight darauf die Gesangsdarbietung von Laurenz Pirchl und der «Seele des Wienerlieds». Dann fiel plötzlich ein Mann vom Tisch, Stühle kippten um und ein Blumentopf flog durch die Luft. Was um Himmels Willen war da los? Es war die Performance von Noah Böbner, eine «Moderne Satire», heiter und mit viel Körpereinsatz inszeniert. Fernab von diesem Klamauk sass weiter hinten im Gang die Maturandin Clara Steiger am Boden, Laptop auf den Knien, sich ein letztes Mal vorbereitend auf «Die Zoos im Wandel der Zeit». Sie lachte. Lachte noch mehr, als sie angesprochen wurde, lachte einfach ihr Lampenfieber weg.

War da überhaupt jemand nervös? Clara Steiger bei der Vorbereitung zu «Zoos im Wandel der Zeit».

Je später der Vormittag, umso gelöster und fröhlicher wurde die Stimmung im Bildungshaus auf dem Sandhübel. Stolz und Emotionen mischten sich mit einem Gefühl von Zusammengehörigkeit. «Manche Arbeiten ragen heraus, aber alle werden gleichbehandelt», sagte Rektor Marco Stössel, der durch Zimmer und Räume kursierte, wo seine sechzig jungen Schützlinge die Früchte jahrelanger Arbeit auf dem Tablett präsentierten. Er sieht es als seine Aufgabe, Strukturen zu schaffen, damit sich die Talente der jungen Menschen entfalten können. Die Präsentation der Maturaarbeiten ist dann auch ein absolutes Highlight für ihn. «Das ist Benzin für mich, das gibt mir Energie. Ich bin mächtig stolz», sagte Marco Stössel und lachte, «nein, ich bin brutal stolz!»

Meilenstein auf dem Weg zur Matura und dick angestrichener Termin in der Agenda.

Inhalt, Aufbau, Medieneinsatz, Sprache, Kernbotschaft und Auftreten würden bei diesen Präsentationen bewertet, so Prorektor Guido Nauer. Dies mache aber lediglich 25 Prozent der Gesamtbewertung der Maturaarbeit aus. Der Stichtag der Abgabe Ende der Herbstferien ist dann auch für alle Eltern immer ein dick angestrichener Termin, um nicht zu sagen, ein «rotes Tuch» im letzten Gymnasiumjahr ihrer Söhne und Töchter. Sie fiebern, bibbern und tragen vieles mit, damit die Maturaarbeit gelingt.

Das Verfassen und Präsentieren einer Maturaarbeit gehört seit 2002 zum Programm. Zunehmend deutlich wird von Jahr zu Jahr, dass eine neue Generation von Akteur:innen am Start sind. «Heutzutage sind die Schüler sicherer, frecher, selbstbewusster», beobachtet Guido Nauer stets. «Das sieht man an ihrem Auftreten an, sie sind viel souveräner und besser vorbereitet.» Was auch immer der Grund für das neue Selbstbewusstsein der jungen Menschen ist, möge es ihnen erhalten bleiben. Jetzt ist ein Meilenstein geschafft, nun heisst es: kurz zurücklehnen und durchatmen, dann gehts ab in den Endspurt zur Matura.

Präsentation geschafft, jetzt kann man(n) gut lachen!


Text und Bilder: Ursula Koch-Egli 


Weitere Bilder und Impressionen vom Samstag, 12. November, in der KSB:


Bilder: uke




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