Poesie in Klangform
Die Rickenbacher Sommerserenade ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Agenda. Der Sonntagabend vor Schuljahresbeginn gehört dem hochkarätigen Musikgenuss. Für Geigerin Judith Müller ein Heimspiel, diesmal zusammen mit der Formation Klangcombi: Von Klassik zu Schweizer Volksmusik und darüber hinaus.
Instrumente und Notenständer sind im Chorraum bereit, in der Kirche ertönt noch das Raunen des plaudernden Publikums. Die Formation Klangcombi ist startklar für ihren Auftritt. Energiebündel Judith Müller, gespannt wie eine Saite, kanns kaum erwarten, loszulegen.
Der Auftakt geschieht wortlos, nur reine Musik, schwungvoll. Ein Volkslied – und sofort wirds einem warm ums Herz. Virtuos lassen die fünf Profimusiker den Schalk aus ihren Saiten springen mit ungewohntem Ziehen und Zupfen, lassen alsbald ein liebliches Tänzchen im Kreise drehen. Sind wir etwa auf einer Alp? Lebensfreude im Dreivierteltakt!
«Spezielle Musik. Gut und rassig!»
Daniel Landtwing
Lieblich, neckisch, lupenrein
Die Sommerserenade des Kulturforums, immer am Sonntagabend zum Abschluss der Sommerferien, ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil in Rickenbachs Agenda. Der angebotene Musikgenuss ist stets von höchstem Niveau. Was einst in den 90er Jahren im Klostergarten mit einer begabten Teenager-Geigerin begann, hat sich zu einer festen Grösse entwickelt. Wie die Geigerin auch. Klangcombi, wo sie mitspielt, war am vergangenen Sonntagabend nicht zum ersten Mal in Rickenbach zu Gast. Die langjährig konstante Formation aus professionellen Musikern begeisterte durch ihre Ausstrahlung und Spielfreude enorm. Allesamt mit klassischem Hintergrund, wirbeln sie die Schweizer Volksmusik neu auf. Lieblich, neckisch, hingebungsvoll und lupenrein.
Kopf abstellen und hinhören
Zupfen am Cello – ist das nun Jazz oder was? Kullernde Perkussion – was entsteht daraus? Da gabs nur eines: Kopf abstellen, hinhören. Und treiben lassen. Als würden die Spielenden einen am Ärmel zupfen und sagen: «Komm, vergiss das Denken, tauch’ ein in den Reigen ...»
Erzählend die Melodien, poetisch die Themen. Tief hinab zog das Cello von Nicola Romanò, ohne verlorenzugehen, ein warmer Klang, der Halt gab. Emotionen wurden angerührt, niemand blieb unberührt.
«Lustig und ruhig. Lebendige Lieder!»
Gisela Kottmann
Tradition und Aufbruch
Severin Barmettler (Kontrabass) begrüsste das Publikum in breitem Nidwaldner Dialekt («äs freyd eys...») und lud die Gäste ein auf die musikalische Reise, deren Programm eigens für diesen Abend zusammengestellt worden war. Als «Madame Jolie» stellte er einige Eigenkompositionen vor, «dr’ Ueli» oder «Herr Fröhlich». Fröhlich, ja, das wurde es. Melancholisch auch. Ihre Klangkombinationen berührten die ganze Spannbreite an Gefühlen. «Was ist ein traditionelles Stück? Wir haben keine Antwort. Entscheiden Sie selbst», meinte Barmettler in Bezug auf ihren experimentellen Umgang mit traditioneller Volksmusik. Entscheiden wollte an diesem Abend wohl niemand – viel lieber nur zuhören und geniessen.
Klangchaos in Harmonie
Ein Knattern, Ticken und Quietschen, Knirschen und Rauschen wurde den Klangkörpern entlockt. Klangchaos in perfekter Harmonie. Wie ein akustisches Gewitter baut sich die Spannung auf, um schliesslich erlösend in ein heiteres Tänzchen zu münden.
Die Perkussion von Markus Lauterburg war schlicht hinreissend. Erst schmetterte er auf dem Schlagzeug, dann folgten verwirrende Rhythmen und Geräusche, die sich nicht zuordnen liessen. Die Leute staunten, schmunzelten.
«Ich habe mich gefragt: Woher kommt der Krach? Es gab störende Elemente, die aber immer in Harmonie ausgeleitet wurden.» Gustav Meier
Dröhnend, donnernd, seidenfein
Aber dem noch nicht genug. «Iischnuife und äifach mitcho», kündete Severin Barmettler verheissungsvoll den Schlusspunkt an. Ein herrlicher Trubel feinster Perkussion ertönte nochmals zwitschernd, dröhnend und donnernd. Die Violinen (Adrian Häusler, Judith Müller) stimmen nahtlos ein, gefolgt von Kontrabass und Cello. Die Klangfülle kumulierte zu brausenden Höhepunkten, leitete seidenfein über zu wolkenweichen Tonfolgen, die entschwanden wie das letzte Abendrot in den Bergen. Schwungvoll und pointiert wie der letzte Bogenstrich in der Luft, endete auch das Konzert. Mit einem Schottisch. Eine Perle von einem Konzert.
«Anders – aber schön!»
Carmen und Alina aus Hochdorf
Ursula Koch-Egli