Skip to main content Skip to page footer

Ortsumfahrung und ein paar interessante Fakten

Mit der Präsentation der Volksbotschaft von Regierungsrat Fabian Peter und dem kantonale Baudepartement ist der Abstimmungskampf über den Sonderkredit von 70,6 Millionen Franken für die Ost- und Westumfahrung des historischen Ortskerns von Beromünster lanciert. Die Botschaft enthält keine Neuheiten und orientiert sich am bekannten Projekt, dennoch gab es an der Medienkonferenz interessante Fakten zu einzelnen Details. Der Urnengang wartet am 18. Juni, Regierung und Kantonsrat empfehlen Annahme des Sonderkredits.

Ortsumfahrung von Beromünster: Am 18. Juni wartet eine «historische» Abstimmung.

Der 18. Juni rückt näher und damit die Abstimmung über die Ortsumfahrung von Beromünster. «Endlich», wird manch ein alteingesessener «Möischterer» denken. Kaum einer dürfte noch den Überblick darüber haben, was in den vergangen Jahrzehnten geprüft, geplant und wieder verworfen wurde. Franz A. Herzog hat es in einem Leserbrief im vergangenen Oktober wie folgt beschrieben: «Seit nunmehr sechzig Jahren «knorzt» Beromünster an dieser Umfahrung herum. Der Kanton hat in diesen Jahren etliche hunderttausend Franken in Studien gesteckt. Unzählige Varianten wurden geplant und anschliessend wieder verworfen. Zuerst war, vor rund 50 Jahren, eine Vision von einer Grossumfahrung im Osten über Witwil und Adiswil angedacht, anschliessend eine kleinere Version mit einer Brücke über die Schlifi. Im Norden gab es Varianten vor und hinter der Schanz. Eine weitere Variante war im Süden der Gemeinde angedacht. Pläne von diesen verschiedenen Varianten wurden zum Teil bis ins Detail ausgeführt. Da auch damals von verschiedenen Seiten und aus verschiedenen Gründen opponiert wurde, verliefen sämtliche Varianten im Sand.»

Anlässlich der Medienkonferenz vom Donnerstag dieser Woche wurde diese Entwicklung bestätigt, natürlich nicht in dieser Detailtiefe.

Baudirektor Fabian Peter skizziert jedoch die aktuelle Ausgangslage: «Die Belastung der Bevölkerung durch den Durchgangsverkehr ist gross, die Sicherheit besonders für die Schulkinder und den Fuss- und Veloverkehr ungenügend und die historischen Bauten nehmen Schaden», betonte er.

Um dem Abhilfe zu schaffen steht nun die bekannte Ost- und Westumfahrung des Ortskerns zur Abstimmung, genauer: der Sonderkredit von 70,6 Millionen Franken dafür für die Ost- und Westumfahrung. In der Botschaft wird das Projekt detailliert beschrieben.

Erstaunlicherweise befasste sich sogar das St. Galler Tagblatt schon vor einiger Zeit in einem Kommentar mit der Umfahrung. Dort steht: «Will die Bevölkerung vor Ort die Abstimmung gewinnen, muss sie ein klares Zeichen an den Rest des Kantons senden.» Das klingt einleuchtend, ist allerdings in der Praxis gar nicht so einfach. Wie sollen die «Möischterer» den Stadtluzernern oder den Entlebuchern ihre konsolidierte Meinung kundtun? Die täglichen Kolonnen an der Ochsenkreuzung von Lastwagen und Autos und die stellenweise schmalen Trottoirs entlang der Durchgangsstrassen sprechen eigentlich für sich bzw. für eine Umfahrung.

Opposition

Trotzdem gibt es gegen die Umfahrung Opposition und natürlich in Beromünster. Auch sie sendet Zeichen in den Kanton hinaus: «Die Umfahrung Beromünster löst für viel Geld keine Probleme, sie zerstört vielmehr Grünflächen und das Ortsbild, schädigt das Klima und verschiebt Verkehr und Lärm in andere Wohngebiete. Ein «Nein» zum aktuellen Projekt macht den Weg frei für bessere Lösungen», hält das Nein-Komitee fest. Es kritisiert den massiv Eingriff des Strassenbaus ins Landschaftsbild. Denn das Projekt sieht für die Strasse bis zu 9 Meter tiefe und 40 Meter breite Schneisen vor – und auch einen rund 4,5 Meter hohen und über 30 Meter breiten Damm. Wie die historischen Bauten im Flecken sind auch die Wiesen auf denen die Strasse gebaut werden soll im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS). «Das wertvolle Ortsbild würde unwiderruflich zerstört. Ob dieses Projekt mit den ISOS-Richtlinien überhaupt vereinbar ist, haben Gemeinde und Kanton bis heute nicht abschliessend geklärt», halten die Gegner fest und verlangen deshalb eine entsprechendes Gutachten. Fabian Peter hält fest, der kantonale Denkmalpflege habe das Projekt von Anfang an begleitet der Pius Suter, der Verantwortliche für das Umfahrungsprojekt seitens des Kantons präzisiert: «Die Denkmalpflege ist seit 2004 mit dabei. Sie war eigentlich ein Mitauslöser.» Sie wollte die historischen Bauten schützen. «Sie war auch in der 40-köpfigen Begleitkommission immer mit dabei und hat dort ihre Interessen teilweise vehement vertreten», fügt er an. Laut Fabian Peter stützt sich der Kanton auf deren Gutachten ab. Letztlich ist es eine Interessenabwägung zwischen der geschützten Landschaft und den ebenso geschützten historischen Bauten.

Bekannte Alternative

Auch der Lärm ist ein Thema. Es finde bloss eine Lärmverlagerung statt, sagen die Gegner. Ein weiterer Grund für eine viel billigere Lösung auf bestehenden Strassen. So wie das etwa Hugo Wandeler vorschlägt, seine Idee findet sich auf der Homepage des Nein-Komitees. Diese Idee ist beim Kanton nicht unbekannt. Bei der Ostumfahrung sieht man seine Lösung mit jener des Kantons vergleichbar. Mit dem Unterschied, dass Wandeler das Bärgmättli erhalten möchte. Dieses ist allerdings gemäss Kantonsingenieur Gregor Schwegeler «massivst» sanierungsbedürftig. Es ist ausserdem völlig anders konzipiert als moderne Pflegeheime. Das Senioren ins Altersheim gehen und dort miteinander Jassen war früher so, heute bleibt man zu Hause so lange es geht, bis man ins Pflegeheim muss. Ein Neubau hat den Vorteil, dass die Senioren bis zum Umzug dort wohnen bleiben können. Sonst müssten sie während der Sanierung ausquartiert werden.

Stichwort «Lärmverlagerung». Heute wird der Lärm-Immissionsgrenzwert (IGW) bei 76 Gebäuden im Flecken überschritten. Mit der Ost-/Westumfahrung noch bei drei Gebäuden. Dabei handelt sich um Gebäude Richtung Neudorf, bei denen das heute schon zutrifft. Bei 10 Gebäuden wird der Planungswert überschritten. Das ist ein theoretischer Wert der bei der Planung neuer Strassen verwendet wird. Dieser tiefere Wert wird überschritten.

Wer sich mit der Entstehung des vorliegenden Umfahrungsprojekts befasst und sich vergegenwärtig, wie die bestehenden Strassen abgelegt sind, wird Mühe haben die «Lösung Wandeler» als die bessere zu sehen, selbst bei Einbahnverkehr. Da war aber für den Kanton nicht der Hauptgrund gegen die Variante. «Weil die Strasse näher an Siedlung entlang führt war der Lärmschutz der wesentliche Grund davon abzusehen», so Suter.

Fazit: Die «perfekte» Umfahrung wird es nicht geben. Es sei denn man gräbt einen Tunnel (was auch geprüft wurde), aber das wäre noch teurer. Die vorliegende Variante ist in der Bevölkerung breit abgestützt. Das sagt nicht nur Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold, das lässt sich auch in Gesprächen feststellen. Hans-Peter Arnold, das lässt sich auch in der jüngeren Planungsgeschichte ablesen. Im Jahr 2018 forderten rund 400 «Möischterinnen» und «Möischter» den Gemeinderat auf, mit der Umfahrung vorwärts zu machen. Sie wollten damals die Umfahrung West forcieren, weil dieses schon damals bereits pfannenfertig in der Schubade lag. Der Kanton sah das damals anders und behandelte schondamals die Umfahrungen Ost und West als ein Projekt.

Die geplante Variante zeichnet sich aktuell gegenüber allen andern durch eine Besonderheit aus: Sie könnte realisiert werden – sofern an der Urne ein positiver Entscheid fällt.

Martin Sommerhalder – Bild: vif




Das könnte Sie auch interessieren