Ortsumfahrung. Beromünster: «Diese Idee ist weder neu noch sachdienlich»
Vor einer Woche machte der «Möischterer» Geschäftsinhaber Norbert Estermann seine Idee zur geplanten Ortsumfahrung publik. Statt der geplanten Ost- und Westumfahrung schlägt er eine Light-Variante vor. Der Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold nimmt dazu Stellung.
Hans-Peter Arnold, letzte Woche hat Norbert Estermann seine Idee zu einer Umfahrung-Light vorgestellt, sehen Sie das als eine Option?
Diese Idee ist weder neu noch ist sie zum jetzigen Zeitpunkt sachdienlich. Sie wurde im aufwendigen Verfahren schon geprüft und auch schon viel früher von anderen Personen aus Beromünster eingebracht. So wurde u.a. im Sommer 2018 eine Petition für die sofortige Realisierung der Westumfahrung eingereicht. Der Anzeiger Michelsamt berichtete damals ausführlich. Bei der Abwägung der zahlreich geprüften Varianten, die von vielen Fachleuten und involvierten Menschen beurteilt worden sind, wurde diese Möglichkeit klar verworfen.
Weshalb?
Das umfassende Verkehrsmonitoring, in welchem die bestehenden und künftig zu erwartenden Verkehrsflüsse detailliert analysiert wurden, hat deutlich aufgezeigt, dass die gewünschte Entlastung des Fleckens und somit auch der Schutz der historischen Bausubstanz nur mit der Variante Ost- und Westumfahrung gelöst werden kann.
Als Nebenaspekt wird angeführt, dass auch die Kosten kleiner und so keine kantonale Abstimmung nötig wäre, ist das kein Vorteil?
Auch die Westumfahrung allein kostet über 25 Mio. Franken. So oder so gibt es also eine Abstimmung. Es wäre also kein Vorteil. Im Gegenteil: Es macht wohl keinen Sinn, hohe Kosten in eine halbe Variante zu stecken, welche die Probleme nicht löst und zusätzliche Frequenzen auf den oberen Flecken und das Oberdorf verlagert.
Die Variante Ostumfahrung wäre ja aber noch nicht «gestorben», weshalb sollte man gleich beide Äste bauen?
Weil damit das seit Jahrzehnten in «Möischter» diskutierte und geplante Umfahrungsproblem nun endlich gelöst wird und der historisch wertvolle und schützenswerte Ortskern von Beromünster vom Durchgangs- und Schwerverkehr entlastet und aufgewertet werden kann. Das Projekt ist fertig aufgegleist und steht kurz vor der Umsetzung.
Wie gross ist eigentlich der Spielraum für Projektänderungen, bis die kantonale Abstimmung stattfindet?
Das vorliegende Projekt ist ein Resultat jahrelanger Planung, welches in interdisziplinärer Zusammensetzung von Fachleuten und unter Mitwirkung vieler ortansässiger Menschen entwickelt wurde. Am Projekt als Ganzes gibt es nichts mehr zu ändern. Die Detailplanung ist längst abgeschlossen und diverse Landparzellen sind durch den Kanton bereits erworben worden. An zwei Orientierungsversammlungen wurde das Gesamtprojekt präsentiert und Fragen beantwortet. Die öffentliche Planauflage der Ost- und Westumfahrung ist im September 2021 erfolgt. Es ist möglich, dass es im Rahmen der Einspracheverhandlungen noch zu Kleinjustierungen kommt.
Steht der Termin der kantonalen Abstimmung schon fest?
Die Kreditgenehmigung durch den Kantonsrat soll Ende November 2022 erfolgen. Die kantonale Abstimmung ist auf den 18. Juni 2023 terminiert. Der frühestmögliche Baubeginn ist dann im Herbst/Winter 2024.
Sie haben sich bekanntlich schon jahrelang mit der Planung befasst, ist das vorliegende Projekt das bestmögliche, wenn ja weshalb?
Ja, dies ist die bestmögliche Lösung, weil diese in Abwägung unzähliger Lösungsvorschläge und in aufwendiger Zusammenarbeit vieler Menschen entstanden ist.
Was würde Beromünster verlieren, wenn die Umfahrung nicht wie jetzt geplant realisiert würde?
Die jahrzehntelangen, umfangreichen und kostenintensiven Planungen für die Umfahrung Beromünster wären umsonst gewesen und die im Kanton eingestellten Investitionsgelder für die Realisierung würden in andere Orte und Regionen fliessen. Eine massgebliche Aufwertung des Fleckens, unseres historisch wertvollen Ortszentrums, wäre weiterhin nicht möglich.
Interview: Martin Sommerhalder