«Ohne Wasser und Sonne gäbe es kein Leben»
20 Jahre ist es her, als Fritz Fankhauser aus Schwarzenbach am 1. November sein Amt als Brunnenmeister von Schwarzenbach begonnen hat. Der Herr des Wassers ist für die Trinkwasserversorgung von Schwarzenbach von Adiswil bis Maihusen verantwortlich. Eine gute Gelegenheit, das Wasserglas zu erheben und mit ihm auf Höhepunkte und Durststrecken zurückzublicken. Es ist ein Gespräch über die Arbeit als Brunnenmeister, Wasserknappheit und den Wert des Wassers.
Fritz Fankhauser, wie sieht der Alltag eines Brunnenmeisters aus? Welches sind Ihre Aufgaben?
Dazu gehören die wöchentlichen Kontrollgänge. Oder wenn es zu Unregelmässigkeiten kommt, dann muss ich dem nachgehen. Wenn es etwa einen erhöhten Wasserverbrauch anzeigt. Im Frühsommer kann das daher kommen, weil viele ihren Pool füllen. Bei längeren Trockenperioden kann ein erhöhter Wasserverbrauch daher rühren, dass viele Leute den Rasen bewässern. Das sind Anhaltspunkte, dass der erhöhte Wasserverbrauch ein normaler Anstieg ist.
Also kein Grund zur Sorge?
Nein. Und wenn ein Alarm reinkommt, rücke ich aus und schaue auf dem Display beim Schulhaus in Schwarzenbach, hier ist die Betriebswarte. Der Alarm kann von einer Pumpen-Störung kommen, von einem Stromausfall oder einem Leitungsbruch.
Kam es auch schon zu solchen Notfällen?
Das gabs schon – und nicht nur einmal. Ein Beispiel: Es war an einem 6. Januar, und es herrschten minus fünf Grad bei Schneefall und Bise. Da kam der Telefonalarm. Es war gegen 18.30 Uhr. Das Reservoir Türli war leer. Also habe ich das Leitungsnetz abgesucht, konnte aber nichts entdecken. Schliesslich habe ich eine externe Firma organisiert, die auf die Ortung von Lecks spezialisiert ist. Auch Werkdienstleiter Thomas Stocker stand im Einsatz. Gemeinsam konnten wir dann auf der Suche nach dem Leck nach und nach – vom Pumpwerk bis zum Reservoir – verschiedene Sektionen ausscheiden. Zuletzt haben wir festgestellt, dass es bei einem Gewerbegebäude von der Kälte den Wasserzähler gesprengt hat. Wir haben den Schieber geschlossen, den Besitzer informiert und haben uns um 22 Uhr einen Kaffee genehmigt.
Ist ein leeres Reservoir das Worst-Case-Szenario?
Ja! Aus zwei Gründen: Erstens hat es dann kein Trinkwasser für Mensch und Tier und zweitens kann die Feuerwehr in diesem Moment keinen Brand mehr bekämpfen, weil es kein Wasser hat. Am schlimmsten ist ein Rohrbruch, wenn wir dann mit dem Bagger die Stelle freilegen und das Rohr ersetzen müssen. Manchmal kann man die Stelle sehen, weil das Wasser aus dem Boden sprudelt. Am Mittag des 5. August hatten wir einen solchen Rohrbruch. Das Reservoir war leer und ich bin die Leitungen abgefahren. Man sah bereits, wo das Wasser aus dem Boden läuft. Ich habe dann einen Bagger organisiert und wir haben das defekte Stück ersetzt.
Sind solche Einsätze häufig?
In meinen 20 Jahren kam es vielleicht sechs bis sieben Mal zu solchen Einsätzen.
Und dann haben die Leute in dieser Zeit kein Wasser?
Ja. Wenn wir eine Leitung stilllegen, dann informieren wir die Wasserbezüger von wann bis wann kein Wasser aus dem Hahn kommt. In solchen Fällen nehmen wir am Schluss immer auch eine Wasserprobe.
Das Wasser ist unser kostbarstes Gut. Wie oft wird seine Qualität überprüft?
Das wird regelmässig überprüft. In meinem Gebiet kommt das dreimal im Jahr vor.
Und mit welchem Ergebnis? Wie ist die Qualität des «Möischterer» Wasser?
Wir haben eine gute Qualität – einzig der Kalkgehalt ist etwas hoch.
Woher hat Schwarzenbach sein Wasser?
In Schwarzenbach beziehen wir das Trinkwasser von einem Grundwasserstrom, der zwischen Mosen und Ermensee verläuft. Pumpen beim Reservoir Mosen bringen es zu uns hoch.
Die Zahl der Hitzesommer nimmt zu. Zuletzt litt die Region 2017 unter der Trockenheit und mehrere Gemeinden appellierten an die Bevölkerung, den Wasserverbrauch zu senken. Wie ist die Situation hier? Wird das Wasser knapp?
In meinem Gebiet hatten wir nie das Problem der Wasserknappheit. Wasser ist eines der wichtigsten Lebensmittel von uns, dazu sollten wir immer Sorge tragen. Ohne Wasser und Sonne gäbe es auch kein Leben.
Warum ist das so? Warum hat Schwarzenbach weniger mit Wasserknappheit zu kämpfen als andere Gemeinden?
Wir haben sehr viele, die ihr Wasser von einer Quelle beziehen. Wenn es knapp wird, können sie umstellen auf unser Wasser. Der Verbrauch ist bei uns damals nicht markant angestiegen.
Und in Zukunft, in 20 Jahren, wird Wasserknappheit ein Problem?
Ich denke nicht. Mit der Aquaregio haben wir uns 2018 an einen Verbund angeschlossen, der die Wasserversorgung von Rippertschwand bis zum Blosenberg regelt. Die Gebiete sind sehr gut untereinander verbunden und man kann sich bei einer Knappheit aushelfen.
20 Jahre Brunnenmeister ist eine lange Zeit. Wie hat sich die Arbeit verändert?
Die Arbeit ist in etwa gleichgeblieben. Anders ist aber das Verständnis der Bevölkerung bei einem Lieferunterbruch – es ist kleiner geworden.
Wird das Wasser zu wenig wertgeschätzt?
Meine persönliche Wahrnehmung ist, dass viele Leute denken, Wasser ist einfach da. Es ist eine Selbstverständlichkeit geworden.
Wenn Sie zurückblicken: Was waren die Höhepunkte in der Zeit als Brunnenmeister?
Das war als ich den Ausführungen des Brunnenmeisters von Malters beiwohnen konnte. Das war nach dem Unwetter von 2005, als alles zusammengebrochen ist. Nichts ist mehr gegangen, auch die Telefone nicht. Die Wasserproben wurden mit Meldeläufern ins Labor gebracht. Die Ausführungen des Brunnenmeisters waren genial.
Was war das Schlimmste?
Das Schlimmste war, dass ich mein urähniges Nokia-Handy ersetzen musste, weil es für die Zeiterfassung als Brunnenmeister ein Smartphone mit Touchscreen braucht.
Wie haben Sie das Jubiläum gefeiert?
Mit einem störungsfreien Verlauf.
Sie haben das letzte Wort. Was wurde noch nicht gesagt?
Mein Dank geht an alle, die mich in irgendeiner Form unterstützt haben, sei es mit Rat oder mit Tat.
Interview: Sandro Portmann / Bild: spo