Nur Gewinner beim Lehrstellenparcours
Beromünster ist ein Pionier beim Lehrstellenparcours im Kanton Luzern. Die Erfolgsgeschichte steht nun vor der siebten Ausführung.
Win-Win-Win: Die Schule, das Gewerbe und die Jugendlichen vor dem Sprung ins Berufsleben schwärmen vom Lehrstellenparcours in Beromünster, der jährlich im Herbst durchgeführt wird. Sie alle profitieren von diesem Angebot. «Ich würde sogar noch ein viertes Win anhängen», sagt Lehrer Urs Berset. «Auch die Eltern profitieren vom Lehrstellenparcours, für die das Angebot eine grosse Erleichterung ist.» 2015 wurde der Lehrstellenparcours in Beromünster zum ersten Mal durchgeführt. Gemeinsam mit den Gemeinden Kriens und Malters bildete Beromünster eine Pilotgemeinde, um erste Erfahrungen zu sammeln. Initiiert wurde das Angebot vom kantonale Gewerbeveraband (KGL). Mittlerweile wird der Lehrstellenparcours an zehn Gemeinden durchgeführt.
Ein Startschuss
Welche Erfahrungen macht die Schule mit dem Lehrstellenparcours? Sekundarlehrer Urs Berset sagt: «Die Schüler machen sehr gerne beim Lehrstellenparcours mit. Es ist für sie ein intensiver aber spannender Tag, den sie zwar müde aber begeistert beenden.» Der Aufwand bei den Vorbereitungen sei zwar gross, er habe sich aber mit der neuen Software halbiert, die nun seit zwei Jahren die Planung erleichtert. Der Lehrstellenparcours sei der Startschuss für die Berufswahl an der Schule. «Von den vier Berufen kristallisieren sich vielleicht zwei heraus, wo die Schüler dann schnuppern gehen. Das ist das Geniale.» Ohne den Lehrstellenparcour als Startschuss sei die Gefahr gross, dass Schüler zwischen den Maschen durchfallen und die Berufswahl nach hinten schieben. «Gerade Schüler mit vielen Talenten, sogenannte Allrounder, haben es schwer sich zu entscheiden», so Berset.
Verschiedene Module
Und so funktioniert der Lehrstellenparcours: 80 Berufe stehen den Schülern der 2. Sekundarstufe aus Beromünster zum Reinschnuppern zur Auswahl. Von A wie Augenoptiker über I wie Informatiker bis Z wie Zimmermann ist alles dabei. Die rund 80 Schüler, die jeweils am Lehrstellenparcours teilnehmen, können im Vorfeld nach Prioritäten fünf Berufe angeben, die sie gerne tiefer kennenlernen wollen. Die Software gleicht dann im Hintergrund die Wünsche miteinander ab und erstellt für jeden Schüler ein individuelles Programm. Pro Personen können dann vier Berufe besichtig werden. Und was sind die begehrtesten Berufe? «Das ist immer ein wenig unterschiedlich», sagt Armin Amrein, der den Lehrstellenparcours von der Gewerbe-Seite mitorganisiert. Sei in den Vorjahren der Augenoptiker beliebt gewesen, so standen 2021 Berufe wie Bäcker/Konditor, Informatiker oder Kauffrau/Kaufmann hoch im Kurs. Der Einblick in die verschiedenen Berufe ist nur ein Teil des Lehrstellenparcours, hinzu kommen zwei weitere Module: Das Atelier «Lehrmeister» und das Atelier «Lehrling». Praxisnah geben in den beiden Ateliers Berufsbildner und Lehrlinge Einblicke in die Arbeitswelt. Im «Lehrmeisteratelier» soll den Schülern die Möglichkeit bieten, mit ihren Fragen und Anliegen direkt mit einem Lehrmeister in Kontakt zu treten und sie zu klären. Im ersten Teil werden den Schülern Knigge-Regeln aus der Arbeitswelt nahegelegt. Im zweiten Teil, werden die Jugendliche auf die wichtigsten Inhalte eines Bewerbungsdossiers sensibilisiert. Im «Telefonatelier» üben die Schüler das Organisieren einer Schnupperlehrstelle und führen ein Übungsgespräch mit einer erwachsenen Person durch. Diese sitzt im Nebenraum und gibt anschliessend wertvolle Rückmeldungen, es soll auch die Hemmung nehmen, selber zum Telefon zu greifen. Im «Lehrlingsatelier» schliesslich erfahren sie Wichtiges fürs Bewerben, das Schnuppern, und einen guten Start in die Lehre und die Berufsschule aus erster Hand. Die Schüler werden von rund einem Dutzend Eltern begleitet, welche die Schüler bei den verschiedenen Ateliers empfangen oder sie bei weiter entfernten Firmen auch per Auto hinbringen.
«Gerade Schüler mit vielen Talenten, sogenannte Allrounder, haben es schwer sich zu entscheiden»
Urs Berset, Sekundarlehrer
Weniger Leerläufe
Im Hintergrund laufen die Fäden bei Armin Amrein zusammen. Er organisiert den Lehrstellenparcours von Seiten des lokalen Gewerbes. Dies ist mit Aufwand verbunden. «Rund eine Woche bin ich am Vorbereiten und Organisieren», wie Armin Amrein schätzt. Es ist ein Aufwand, der sich jedoch auszahlt. «Die Entwicklung ist sehr positiv. Wir verzeichnen viel weniger Leerläufe bei der Schnupperlehre. Weil die Schüler sehen, was in welchem Beruf auf sie zukommt, können sie schon vorselektionieren», sagt Armin Amrein. Und auch das Gewerbe profitiert. «Rund 80 Prozent der Berufe können hier im Michelsamt angeboten werden. Die Idee ist, dass wir die Berufe, welche die Schüler reinschnuppern, auch hier ausbilden können», so Armin Amrein.
Der Lehrstellenparcours findet am Dienstag, 6. September, statt. Unternehmen, die mitmachen wollen, können sich beim Gewerbeverein Beromünster und Umgebung melden.
Infos gibts unter
www.gewerbe-beromuenster.ch/events
Text: Sandro Portmann
Fotos: zvg