Nette Leute, kein Nebel und ausserhalb des Sperrkreises: Beromünster hat einiges zu bieten
Um die halbe Erde von Papua-Neuguinea oder in einem Katzensprung von Hildisrieden – von überall her kann man in Beromünster landen und Fuss fassen. Vergangenes Jahr haben insgesamt 240 Personen neu in der Gemeinde ihren Wohnsitz bezogen, am vergangenen Freitag wurden sie vom Gemeinderat offiziell begrüsst. Rund 70 Gäste folgten der Einladung im Stiftstheater.
Ein Blick in die Statistik: 17 Personen zogen vergangenes Jahr aus Luzern in die Gemeinde Beromünster, ebenfalls 17 aus Hildisrieden. 15 kamen aus Sursee, 11 aus Menziken und je 10 Personen aus Rickenbach, Hochdorf und Emmenbrücke. Ist es der öV oder die Landluft, die Wohnung oder einfach der Zufall, der den neuen Wohnort bestimmt? Gründe gibt es unzählige, weshalb man etwa aus Malters, Männedorf, Brig oder Basel, Frankreich, Kanada oder China ausgerechnet in der Gemeinde Beromünster landet. Von insgesamt 240 Neuzugezogenen folgten am vergangenen Freitagabend 70 der Einladung zum Begrüssungsanlass des Gemeinderats. Und von diesen verrieten einige der Lokalpresse etwas über ihre Her- und Ankunft sowie ihre Beweggründe.
Michèle Breu und Remo Brand kamen aus Kriens nach Neudorf. Das Alte Bürgerheim wurde ihr neues Heim und es hat alles «sehr gut zu uns gepasst, inklusive Vermieter», wie sie lachend sagen. Die Natur- und Wildnispädagogin fügt an, sie sei halt eben ein «Landei». Sie hätten sich hier sofort wohl gefühlt.
Auch Stefanie Schmitz, die aus Deutschland via Luzern hierher fand, schätzt das Ländliche. Hier entdeckte sie für sich das ideale Haus für Geschäft, Lager und Büro. Von Reinach nach Schwarzenbach zügelten Sandro, Beata und Angelika in einen Dreierhaushalt. Eher durch Zufall wurde die Hildisrieder Familie Banz mit den zwei kleinen Buben zu Neudorfern, einfach weil sie gerne in der Region bleiben wollten.
Ganz im Gegensatz dazu Reto Wanner: Der Salesianer Ordensgemeinschaft des Don Bosco angehörend, kam er aus Papua-Neuguinea nach Beromünster. Hier schätzt er etwas, aus hiesiger Sicht völlig Selbstverständliches, nämlich «das sichere Umfeld und dass man sich frei bewegen kann.»
Jasmin und Angela aus Greppen hatten einen anderen Grund, ausgerechnet nach Beromünster zu ziehen. «Dieser Ort liegt eben gerade ausserhalb des Sperrkreises.» Sperrkreis? Ja, die junge Kispi-Angestellte wollte eben an einem Ort wohnen, von wo aus sie mit dem Auto zur Arbeit fahren darf. So einfach ist das. Bereuen sollten es die Schwestern nicht. «Hier ist mega viel los!», finden sie. Die Auffahrt, die Fasnacht und die Sänderparty haben sie schon miterlebt und sogar den Radioweg haben sie bestritten – etwas, was sie definitiv ganz vielen Einheimischen voraushaben.
Unter Zuzügern begegnet man aber manchmal auch ganz speziellen Berufen, zum Beispiel: Erfinder. Marco Feusi ist ein Erfinder. Bloss wegen der Wohnung sei er in Beromünster gelandet, meint er lächelnd, «und hier hat es keinen Nebel!» Zudem gefällt dem Patentinhaber für Augenimplantate oder Flugzeugtriebwerksteile die Unkompliziertheit der Bevölkerung hier. «Sehr nette Leute, wirklich!», findet er, «das fällt einem sofort auf.» Nun, wie besagt doch das Sprichwort, wie man in den Wald ruft, so ruft es zurück.
Zurück, das passt auch zu Heidi Huser-Schwegler. Was macht denn eine «Urmöischterin» wie sie am Neuzuzügerapéro? Nach 17 Jahren mit ihrer Liebe in den Kantonen Zug und Aargau wohnhaft, sei sie jetzt «einfach wieder heimgekommen. Ja, schreib es nur: Weils so schön ist!» Ihre Liebe hat sie natürlich mitgenommen.
Dass es in der Gemeinde Beromünster schön sei, bekräftigte auch Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold. «Wir wollen Sie willkommen heissen!», begrüsste er die Gäste und machte ihnen anhand einer Slide-Show die Highlights der Gemeinde schmackhaft. Biken, Golf, Walking, Fliegen, Hallenbad, ja sogar Fallschirmspringen könne man hier, animierte er die Sportsfreudigen unter den Neuen, und fast 100 Vereine gebe es hier von A bis W (Artillerie bis Wynentaler-Örgeler), war der Wink an die Geselligen, und mit Bildern von «Perlen historischer Kulturgüter» liess er die Herzen der Kulturfreunde hüpfen.
Natürlich kam man auch um die Politik nicht herum. «Beromünster wird ländlich bleiben und den historischen Charme behalten», stand hell geschrieben in der Präsentation neben roten «Nein»- und gelben «Ja»-Plakaten. Weiter hiess es: «Der Abstimmungskampf ist lanciert.» Gesamtrevision der Ortsplanung, Dreifachturnhalle, Ortsumfahrung ... «Bei uns ist einiges los!», sagte Hans-Peter Arnold, was die politisch Interessierten wohl schon gleich bei ihrer Ankunft bemerkt haben dürften.
Das Weisswein- oder Jusglas in der einen Hand, Köstlichkeiten aus den dampfenden Töpfen des Galfri-Caterings in der anderen, genossen die Gäste noch bis in den Abend hinein das gemütliche Zusammensein, Kennenlernen und Diskutieren. 6788 Einwohner, 42.3 Quadratmeter Gemeindefläche, vier Ortsteile – den neuen «Möischterern» dürfte der Gesprächsstoff so schnell ja nicht ausgehen.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli