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Nachgefragt: Wie geht es der Gastro-Szene im Michelsamt?

Die Gastrolandschaft in Rain ist mit der Schliessung des Gasthaus Kreuz ausgetrocknet. Seit Dezember hat die 3000-Seelen-Gemeinde kein Restaurant mehr. Zeit, den Gastrobetrieben in der Region den Puls zu fühlen. Wie geht es den Beizen hier? Der «Anzeiger Michelsamt» hat bei einem Dutzend Gasthäusern nachgefragt. Viele Wirte gaben sich wortkarg und wollten sich nicht in der Zeitung öffentlich zu ihrem Befinden äussern.

Beromünster: Höhen und Tiefen

Anders beim Gasthaus Hotel Hirschen in Beromünster, dem Dominik Balmer und Denny Bretschneider im Sommer 2019 wieder Leben eingehaucht haben. «Diesen Sommer hatten wir ein gutes Geschäft dank unserer Hotelzimmer. Auch die Terrasse und unser Gärtli wurden gern besucht. Dafür blieben Familienanlässe und Firmenfeiern aus. Unseren wunderschönen Festsaal konnten wir so nur unzureichend nutzen», blicken die beiden zurück. Die Situation sei unberechenbar, viele würden sich wegen den Einschränkungen seitens BAG und Panikmache der grossen Verlagshäuser nicht ins Restaurant trauen. «Es gibt Höhen und Tiefen, die finanzielle Situation ist nicht einfach. Wir beissen uns durch und schauen positiv auf die kommenden Monate», so das Fazit der beiden. Auch der demografische Wandel sei im täglichen Geschäft spürbar. «Die Älteren sterben, die Jungen gehen in die Stadt, nach Sursee oder Luzern. Es wird viel Fast Food konsumiert oder zu Hause gekocht und gegessen.» Und wie blicken die Hirschen-Betreiber in die Zukunft? «Die Planungssicherheit fehlt, langfristige Planung ist nicht möglich.» Trotzdem geben sie sich positiv und kämpfen mit Leidenschaft für den Betrieb. «Wir versuchen weiterhin, die Gäste durch unseren Service und die regionale und saisonale Küche zu überzeugen. Wir nutzen Plattformen wie «Label Fait maison», «Zentralschweiz geniesst» oder die verschiedenen regionalen Tourismusverbände, da wir leider nicht auf die breite Unterstützung durch die einheimische Bevölkerung zählen können, wie andere Restaurants in den Nachbarorten.»

Gunzwil: Den Kopf über Wasser

Nur ein paar Hundert Meter weiter – bei der Pizzeria la Trinacria da Nino in Gunzwil – ist die Stimmung ähnlich. «Um ehrlich zu sein, manchmal geht es gut, manchmal solala», sagen Niceta Montesanto und Nino Amodei, die seit vier Jahren die Pizzeria an der Schuelgass in Gunzwil betreiben. Während sie auf einen guten Sommer zurückblicken, bringen die Coronamassnahmen des Bundes das Geschäft nun ins Trudeln. «Seit 2G Mitte Oktober haben wir massiv weniger Gäste» Finanziell reiche es gerade noch, den Kopf über Wasser zu halten. Aber wie lange noch? «Wir schaffen es, die Rechnungen zu bezahlen, für mehr reicht es nicht.» Den Kopf lassen sie dadurch aber nicht hängen – und bereits tüfteln sie, was sie den Kunden zum Valentinstag kulinarisch bieten können. «Man muss immer etwas machen», sagen die beiden Gastronomen. Dazu gehört auch die neue «Pinsa Romana», die einen besonders luftigen Teig hat. Noch sind sie zuversichtlich und hoffen auf einen guten Sommer.

Herlisberg: «Optimistisch bliibe»

Auch an Traditionshäusern wie dem Wirtshaus zum Herlisberg geht die aktuelle Krise nicht vorbei. «Wir haben weniger Mittagessen und deutlich weniger Veranstaltungen als sonst», sagt Gastgeberin Liselotte Niederberger vom «Herlisberg». Corona sei der Hauptgrund, die Zertifikatspflicht und die unübersichtliche Lage halte viele vom Restaurantbesuch ab. Sie müssten von besseren Jahren zehren und seien doch als bekanntes Lokal in der Region in einer besseren Lage als andere. Man kenne die Familie Brunner vom Kreuz in Rain gut, habe aber noch nicht festgestellt, dass Rainer nun vermehrt in den Herlisberg kämen. Wie es weitergehe, sei sehr schwer abzuschätzen, doch «mier müend optimistisch bliibe», wie Liselotte Niederberger mit Überzeugung sagt.

Rickenbach: «Das Abendgeschäft ist eingebrochen»

Monika Fehlmann, Gastgeberin der Dorfwirtschaft mit Eventbereich, sagt: «Das Mittags-, Tages- und Café-Geschäft läuft trotz Corona glücklicherweise erfreulich weiter.» Hingegen sei das Abendgeschäft mit der Zertifikatspflicht eingebrochen. Deshalb ist das Restaurant seit Dezember vorübergehend abends um 18.30 Uhr geschlossen. Im Vorfeld gebuchte Abendanlässe würden jedoch weiterhin durchgeführt. «Seminare und Events werden momentan leider eher selten gebucht und wenn, dann oft mit weniger Teilnehmenden als ursprünglich reserviert», weiss Monika Fehlmann. «Dennoch schauen wir vorwärts und planen, das Restaurant ab Mitte März auch abends wieder zu öffnen. Gleichzeitig werden wir die angrenzende «Käse-Kompetenz» jeweils am späteren Freitagnachmittag und frühen Abend sowie am Samstagvormittag bis nach dem Mittag zum öffentlichen Käseverkauf und zum Apéro öffnen!»

Optimismus in Hildisrieden

Der neue Gastgeber des Traditionshauses «Roter Löwen», Andreas Müller, ist erst seit fünf Wochen im Betrieb und kann deshalb noch keine Vergleiche zu den Vorjahren anstellen. Er stellt jedoch erfreut fest, dass er in der kurzen Zeit auch schon Gesellschaften von Rain kulinarisch verwöhnen durfte. Bei den Individualgästen frage er natürlich nicht, woher sie kommen. «Ich bin immer optimistisch, was wollen wir denn sonst. Wenn jemand für den Sommer 2022 oder später reserviert, freue ich mich! Und was dann gilt, können wir alle nicht beeinflussen. Es wird garantiert wieder Sommer!», schmunzelt er.


Text: Karl Heinz Odermatt und Sandro Portmann




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